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Lindner mit Atom-Reservelösung unzufrieden: Lässt Habeck AKWs doch am Netz?

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Von: Moritz Serif

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Finanzminister Lindner erhöht den Druck auf Wirtschaftsminister Habeck. Die Lage Frankreichs könnte den Grünen zur Umkehr zwingen.

Berlin – Es knirscht erneut in der Ampelkoalition: Finanzminister Christian Lindner (FDP) fordert von seinem Kollegen Robert Habeck, Grünen-Wirtschaftsminister, Atomkraftwerke weiterlaufen zu lassen. Mit der Reservelösung für zwei Kraftwerke gebe er sich nicht zufrieden. Auch die Gasumlage sorgt weiter für Diskussionen.

„Es ist unabdingbar, die Kapazitäten am Strommarkt zu erhöhen und so die galoppierenden Preise zu senken. Die drei sicheren Kernkraftwerke müssen weiterlaufen und die Kohlekraftwerke unbedingt ans Netz gebracht werden“, sagte Lindner im Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung am Mittwoch (21. September).

Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft.
Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft. © Kay Nietfeld/dpa

Lindner für Weiterbetrieb von AKWs: Wie reagiert Habeck?

„Die Bundesregierung hat darüber noch nicht abschließend entschieden“, sagte der FDP-Parteivorsitzende. „Ich kann nur dringend darauf hinweisen, dass wir aus physikalischen, ökonomischen und politischen Gründen für einen gewissen Zeitraum weiter auf die Kernenergie setzen sollten.“

Finanzminister Lindner wolle mit dem Weiterbetrieb der Atomkraftwerke das Netz stabil halten und dafür sorgen, dass die Strompreise sinken. „Politisch senden wir das Signal, dass in dieser schwierigen Situation die Politik alle Möglichkeiten ausschöpft, um die Lage zu verbessern. Das bedeutet, dass die Kernkraftwerke Neckarwestheim, Isar 2 und natürlich auch Emsland am Netz gehalten werden müssen“, so der Finanzminister.

Habeck könnte AKWs länger am Netz lassen

Wie reagiert Habeck? Laut Spiegel könnte der Wirtschaftsminister die deutschen Meiler doch am Netz lassen. Habeck habe sich einen Steckbetrieb die ganze Zeit über vorbehalten. In Frankreich fehlten demnach Stromkapazitäten und das Land habe ebenfalls einen hohen Bedarf. Daher könnten die Atomkraftwerke in Deutschland für die Stabilität des inländischen und europäischen Stromnetze von großer Bedeutung sein.

Seit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine liefert der Kreml weniger Gas nach Deutschland. In der Diskussion ist, ob die drei verbliebene Atomkraftwerke noch länger betrieben werden sollten. Pläne von Minister Habeck sehen vor, zwei Kraftwerke für den Fall von Engpässen noch bis Mitte April einsatzbereit zu halten: Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim in Baden-Württemberg.

Atomausstieg geht unter anderem auf Ex-Kanzlerin Merkel zurück

Nach dem unter der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beschlossenen Atomausstieg sollten eigentlich alle deutschen Atomkraftwerke zum Jahresende vom Netz gehen. Vertreter von FDP, CDU und der in Bayern regierenden CSU plädieren für einen Weiterbetrieb aller drei Kraftwerke. (mse/dpa)

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