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Atomkraft: Japan plant Bau neuer Atomkraftwerke

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Von: Christian Stör

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Das japanische Atomkraftwerk Mihama ist im Juni 2021 wieder in den kommerziellen Betrieb gegangen.
Das japanische Atomkraftwerk Mihama ist im Juni 2021 wieder in den kommerziellen Betrieb gegangen. © Imago

Die Energiekrise sorgt in Japan für ein Umdenken. Elf Jahre nach dem Atom-GAU von Fukushima setzt das Land wieder auf Kernkraft.

Tokio - Die Atomkraft schien in Japan schon ausgespielt zu haben. Zu frisch war die Erinnerung an den GAU in Fukushima im März 2011. Hunderttausende mussten damals das Gebiet verlassen, Zehntausende können bis heute nicht zurückkehren. Von der Atomkraft wollte niemand mehr etwas wissen, sie galt in Japan als Technologie ohne Zukunft.

Nun aber scheint der Wind sich wieder zu drehen. Am Mittwoch (24. August) bereitete Ministerpräsident Fumio Kishida jedenfalls die Voraussetzungen für einen radikalen Kurswechsel in der Kernenergie. Neben einer Verlängerung der Laufzeiten bestehender Atomkraftwerke auf mehr als 60 Jahre erwägt die Regierung auch die Entwicklung und den Bau von AKWs der nächsten Generation. Bis Jahresende wolle man diesbezüglich zu einem Ergebnis kommen, kündigte Kishida an. Dies wäre eine Abkehr von Japans bisheriger Linie, keine zusätzlichen Atomkraftwerke zu bauen.

Atomkraft in Japan: Mit Beginn des Ukraine-Kriegs setzt Umdenken ein

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 führte Japan strengere Sicherheitsstandards ein, die den Betrieb von Reaktoren grundsätzlich auf 40 Jahre begrenzten. Ein Betrieb für weitere 20 Jahre ist jedoch möglich, wenn Sicherheitsverbesserungen vorgenommen werden. Mittlerweile wird die Atomkraft bereits wieder als Quelle zur Grundversorgung genutzt. Bisher haben 17 Atomreaktoren die verschärften Sicherheitsauflagen erfüllt, zehn Meiler wurden wieder in Betrieb genommen. Man werde alles tun, auch die übrigen sieben ans Netz zu bringen, so Kishida.

Der Ministerpräsident machte deutlich, dass der Ukraine-Krieg und die steigenden Energiekosten sowohl eine Änderung der öffentlichen Meinung als auch ein Umdenken in Bezug auf die Kernenergie erzwungen haben. Tatsächlich hatte schon Ende März eine Befragung der Zeitung Nikkei ergeben, dass 54 Prozent der Befragten für eine stärkere Nutzung der Atomkraft sind.

Atomkraft in Japan: Plan für „grüne Transformation“

Regierungsbeamte trafen sich der Nachrichtenagentur Reuters zufolge am Mittwoch, um einen Plan für die sogenannte „grüne Transformation“ auszuarbeiten, der darauf abzielt, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt auf die Erreichung von Umweltzielen umzurüsten. Die Kernenergie wird von einigen Regierungsmitgliedern in Japan als eine Komponente für eine solche grüne Transformation angesehen. (cs/dpa)

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