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Hofreiter ärgert sich bei „Lanz“ über Scholz-Habeck-Flop: „Kann man kommunikativ scheiße nennen“

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Anton Hofreiter (Grüne) zu Gast bei „Markus Lanz“.
Anton Hofreiter (Grüne) zu Gast bei „Markus Lanz“. © ZDF Mediathek (Screenshot)

Toni Hofreiter nennt den maskenfreien Flug von Habeck und Scholz „kommunikativ scheiße“. Trotz Fracking-Gas geht es seinem grünem Gewissen „im Kern gut“. 

Hamburg – Am Donnerstag diskutiert Markus Lanz mit einer vergleichsweise kleinen Runde. Grünen-Politiker Anton Hofreiter, Journalistin Eva Quadbeck und der Autor Ferdinand von Schirach sind zu Gast. Erst kürzlich hatte Lanz im Podcast „Lanz und Precht“ verraten, dass er für Hofreiter durchaus Sympathien hege. Nicht unbedingt wegen der politischen Inhalte, sondern weil dieser „so geradeaus ist“, was in der Politik eine Seltenheit sei.

Als die Runde darüber spricht, warum Robert Habeck und Olaf Scholz im Flugzeug nach Kanada keine Masken getragen haben, untermauert Hofreiter das Moderatoren-Lob. Auf Lanz‘ Frage, ob die Kommunikation rund um die Entstehung der Bilder suboptimal gelaufen sei, entgegnet Hofreiter: „Kommunikativ kann man das auch einfach scheiße nennen.“

Kanada-Flug mit Nachspiel: Mitreisende Quadbeck erklärt die Entstehung der Bilder

Journalistin Eva Quadbeck, die ebenfalls im Flieger saß, erklärt dazu die Entstehung der Bilder: „Der Kameramann der ARD hat Schnittbilder gemacht in einem Moment, in dem keiner mehr darauf achtet, wie er gerade dasitzt oder was er gerade tut. Die einen haben gedöst, andere Filme geguckt, andere haben gearbeitet.“ Diese Bilder wurden dann im „Morgenmagazin“ gesendet. Der Stein sei jedoch erst dadurch ins Rollen gekommen, dass das Thema bei Twitter von interessierter Seite „so richtig hochgezogen wurde“, sagt Quadbeck.

Vor dem Einsteigen ins Flugzeug habe der ein oder andere Kollege gefragt, ob man denn eine Maske tragen müsse. Daraufhin sei den Journalistinnen und Journalisten gesagt worden, dass es keine Maskenpflicht an Bord gebe. Hintergrund ist, dass sämtliche Insassen einen maximal 24 Stunden alten negativen PCR-Test vorgelegt haben und mindestens doppelt geimpft sind.

Scholz und Habeck im Masken-Streit: „Bilder hinterlassen verheerenden Eindruck“

Trotzdem kann Quadbeck die Aufregung nachvollziehen. Zwar habe im Flugzeug selbst keiner den Eindruck gehabt, dass man gerade etwas falsch mache, aber die entstandenen Bilder „hinterlassen einen verheerenden Eindruck“. Es sehe aus wie: „Heidewitzka, was kümmert uns noch Corona?“ Und das in einer Zeit, als die Bundesregierung die Maskenpflicht in Flugzeugen gerade verlängert hat.

„Da ist mal wieder jemand gleicher als die anderen“ sei das Gefühl, das viele Menschen beschleiche. Die Frage sei aber, wie man das erklärt. Denn eigentlich seien die Regularien im Regierungsflugzeug „viel strenger“, meint Quadbeck. „Ich möchte auch nicht wissen, was in diesem Land los wäre, wenn die Bundesregierung jetzt sagen würde, wir machen das grundsätzlich auf allen Flügen so, dass die Leute geimpft und PCR-getestet sein müssen. Dann würde kein Flugzeug mehr abheben können.“

Von Schirach empfindet „dieses Theater um die Masken“ als „ein bisschen albern“. In dem Regierungsflugzeug sei alles gemacht worden, um Infektionen zu vermeiden, „viel mehr als ich auf jedem einzelnen Flug in meinem Leben jemals gemacht habe“.

Anton Hofreiter: „Dann gäbe es einen Aufstand im Land“

Lanz zitiert daraufhin zwei FDP-Politiker. Wolfgang Kubicki hat der Regierung „elitäre Doppelmoral“ vorgeworfen, Alexander Graf Lambsdorff hat gefordert, dass es „nach diesen Bildern nicht bei der Maskenpflicht in normalen Flugzeugen bleiben kann“. Anton Hofreiter platzt bei diesen Aussagen der Kragen: „Es ist völlig unverantwortlich, wenn Politiker, die keiner populistischen Partei angehören, ihr eigenes Süppchen kochen, nur weil sie selber keine Lust haben, Maske zu tragen.“ Die Regeln seien schließlich strenger gewesen. „Oder ist Herr Kubicki jetzt dafür, dass jeder, bevor er einen Flieger besteigt, einen aktuellen PCR-Test vorlegt?“ Man solle „die beiden Herren“ mal fragen, ob sie die Regel gerne für alle hätten? „Dann gäbe es einen Aufstand im Land“, ist sich Hofreiter sicher.

„Markus Lanz“ - diese Gäste diskutierten am 25. August:

Genau dieser bleibt zur Verwunderung Lanz‘ angesichts der Cum-Ex-Affäre aber aus, obwohl es sich möglicherweise um den größten Steuerbetrug in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland handelt. Für Irritation in der Runde sorgt dabei auch die Rolle von Olaf Scholz, der angibt, sich an nichts zu erinnern. Lanz stellt klar, dass keiner dem Bundeskanzler unterstellen könne und wolle, dass dieser korrupt sei. Von Schirach erklärt, dass ein Beschuldigter gar nichts sagen müsse. Scholz sei aber lediglich Zeuge und als dieser der Wahrheit verpflichtet. Wenn er sich aber an nichts erinnern könne, dann könne ihm keiner einen Strick daraus drehen. Von Schirach glaubt, dass Cum-Ex zu kompliziert ist und deswegen wenig öffentliches Interesses findet. Das Masketragen betrifft im Gegensatz dazu jeden Menschen.

Fracking-Gas ist für Hofreiter „hochproblematisch“

Danach geht es um die Energiepolitik. Hintergrund des Besuchs von Scholz und Habeck in Kanada war schließlich, dass ein Energielieferant gewonnen werden soll. „Bei Kanada reden wir über Wind und Fracking-Gas, wie finden Sie das?“, fragt Lanz Hofreiter. „Das ist hochproblematisch, aber das müssen wir ausgleichen durch Wasserstoff und verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien. Aber kurzfristig sind wir zu Dingen gezwungen, die wir uns früher nicht vorstellen konnten.“ Bei diesem Vorgehen gehe es ihm „im Kern gut“, da die Situation plausibel zu erklären sei, meint Hofreiter. Trotzdem müsse man alles daransetzen, mittelfristig die Energiewende zu schaffen.

Zum Abschluss lenkt Lanz den Fokus auf die paradoxe Situation, dass sich Familien vor der nächsten Gasrechnung fürchten, während Unternehmen teilweise ohne Zutun von der Krise profitieren. Deswegen hofft Hofreiter auf eine Übergewinnsteuer. Die Krise müsse von denen bezahlt werden, die von dieser profitieren. „Man muss sich dringend in der Ampel darum kümmern, dass die Firmen, die erhebliche Gewinne einfahren und die Gasumlage nicht brauchen, diese Gasumlage auch nicht kriegen“, fordert der Grünen-Politiker.

„Markus Lanz“ - Das Fazit der Sendung

Weniger Gäste als sonst, dafür mehr Themen. Nachdem die Hintergründe des maskenfreien Fluges nach Kanada erörtert wurden, verpasst Anton Hofreiter Wolfgang Kubicki und Alexander Graf Lambsdorff eine Verbal-Watschn. Cum-Ex wird nur kurz angerissen, danach wird Hofreiter mit der künftigen Energiepolitik vor dem Hintergrund des Kanada-Besuchs konfrontiert. Gegen Ende der Sendung positioniert sich der Grünen-Politiker deutlich für eine sogenannte Übergewinnsteuer. Dabei erhält Hofreiter wenig Gegenrede – von wem auch? (Christoph Heuser)

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