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CDU-Beben! Werteunion-Chef soll als AfD-Kandidat Bundespräsident werden - und zieht nun selbst Konsequenzen

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Von: Florian Naumann, Andreas Schmid

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Max Otte
Max Otte ließ sich von der AfD für das Amt des Bundespräsidenten nominieren. © Kay Nietfeld/dpa

Die AfD will bei der Bundespräsidentenwahl einen Kandidaten stellen: Max Otte, CDU-Politiker und Chef der Werteunion. Die CDU reagiert nun deutlich. News-Ticker.

Update vom 26. Januar, 11.50 Uhr: Um Max Otte gibt es zurzeit viel Aufregung. Die AfD nominierte ihn für das Amt des Bundespräsidenten (siehe Update vom 25. Januar, 11.40 Uhr). Die CDU reagierte, Otte soll aus der Partei ausgeschlossen werden (siehe Update vom 25. Januar, 18.49 Uhr). Der Deutschen Presse-Agentur in Berlin teilte Otte nun mit, er habe die Entscheidung des CDU-Vorstands zur Kenntnis genommen. Zugleich erklärte er: „Sollte die CDU noch einen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten nominieren, der sich aktiv dafür einsetzt, die Spaltung des Landes zu überwinden, ziehe ich meine Kandidatur zurück.“ Die CDU hat sich entschieden, keinen eigenen Kandidaten aufzustellen, sondern bei der Bundesversammlung Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier zu unterstützen*.

Max Otte lässt Amt als Chef der Werteunion ruhen

Update vom 26. Januar, 9.05 Uhr: „Aus Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten und seiner Würde lasse ich mein Amt als Vorsitzender der Werteunion sowie alle anderen parteipolitischen Aktivitäten bis nach der Wahl der Bundesversammlung am 14. Februar 2022 ruhen“, teilte Max Otte am Dienstagabend in einer persönlichen Erklärung mit. Die Amtsgeschäfte würden solange von den stellvertretenden Vorsitzenden geführt. „Unmittelbar nach der Wahl wird der Vorstand der Werteunion über das weitere Vorgehen beraten“, hieß es weiter. Mit seiner Kandidatur für das höchste Staatsamt im Namen der AfD brachte der CDU-Politiker Max Otte die Führung seiner Partei auf die Barrikaden. Die CDU zog Konsequenzen (siehe Update vom 25. Januar, 18.49 Uhr).

Max Otte (M.) nimmt an einer Pressekonferenz der AfD mit Alice Weidel (l.), Fraktionsvorsitzende der AfD, und Tino Chrupalla, AfD-Bundesvorsitzender, teil.
Max Otte (M.) nimmt an einer Pressekonferenz der AfD mit Alice Weidel (l.), Fraktionsvorsitzende der AfD, und Tino Chrupalla, AfD-Bundesvorsitzender, teil. © Kay Nietfeld/dpa

Update vom 25. Januar, 22.50 Uhr: Die AfD und Werte-Union-Chef Max Otte machen gemeinsame Sachen. Die AfD provoziert die CDU, die diesen Angriff aber prompt abwehren konnte. Am Ende gibt es nur einen Verlierer, heißt es in einem Kommentar von Merkur.de*.

Update vom 25. Januar, 19.25 Uhr: Eine zentrale Entwicklung zusammengefasst: Der CDU-Bundesvorstand hat den Parteiausschluss des Vorsitzenden der Werteunion, Max Otte, wegen der Kandidatur auf Vorschlag der AfD für das Amt des Bundespräsidenten beschlossen. Die Parteiführung sehe in dem Schritt einen "erheblichen Verstoß", durch den der Partei "schwerer Schaden zugefügt" werde, sagte Generalsekretär Paul Ziemiak am Dienstagabend in Berlin. Otte werde deshalb bis zur Entscheidung des zuständigen Parteigerichts "mit sofortiger Wirkung und bis auf weiteres vorläufig ausgeschlossen".

Otte habe mit der Kandidatur auf Vorschlag der AfD einerseits gegen die Entscheidung der CDU verstoßen, eine zweite Amtszeit von Amtsinhaber Frank Walter Steinmeier zu unterstützen, sagte Ziemiak weiter. Er habe gleichzeitig Parteitagsbeschlüsse von 2018 verletzt, "in keiner Weise mit der AfD zusammenzuarbeiten". Durch die gemeinsame Pressekonferenz am Dienstag mit der AfD-Spitze im Bundestag habe er zudem seine "Loyalitätsverpflichtung" gegenüber der CDU missachtet.

Ziemiak sprach von einem "beispiellosen Vorgang". Angesichts der Bundespräsidentenwahl am 13. Februar könne eine Parteigerichtsentscheidung jetzt auch nicht abgewartet werden, sagte er. Der Fall habe "sofortiges Eingreifen" erfordert.

Sein designierter Nachfolger, Mario Czaja, sagte, die neue Führung unter dem künftigen Parteichef Friedrich Merz stehe "voll und ganz" hinter der Entscheidung des scheidenden Bundesvorstands. Bei der digitalen Sitzung der CDU-Führung waren auch der Vorsitzende des Kreisverbands Köln, dem Otte angehört, sowie der CDU-Landesverband Nordrhein-Westfalen zugeschaltet. Otte kann zu dem Beschluss bis zum 29. Januar Stellung nehmen.

Der Bundesvorstand bezieht sich in der Entscheidung auf Paragraf 11 des CDU-Statuts. Dort heißt es, "in dringenden und schwerwiegenden Fällen, die sofortiges Eingreifen erfordern", könne die Partei ein Mitglied "bis zur rechtskräftigen Entscheidung der zuständigen Parteigerichte ausschließen". Ein solcher Beschluss gilt demnach "gleichzeitig als Antrag auf Einleitung eines Ausschlussverfahrens".

CDU-Beben! Werteunion-Chef Max Otte vor Partei-Ausschluss: Merz greift nach AfD-Nominierung durch

Update vom 25. Januar, 18.51 Uhr: Otte habe mit der Kandidatur auf Vorschlag der AfD auch gegen Parteitagsbeschlüsse aus dem Jahr 2018 verstoßen. Demnach waren bei einer digitalen Sitzung des Bundesvorstands auch der Vorsitzende des Kreisverbands Köln, dem Otte angehört, sowie der CDU-Landesverband Nordrhein-Westfalen zugeschaltet.

Der Bundesvorstand bezieht sich dabei auf Paragraf 11 des CDU-Statuts. Dort heißt es, „in dringenden und schwerwiegenden Fällen, die sofortiges Eingreifen erfordern“, könne die Partei ein Mitglied „bis zur rechtskräftigen Entscheidung der zuständigen Parteigerichte ausschließen“. Ein solcher Beschluss gilt demnach „gleichzeitig als Antrag auf Einleitung eines Ausschlussverfahrens“.

Update vom 25. Januar, 18.50 Uhr: Ziemiak spricht von einem Loyalitätsbruch. Die Union wolle bei der Wahl zum Bundespräsidenten eine zweite Amtszeit von Frank-Walter Steinmeier (SPD) unterstützen. „Die politischen Spielchen der AfD und die Art und Weise, inwiefern sich Herr Otte darauf eingelassen hat, zeugt von wenig Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten, wenn nicht sogar vor der gesamten Demokratie.“

Update vom 25. Januar, 18.49 Uhr: Die CDU bestätigt, dass Otte von der Partei ausgeschlossen werden soll. Otte werde zudem von der Ausübung seiner Mitgliedschaftsrechte ausgeschlossen. Die PK läuft. Durch die Otte-Nominierung sei der CDU „erheblicher Schaden zugefügt“ worden, sagt (Noch-)Generalsekretär Paul Ziemiak.

Update vom 25. Januar, 18.35 Uhr: Der CDU-Bundesvorstand will Max Otte von der Partei ausschließen. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur. In Kürze ist eine Pressekonferenz zur Causa Otte geplant. Wir begleiten die PK im Live-Ticker.

Max Otte: Konservativer Aufbruch Bayern über AfD-Nominierung entsetzt

Update vom 25. Januar, 17.45 Uhr: Die AfD-Nominierung von Max Otte für die Bundespräsidentenwahl sorgt weiter für Kritik. Der CDU-Politiker und Chef der Werteunion muss mit einem Partei-Ausschlussverfahren rechnen (siehe vorheriges Update). Kritik gibt es nun auch vom „Konservativen Aufbruch in Bayern“, früher eine Art Landesverband der Werteunion.

Landessprecherin Juliane Ried bezeichnets Ottes Nominierung als „völlig verantwortungslosen Alleingang zum Schaden der Werte-Union“. Es sei offensichtlich, „dass Herr Otte das Amt des Bundesvorsitzenden der Werte-Union nur angestrebt hat, um diese Position für öffentlichkeitswirksame Aktionen zugunsten seiner Person zu nutzen.“ Rieds Fazit: „Die Werte-Union als Formation in CDU und CSU ist durch diesen Alleingang nun endgültig zerstört.“ Otte habe der Unionsführung weiteren Anlass für Parteiausschussverfahren gegen Mitglieder der Werteunion gegeben. „Damit macht das Projekt einer konservativen und wirtschaftsliberalen Plattform in der Union keinen Sinn mehr.“

Die „Konservative Aufbruch Bayern“ trat im Sommer 2021 aus dem Bundesverband der Werteunion aus. Man wolle sich verstärkt auf die CSU konzentrieren. Seitdem tritt die Organisation - wie bei ihrer Gründung 2014 - unter dem Namen „Konservativer Aufbruch in Bayern“ auf. Man sieht sich als Vertretung der konservativen Strömung in der Union, ist aber keine offizielle Parteigliederung. Ried selbst trat im Mai 2021 bei der Wahl zur Bundesvorsitzenden der Werte-Union an - scheiterte aber knapp an Otte.

Werteunion-Chef will mit AfD Bundespräsident werden: Merz wird intern deutlich

Update vom 25. Januar, 16.35 Uhr: Friedrich Merz hat sich für ein schnelles Partei-Ausschlussverfahren gegen den Chef der erzkonservativen Werte-Union, Max Otte, ausgesprochen. „Es gibt einen sehr harten und klaren Schnitt“, sagte Merz nach Teilnehmerangabe am Dienstag in einer Online-Sitzung der Unionsfraktion im Bundestag. Otte sei ein Mann, der sich schon lange weit entfernt habe von der Union. „Wir werden ihm heute Abend zeigen, dass wir sehr schnell und sehr eindeutig handeln“, sagte Merz. Otte hatte zuvor erklärt, er werde für die AfD als Kandidat für das Bundespräsidentenamt antreten (siehe voriges Update).

„Wir werden ganz klare Zeichen setzen“, sagte Merz in Richtung Otte. Der CDU-Bundesvorstand komme am Abend zu einer digitalen Sondersitzung zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Der Termin ist offenbar für 18.00 Uhr angesetzt.

Der scheidende Parteichef Armin Laschet wurde von den Teilnehmerkreisen mit den Worten zitiert: „Dieser Otte und auch die Werte-Union ist uns jahrelang auf der Nase herumgetanzt.“ Jeder wisse, wie schwer ein Ausschlussverfahren sei. „Jetzt ist eine Schwelle überschritten.“ Otte habe „vielleicht darauf spekuliert, dass wir in dieser Woche nicht handlungsfähig sind. Wir sind es. Und wir werden solche Umtriebe nicht dulden.“

Offiziell: Werteunion-Chef will mit AfD Bundespräsident werden - und sieht darin „keine Zusammenarbeit“

Update vom 25. Januar, 16.00 Uhr: Jetzt ist es offiziell: Die AfD-Spitze hat den CDU-Politiker und Vorsitzenden der erzkonservativen Werteunion, Max Otte, offiziell als ihren Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten präsentiert. „Heute ist ein guter Tag für die Demokratie in Deutschland, denn wir haben eine Alternative zu beiden linken Kandidaten um das Amt des Bundespräsidenten“, sagte AfD-Chef Tino Chrupalla am Dienstag in Berlin. Fraktionschefin Alice Weidel kritisierte, dass die Union selbst auf einen Kandidaten verzichtet.

Otte sagte bei dem gemeinsamen Auftritt mit Chrupalla und Weidel, er sehe seine Nominierung als eine „große Ehre“ und nehme diese an. Das Amt des Bundespräsidenten sehe er als Möglichkeit, darauf hinzuweisen, „dass wir über unsere Freiheitsrechte nachdenken müssen“, etwa in der Corona-Pandemie. Zudem seien ihm soziale Themen wichtig. Einen Widerspruch zu seiner CDU-Mitgliedschaft sehe er nicht, fuhr Otte fort. Es gehe um „das höchste Staatsamt, das über den Parteien steht“. Dies sei „keine Zusammenarbeit“ mit der AfD und damit kein Widerspruch zur CDU-Beschlusslage. „Es ist eine individuelle Entscheidung, ob ich diesen Vorschlag annehme oder nicht.“ Forderungen nach seinem CDU-Parteiaustritt wolle er nicht in den Medien kommentieren. sagte Otte.

Unterdessen nimmt das Parteiausschlussverfahren (siehe Update von 14.42 Uhr) für Otte sehr konkrete Formen an: Der CDU-Bundesvorstand will bereits um 18.00 Uhr über einen Ausschluss beraten.

CDU-Eklat um Werteunion-Chef: Otte attackiert in Interview Steinmeier

Update vom 25. Januar, 15.18 Uhr: Max Otte, Werteunion-Chef und offenbar designierter Bundespräsidentschafts-Kandidat der AfD, hat in einem weiteren Interview Kritik an der Amtsführung von Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier geäußert. „Ich kann nur sagen, dass während seiner Präsidentschaft sind die Gräben immer größer geworden sind, und der Bundespräsident hat ja die Aufgabe zu versöhnen, zu heilen und zusammenzuführen“, sagte er in einem Gespräch mit wa.de*.

Otte hatte nach eigenen Angaben auch auf eine Nominierung durch die CDU gehofft. Seine Stellvertreter an der Werteunion-Spitze hätten ihn „bei Friedrich Merz vorgeschlagen“, sagte er. Zugleich bekräftigte er seinen Willen, CDU-Mitglied zu bleiben und erteilte Spekulationen über einen Wechsel zur AfD eine Absage: „Ich bin und bleibe CDU-Mitglied, das habe ich immer gesagt“, betonte Otte gegenüber wa.de*.

CDU droht Werteunion-Konflikt: Parteiausschlussverfahren für Otte bereits auf dem Weg

Update vom 25. Januar, 14.42 Uhr: Der Konflikt um die offenbar vereinbarte Bundespräsidenten-Kandidatur des Werteunion-Chefs Max Otte auf einem Ticket der AfD schlägt zunehmend hohe Wellen. Die CDU Köln strebt nach eigenen Angaben bereits ein Parteiausschluss-Verfahren für Otte an - das teilte der Verband am Dienstag mit. Der Vorstoß erfolge in Absprache mit Landes- und Bundespartei.

Entsetzt äußerte sich auch Ex-CDU Chef Armin Laschet. „Von der AfD als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden, ist keine Ehre, sondern eine Schande“, twitterte er. Wer die Kandidatur erwäge, schädige das Ansehen der CDU und habe in ihr nichts mehr verloren.

Druck kommt auch aus den anderen Parteien. Der SPD-Parteivorstand erklärte, Otte oder auch andere CDU-Vertreter wie Hans-Georg Maaßen irritierten „mit politischer Grenzüberschreitung und Hetze“. Die Kanzlerpartei forderte eine Reaktion von Parteichef Friedrich Merz: Dieser müsse jetzt „Haltung beweisen“.

Bundespräsidenten-Eklat: Werteunion-Chef kandidiert für AfD - und schlägt Ziemiak-Ultimatum in den Wind

Update vom 25. Januar, 14.18 Uhr: Werteunion-Chef Max Otte hat die Forderung der CDU zurückgewiesen, wegen seiner Nominierung durch die AfD als Kandidat für die Bundespräsidentenwahl aus der Partei auszutreten. „Es gibt für mich keinerlei Gründe, über einen Austritt nachzudenken“, sagte Otte der Welt am Dienstag. Er nimmt demnach die Nominierung durch die AfD an, die er als „große Ehre“ bezeichnete.

„Ich sehe keinen Grund, bei einem höchst demokratischen Vorgang solche Töne zu verbreiten“, sagte Otte weiter. „Der CDU-Generalsekretär möge mich bitte anrufen, dann können wir über seine Forderung sprechen. Ich bin und bleibe felsenfest CDU-Mitglied.“ Das Amt des Bundespräsidenten müsse „sich dem Parteienstreit entziehen“, sagte der Werteunion-Vorsitzende weiter. „Die politische Wertung, dass ich der CDU durch eine Kandidatur schaden würde, kann ich nicht nachvollziehen. Eine Kandidatur wäre ein Dienst an der Demokratie.“

Bundespräsidenten-Eklat: CDU-Mann Otte schließt AfD-Kandidatur nicht aus - Ziemiak stellt Ultimatum

Update vom 25. Januar, 13.10 Uhr: „Wir fordern Herr Dr. Otte auf, die CDU zu verlassen“: Diese Worte äußerte soeben Noch-CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak auf einer Pressekonferenz. Zuvor hatte die AfD angekündigt, den CDU-Mann Max Otte für das Bundespräsidentenamt nominieren zu wollen (siehe Update vom 25. Januar, 11.40 Uhr).

„Wer dies als Christdemokrat überhaupt erwägt, sich von der AfD ins höchste Amt des Staates wählen zu lassen, der verletzt die Werte der CDU und hat in unserer Partei nichts verloren“, sagte Ziemiak weiter. Otte verstoße gegen Beschlüsse. Der designierte Generalsekretär, Mario Czaja, betonte, es sei nicht das erste Mal, dass Otte gegen die Regularien der Partei verstoße beziehungsweise sie an die Grenzen führe. Weitere Schritte würden am Abend im Bundesvorstand beraten. Otte soll bis 17.30 Uhr zu seinem weiteren Plan Stellung beziehen, ob er die Nominierung annehme.

„Wir sind nicht bereit, für irgendwelche Spielchen“, fügte Ziemiak noch hinzu. Otte führe der Partei durch diese Vorgehensweise Schaden zu. „Nach allem Eindruck, den man gewinnen kann, ist das auch bewusst so.“

AfD will CDU-Mann Otte für Bundespräsidentenamt nominieren

Update vom 25. Januar, 11.40 Uhr: Nun ist es offiziell: Die AfD will einen CDU-Mann für das Bundespräsidentenamt nominieren. Das hat AfD-Vize Stephan Brandner bestätigt. Das Ergebnis in einer Schalte von Bundesvorstand und Landeschefs am Vorabend sei eindeutig gewesen, sagte Brandner am Dienstag in Berlin. Er sprach von einem ganz klaren Bekenntnis zu Otte. Man habe einen Politiker gefunden, der ein „gutes Ansehen in der Öffentlichkeit“ genieße.

Auf die Frage, ob Otte schon zugesagt habe, sagte Brandner, er habe noch nicht persönlich mit ihm gesprochen. „Aber nach meiner Kenntnis ist er nach wie vor Feuer und Flamme als unser Kandidat für den Bundespräsidenten ins Rennen zu gehen.“

Auch aus der Union gibt es nun Reaktionen: Die Spitze der Unionsfraktion kündigte für den Fall einer Kandidatur Ottes ein Parteiausschlussverfahren an. „Eine Kandidatur für eine andere Partei, erst Recht in diesem Fall für die AfD, wäre absolut indiskutabel“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei (CDU). Eine solche Kandidatur würde gegen alle Regeln verstoßen und „wäre eindeutig ein parteischädigendes Verhalten, das zwingend auch zu einem Ausschluss führen müsste“, ergänzte er. „Genug ist genug“, sagte auch der baden-württembergische CDU-Fraktionschef Manuel Hagel.

Bundespräsidenten-Eklat: AfD will Chef der Werteunion nominieren - sogar Maaßen zieht Konsequenzen

Erstmeldung vom 25. Januar: Berlin - Die Wiederwahl von Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsident gilt als sicher - doch ausgerechnet eine aussichtslose Kandidatennominierung der AfD* könnte nun einen internen Streit der CDU* befeuern. Denn die Rechtspopulisten wollen einen Christdemokraten ins Rennen schicken*. Und zwar den Chef der auch CDU-intern immer wieder argwöhnisch beäugten stark rechten Werteunion, Max Otte. Der schließt eine Kandidatur nicht aus.

AfD will CDU-Mitglied als Bundespräsidenten-Kandidat nominieren - Werteunion-Chef schließt nicht aus

„Die Kandidatur als Bundespräsident angetragen zu bekommen, ist eine der größten Ehren, die einem widerfahren kann“, sagte der CDU-Politiker der dpa auf die Frage, ob er für die AfD antreten werde. „Das Amt bietet die Chance, zu heilen, zu versöhnen, zu ermahnen. Ich berate mich mit meiner Familie und denke intensiv darüber nach.“

Zuvor hatte die AfD Otte laut übereinstimmenden Berichten von Spiegel und Zeit Online als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten nominiert. In einer gemeinsamen Telefonkonferenz des Bundesvorstands mit den Landeschefs habe sich eine Mehrheit für Otte entschieden, berichtete der Spiegel.

Die AfD äußerte sich am Dienstagmorgen auf Anfrage zunächst nicht zu den Berichten, kündigte aber für den Nachmittag eine Pressekonferenz an. Kritik ließ schon vorher nicht auf sich warten.

Bundespräsidenten-Wahl: AfD-Eklat - Grüne sticheln, Maaßen tritt aus Werteunion aus

So nahm die Grüne-Fraktionschefin Britta Haßelmann umgehend den frisch gewählten CDU-Chef Friedrich Merz ins Visier. „Werte, Haltung und ein klarer Kompass für unsere lebendige Demokratie Fehlanzeige bei der Werteunion“, twitterte sie: „Und jetzt CDU
und Friedrich Merz“? Parteifreundin Irene Mihalic erkundigte sich bei der Werteunion selbst, wie lange man noch „passiv zuschauen“ wolle, wie Otte oder auch Hans-Georg Maaßen „die Union mit den Verfassungsfeinden der AfD verbünden möchte“.

Doch auch parteiintern knirscht es schon. Der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz - zuletzt vor allem für liberalere Positionen und massive Twitter-Präsenz bekannt - forderte in dem Kurznachrichtendienst, die Mitgliedschaft in der Union mit jener in der Werteunion für unvereinbar zu erklären.

Konsequenzen zog sogar Maaßen: Er trat nach eigenen Angaben aus der Werteunion aus. „Für mich ist es völlig inakzeptabel, dass der Chef der Werteunion sich von der AfD zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten nominieren lässt und der Vorstand der Werteunion das duldet“, schrieb er in der rechten Kurznachrichtenplattform Gettr. Die Arbeit der Werteunion werde „diskreditiert“, argumentierte Maaßen.

Werte-Union: Immer wieder Ärger für die CDU

Die Werteunion mit nach eigenen Angaben rund 4000 Mitgliedern sieht sich als Vertretung der konservativen Strömung in der Union, ist aber keine offizielle Parteigliederung. Interne Kritiker haben Otte schon länger vorgeworfen, die Werteunion nach rechts rücken und zur AfD hin öffnen zu wollen.

Otte hatte 2017 in einem Interview angekündigt, er wolle bei der Bundestagswahl die AfD wählen - auch wegen des Kurses von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Der Fondsmanager war bis Januar 2021 Kuratoriumsvorsitzender der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung.

Chancen auf das Amt des Bundespräsidenten hat Otte praktisch nicht. Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier kandidiert mit Unterstützung der Regierungsparteien und der Union für weitere fünf Jahre. Vor gut zwei Wochen hatte die Linke den Mainzer Sozialmediziner Gerhard Trabert als weiteren Kandidaten nominiert.

Bundespräsidentenwahl: Wie funktioniert die Kür des Staatsoberhauptes?

Die Bundesversammlung* tritt am 13. Februar zur Wahl des Bundespräsidenten zusammen. Sie wird 1472 Mitglieder zählen - die 736 Abgeordneten des Bundestags und eine gleich große Zahl von Menschen, die die 16 Landtage entsenden. Mit den Stimmen von SPD, Grünen, FDP und CDU/CSU kann Steinmeier praktisch sicher mit einer Wiederwahl rechnen.

Oppositionsparteien haben immer wieder eigene Bewerber ins Rennen ums höchste Staatsamt geschickt, auch wenn dies aussichtslos war. Womöglich gescheitert sind indes Pläne des Freie-Wähler-Chefs Hubert Aiwanger, eine Kandidatin zu benennen, wie der Münchner Merkur* erfuhr. (dpa/fn) *Merkur.de und wa.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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