Star-Fotografin wird 65

Sie kriegt die Promis vor die Kamera: Annie Leibovitz

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Annie Leibovitz vor einem ihrer berühmtesten Fotos: die schwangere Demi Moore.

New York - Kein Superstar, den sie nicht vor der Kamera hatte: Annie Leibovitz hat Maßstäbe gesetzt, auch mit der Gage. Doch der Tod von Vater und Lebensgefährtin stellte alles auf den Kopf. Zum 65. Geburtstag ist sie zurück.

Ob John Lennon und Yoko Ono, die nackte und schwangere Demi Moore, Bill Clinton und Barack Obama oder die Queen - Annie Leibovitz hat sie alle fotografiert. Sie gilt als berühmteste und bestbezahlte Fotografin der Welt, viele ihrer Bilder wurden zu teuer verkauften Kunstwerken. Aber Leibovitz steckte tief in der Lebenskrise: 2004 starben kurz nacheinander ihre Lebensgefährtin Susan Sontag und ihr Vater an Krebs. Über all der Trauer verlor Leibovitz den Überblick über ihre Finanzen und häufte Schulden in Millionenhöhe an.

Zu ihrem 65. Geburtstag am Donnerstag scheint die Star-Fotografin Leben und Finanzen so langsam wieder im Griff zu haben. Mit einer Edel-Pfandleihe für die Kunstszene hatte sie schon 2009 in letzter Minute eine Fristverlängerung erreicht. Ihr Luxus-Anwesen in New York verkaufte sie im Januar für umgerechnet etwa 21 Millionen Euro. Zudem ist Leibovitz weiter gut im Geschäft und fotografiert für diverse Zeitschriften, Werbekampagnen und Buch-Projekte. Die Gage für ihre kühl durchkomponierten, aufwendig inszenierten Kunstwerke soll bei mehreren zehntausend Dollar am Tag liegen.

John Lennon und Yoko Ono in weißen Laken

Zahlreiche ihrer Arbeiten machten weltweit Schlagzeilen. Die Aktfotos von Demi Moore beispielsweise, auf denen die Schauspielerin hochschwanger mit bloßem Bauch zu sehen ist. Oder die Bilder des nackten John Lennon, der sich im Liegen an eine ganz in schwarz gekleidete Yoko Ono klammert. Fünf Stunden später wurde Lennon erschossen. „Erschütternd“ sei das gewesen, erinnert sich Leibovitz. Auch das erste Foto von Amerikas First Lady Michelle Obama auf einem Hochglanz-Cover stammte natürlich von der Star-Fotografin.

Geboren wurde sie 1949 als Anna-Lou Leibovitz im Bundesstaat Connecticut an der US-Ostküste in eine jüdische Großfamilie hinein. Eigentlich wollte sie Kunstlehrerin werden, doch dann begann sie ein Studium der bildenden Künste in San Francisco und entdeckte dort die Kamera für sich. „Als junger Mensch - und ich weiß, dass das schwer zu glauben ist - war ich sehr scheu, aber mit der Kamera konnte ich überall hingehen, sie war wie ein Freund“, erzählte sie später der britischen „GQ“.

Ihre Fotomappe machte 1970 beim Musik-Magazin „Rolling Stone“ so Furore, dass sie sofort angestellt wurde. Plötzlich fand sich die junge Fotografin zwischen Star-Reportern wie Tom Wolfe und Hunter S. Thompson wieder. „Ich war ja noch ein Kind, und man musste da wirklich die Klappe halten, wenn man nichts Wichtiges zu sagen hatte. Außerdem musste man einen guten Sinn für Humor haben und natürlich auch lernen, zu trinken und Drogen zu nehmen. Ich habe mein Bestes getan.“ 13 Jahre blieb sie dem Blatt treu, ehe sie 1983 zur „Vanity Fair“ wechselte.

Beziehung mit Susan Sontag

Fünf Jahre später traf Leibovitz bei einem Foto-Shooting die US-Essayistin Susan Sontag. „Sie war genau der Mensch, den ich treffen wollte, zu genau der richtigen Zeit“, erzählte sie später dem „Guardian“. „Es war ein wunderbarer Moment.“ Die beiden ziehen - in zwei nebeneinanderliegenden Wohnungen - zusammen und prägen gegenseitig ihre künstlerische Entwicklung. „Sie war streng mit mir, sehr, sehr streng. Sie sagte: „Du bist gut, aber du kannst besser sein.“ Sie hat die Messlatte immer weiter angehoben. Ich glaube nicht, dass ich jemals das hätte sein können, was sie wollte. Es war einfach zu schwer.“ Trotzdem bleiben die beiden 16 Jahre zusammen. „Wir waren zwei Menschen, die sich gegenseitig durchs Leben halfen. Das Wort, das es am ehesten trifft, ist wohl Freundin.“

2001 bringt Leibovitz im Alter von 51 Jahren nach einer Samenspende ihre erste Tochter Sarah auf die Welt. Kritik an einer so späten Mutterschaft prallt an ihr ab. „Darüber denke ich überhaupt nicht nach. Ich habe doch schon so viele von diesen Regeln gebrochen, auch wenn ich mich oft auch sehr konventionell finde.“ Auch Sontag habe sie in dieser Zeit sehr unterstützt. „Ich habe die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, selbst getroffen, und sie war für mich da. Sie hat Sarah sehr geliebt.“

2004 wird für Leibovitz zum Jahr der Schicksalsschläge. Sowohl ihr Vater als auch Sontag erkranken an Krebs. Die Fotografin fliegt zwischen den Krankenbetten in Florida und New York hin und her - und ist schließlich im Moment, als Sontag stirbt, doch nicht an deren Seite. „Ich hatte ihr auf Wiedersehen gesagt, sie geküsst und ihr gesagt, dass ich sie liebe, und sie hatte mir gesagt, dass sie mich liebt.“ Dann war Leibovitz wieder nach Florida zu ihrem todkranken Vater geflogen, als Sontags Sohn David sie anrief, um ihr zu sagen, dass es schlecht um seine Mutter stehe. „Am nächsten Morgen habe ich am Flughafen gewartet, und sie riefen mich an, um mir zu sagen, dass sie gestorben sei. Sie haben ihren Köper im Krankenhaus aufbewahrt, bis ich kam, aber sie war tot.“ Kurz darauf starb auch Vater Samuel.

Ein Jahr später lässt Leibovitz von einer Leihmutter Zwillingsmädchen austragen und benennt sie nach den beiden großen Verlusten - Susan und Samuelle. Das Leben muss weitergehen, und auch die Arbeit hilft Leibovitz dabei. „Wenn man etwas für eine sehr lange Zeit macht, wird es nur interessanter. Viele Menschen scheuen davor zurück, sie verstehen nicht, dass, wenn man an etwas dranbleibt, es komplizierter wird und du selber es wachsen lassen musst.“

dpa

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