Französische Eurovision-Siegerin

Sie sang „Ella, elle l‘a“: Frankreich trauert um Chanson-Ikone France Gall

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Die Musikerin France Gall. 

Die französische Musikerin France Gall erlag in Paris einem Krebsleiden. Der Schlagerstar wurde bereits in den 1960er Jahren auch in Deutschland bekannt. Ihre Lieder bleiben bis heute zeitlos. 

Paris - Die französische Sängerin France Gall ("Ella, elle l'a") ist tot. Sie erlag am Sonntag im Alter von 70 Jahren in Paris einem Krebsleiden, wie ihre Sprecherin mitteilte. Gall hatte 1965 mit Serge Gainsbourgs Titel "Poupée de cire, poupée de son" den Grand Prix Eurovision de la Chanson gewonnen. In den 19060er Jahren stieg sie außerdem zum Schlagerstar auf und wurde auch in Deutschland bekannt. Generationen von Franzosen kennen ihre Hits wie „Poupée de cire, poupée de son“ oder „Résiste“ - doch ihr Leben war von Glück und schweren Schicksalsschlägen geprägt. 

Nun erlag die blonde Sängerin im Alter von 70 Jahren einer Krebserkrankung. Erst vor einem Monat hatte Rockidol Johnny Hallyday 74-jährig den Kampf gegen den Krebs verloren - Hunderttausende waren anlässlich der Trauerfeier in Paris auf der Straße gewesen.

Gall hinterlasse „Lieder, die alle Franzosen kennen“, schrieb Staatspräsident Emmanuel Macron ehrfurchtsvoll. Kulturministerin Françoise Nyssen nannte sie „eine der begabtesten Sängerinnen ihrer Generation“.

Franzosen in tiefer Trauer

Für Rechtspopulistin Marine Le Pen verbinden Galls Chansons „träumerische Sorglosigkeit und Feinfühligkeit“. Und Ex-Premierminister Manuel Valls von der politischen Linken ergänzt: „Nach Johnny geht eine andere Stimme, die uns seit immer begleitet.“

Wie Rockmusiker Hallyday startete Gall ihre Karriere in jungen Jahren. Schon mit 15 Jahren begann sie zu singen. Ihr Vater, Robert Gall, schrieb Liedtexte für den Chansonnier Charles Aznavour und unterstützte früh seine Tochter. Zu Beginn textete er auch für sie. Dann lernte sie Serge Gainsbourg kennen, das „enfant terrible“ der Chanson-Szene, der in ihr das Bild der verführerischen Lolita sah.

Gainsbourg, der in Frankreich immer noch Kultstatus hat, schrieb für sie Songs voller erotischer Anspielungen. Darunter war „Poupée de cire, poupée de son“, mit dem sie 1965 für Luxemburg den Grand Prix Eurovision de la Chanson gewann, heute Eurovision Song Contest. In Deutschland wurde der Schlager unter dem Titel „Das war eine schöne Party“ bekannt. Zwischen 1966 und 1972 sang Gall auch auf Deutsch. „Ich liebe dich, so wie du bist“, „Kilimandscharo“, „Zwei Apfelsinen im Haar“ und „Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte“ zählen zu ihren bekanntesten Songs.

Ihre größten Erfolge feierte sie mit Liedern, die Michel Berger für sie geschrieben hat, den sie 1976 heiratete - darunter „Tout pour la musique“ und „Ella, elle l'a“, das sich in Deutschland 1988 vier Wochen lang auf Platz eins halten konnte.

Gall und Berger galten als Traumpaar. Berger starb 1992 im Alter von nur 44 Jahren, fünf Jahre später ihre Tochter Pauline. Die damals 19-Jährige litt an der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose. Zu einem der seltenen Auftritte France Galls danach zählt ihr Duo mit Hallyday im Jahr 2000.

Ein Leben voller Licht und Schatten

Von den Schicksalsschlägen erholte sich Gall nur schwer. Vor sechs Jahren tauchte sie aus ihrer inneren Katharsis auf. Das Leben mache ihr keine Angst mehr, erklärte sie damals.

Gall kehrte 2015 noch einmal ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zurück. Der Erfolg des Musicals „Résiste“ ließ die Sängerin wieder an die Zukunft glauben. „Résiste“ erzählte die Geschichte einer Discothek und ihrer Betreiber. Gall sang darin nicht, sondern trat als Erzählerin auf, die die Geschichte Revue passieren lässt. Die rund 30 Hits wurden von Sängern interpretiert, die damals, als France Galls Songs um die halbe Welt gingen, noch gar nicht geboren waren.

AFP

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