Stimme der alten Bundesrepublik

„Mister Sportschau“ Ernst Huberty wird 90

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Ernst Huberty.

Köln - Ernst Huberty, der Mann mit dem silbernen Klappscheitel, kommentierte Fußballspiele, ohne dabei laut zu werden. Immer blieb er freundlich korrekt - auch nach einem tiefen Karriereknick.

Ernst Huberty - in diesem Namen schwingt eine Welt mit. Die goldenen Zeiten der „Sportschau“, als man samstags am frühen Abend um Himmelswillen nicht anrufen durfte. Als man noch fluchte, weil immer nur drei Bundesliga-Spiele zu sehen waren, und darunter war natürlich wieder mal nicht die Partie, die man sich selber gewünscht hatte. Aber mit dem Namen Huberty verbindet sich noch mehr. Er steht für die biedere und gleichzeitig liebenswert unaufgeregte Korrektheit der alten Bundesrepublik. Wie lange das alles schon zurückliegt, wird daran deutlich, dass Huberty am Mittwoch (22. Februar) 90 Jahre alt wird.

Wenn „Tagesschau“-Sprecher Karl-Heinz Köpcke (1922-1991) derjenige war, der die deutschen Nachrichten vom bellenden Kommiss-Ton der Nazizeit befreit hat, dann hat Ernst Huberty eben dies für die Sportberichterstattung geleistet. Ruhig und zurückgenommen war sein Kommentarstil, selbst in hochemotionalen Momenten. Seine berühmtesten Reporterworte sind bezeichnenderweise „Ausgerechnet Schnellinger“. Das war 1970, als Karl-Heinz Schnellinger im WM-Halbfinale gegen Italien in der 90. Minute den Ausgleichstreffer machte - ausgerechnet er, der seit Jahren in Italien spielte. Huberty schrie das nicht heraus. Er sagte es einfach.

Gründervater der „Sportschau“

Der gebürtige Trierer, Sohn eines Luxemburgers, wurde Ende der 50er Jahre von Werner Höfer („Der Internationale Frühschoppen“) zum WDR geholt und war bei der 1961 gestarteten „Sportschau“ von Anfang an dabei. Zwei Jahre später wurde die Bundesliga gegründet. Frage von Ernst Huberty an den damaligen Präsidenten des 1. FC Köln: „Was kann nun in der Bundesliga ein Lizenzspieler verdienen?“ Antwort: „Der Lizenzspieler darf zwischen 250 und 500 Mark Grundgehalt verdienen plus Prämien - insgesamt 1200 Mark.“

Das Filmmaterial musste anfangs von Motorradkurieren aus den Stadien zum Sender nach Köln gekarrt werden. Die Vereine zahlten zum Dank Geld dafür - nicht etwa umgekehrt. In den 70er Jahren war die „Sportschau“ Kult. Jeder, wirklich jeder kannte Ernst Huberty mit seinem astrein gekämmten silbernen Klappscheitel. Bis zu 15 Millionen Zuschauer schalteten jedesmal ein. Das samstägliche Ritual für Millionen deutscher Nachwuchshoffnungen sah damals so aus: Erstens Fußballplatz. Zweitens „Sportschau“. Drittens Badewanne.

Karriereknick nach Spesenaffäre

Dann kam 1982 der tiefe Fall: Wegen einer Spesenaffäre wurde Huberty als WDR-Sportchef abgesetzt und ins Dritte Programm verbannt. Andere hätte das verbittert, ihn nicht. Zehn Jahre später sagte er rückblickend: „Unterm Strich ist übrig geblieben, dass ich in meinem Leben viel gelernt habe und dass ich mich völlig umstellen musste, eine ganz andere Arbeit leisten (musste) in diesem Hause, und die hat mir sehr gut getan, die war für mein ganzes Leben ungeheuer wichtig.“

Bis zum 87. Lebensjahr bildete er noch Moderatoren aus. Eine geradezu unglaubliche Begebenheit schildert Oliver Welke in einer WDR-Hommage zu Hubertys Neunzigstem: „Ich hatte mal einen Coaching-Termin mit ihm, und er kam 'n kleinen Tick zu spät, was sehr ungewöhnlich ist, weil Ernst Huberty kommt immer superpünktlich. Mir fiel auf, dass es auf einmal ein bisschen nach Rauch roch in dem Zimmer. Und dann sagte er in seiner formvollendeten Art, er müsse sich entschuldigen, er würde ein bisschen nach Rauch riechen, sein Haus sei gestern abgebrannt.“ Zusammen mit seiner Frau Inge hatte er sich gerade noch retten können. Aber das war natürlich kein Grund für ihn, den Termin abzusagen.

Ob er Angst vor dem Tod habe, wird Huberty in dem WDR-Film vom heutigen „Sportschau“-Chef Steffen Simon gefragt. „Eigentlich nicht“, ist die lakonische Antwort. Vielleicht werde er dank der modernen Medizin noch etwas länger leben. „Werden wir sehen.“

dpa

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