Interview

Meryl Streep: „Ich schwimme jeden Tag eine Meile“

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Meryl Streep in "Florence Foster Jenkins".

Meryl Streep ist 67 Jahre alt und steht trotzdem noch erfolgreich vor der Kamera. Den Text kann sie sich zwar nicht mehr so leicht merken wie früher, dafür winkt der neunte Golden Globe. Im Interview spricht sie über ihr liebstes Hobby, eine Macke und die Famile.

Quizfrage für die Fans von Meryl Streep: Wie oft hat sie schon im Film gesungen? Die Antwort: Genau so oft wie sie den Golden Globe gewonnen hat – vorausgesetzt er wird ihr auch wieder bei der Award-Feier am 8. Januar verliehen. Und sie hätte es verdient. Denn nachdem sie in neun Filmen bewies, dass sie gut bei Stimme ist, meisterte “Meryl die Grosse” mit “Florence Foster Jenkins” einen noch höheren Schwierigkeitsgrad der musikalischen Schauspielkunst. Sie kann auch schön falsch singen.

Mussten Sie das üben?

Meryl Streep: Und wie. Ich habe zuerst alle Arien perfekt zu singen gelernt. Und wenn die Kamera rollte, habe ich versucht, eine viertel Note darunter und darüber zu singen.

Jenkins wurde für ihre schiefen Töne bei ihrem einzigen großen Konzert ausgelacht...

Meryl Streep:…was schrecklich war. Für sie brach eine Welt zusammen. Als meine Kinder klein waren, haben sie Heiligabend vor der Großfamilie die Weihnachtsgeschichte nachgespielt – inklusive der Geburt von Jesus. Es war manchmal zwar mega witzig, aber niemand durfte lachen oder dabei den Raum verlassen. Denn das hätte sie tief getroffen.

Ihre Kinder sind alle auf der künstlerischen Seite gelandet. Mamie und Grace sind Schauspielerinnen, Louisa ist ein erfolgreiches Model und Ihr Sohn Henry ist Musiker.

Meryl Streep: Ich bin so unsagbar stolz auf alle. Mein Sohn ist nicht nur Musiker, er leitet auch ein Musikprogramm für Schüler in Los Angeles. Meine Girls fliegen grade beruflich überall in der Welt herum. Ich weiß gar nicht, wer gerade wo ist.

Ihr Mann Don Gummer hat es nicht mit der Entertainment-Branche.

Meryl Streep: Gottseidank. Er ist Bildhauer. Er hat grade einen preisträchtigen Auftrag bekommen. Er installiert im Frühjahr 2017 eine Skulptur vor der amerikanischen Botschaft in Moskau.

Russland ist ein gutes Stichwort. Wie sehr sorgen Sie sich über die aktuelle politische Lage in Amerika?

Meryl Streep: Ich sorge mich sehr. Aber ich bin aber ein sehr optimistischer Mensch. Ich glaube fest an das Gute im Menschen. Überall gibt es einen Spalt, durch den das Licht dringt. Ich könnte so viel zur Politik sagen, doch wenn ich erstmal anfange, dann kann ich nicht mehr aufhören. Daher halte ich jetzt ganz meinen Mund. Themawechsel bitte!

Okay. Was ist Ihr liebstes Hobby?

Meryl Streep: Kochen.

Was bereiten Sie am liebsten zu?

Meryl Streep: Also nach einem langen Drehtag bevorzuge ich Flüssignahrung (lacht) . Am liebsten ein gutes Glas Rosé. Ich koche am liebsten mit Meeresfrüchten. Bevorzugt Schwertfisch, Calamari, Garnelen oder Muscheln mit selbstgemachter Pasta und Gemüse. Gesund ist wichtig.

Sie schlagen nie über die Stränge?

Meryl Streep: Na klar gönne ich mir auch mal Fastfood. Wenn ich in England bin, geht es ohne „Fish & Chips“ für mich gar nicht. Allerdings nur ein Mal pro Woche – sonst würde mich das umbringen.

Sie sind jugendlich frisch und fit wie vor 20 Jahren. Wie schaffen Sie das?

Meryl Streep: Komme Sie mal etwas näher ran, dann ändern Sie Ihre Meinung (lacht). Manchmal lasse ich mich gehen. Aber grundsätzlich schwimme ich jeden Tag eine Meile. Das hält meinen Körper und Geist in Schwung. Ich schätze mich unheimlich glücklich, gesund zu sein. Denn das ist keine Selbstverständlichkeit.

Liegt das in Ihren Genen?

Meryl Streep: Also ich habe auf jeden Fall die wunderschöne Haut meiner Mutter geerbt. Wie bei ihr wird sie zwar immer etwas faltiger, aber das ist mir egal.

Sie waren vom Jugendwahn in Hollywood nie betroffen und arbeiten so viel wie eh und je.

Meryl Streep: Alle Frauen sollten dieselben Chancen haben, tolle Rollen zu bekommen, wenn sie mein Alter erreicht haben. Es kann ja nicht angehen, dass ich die einzige älterere Lady bin, die regelmäßig Arbeit hat. Durch das Fernsehen bekommen immer mehr Schauspielerinnen diese Chance und ich hoffe, dass Hollywood nachzieht.

Merken Sie Ihr Alter überhaupt nicht?

Meryl Streep: Doch schon. Mein Gedächtnis ist nicht mehr so gut wie früher. Ich konnte meinen Text für den Dreh immer einfach morgens im Schminkstuhl auswendig lernen. Das krieg ich nicht mehr hin. Ich muss das jetzt die Nacht vorher pauken und dann es noch mal in der Maske wiederholen.

Sie sind dafür bekannt, keine Diva-Allüren zu besitzen…

Meryl Streep: …dafür aber eine schreckliche Ungeduld bei der Arbeit an den Tag zu legen (lacht). Ich mag es nicht, wenn sich alles so hinzieht, bevor die Kamera rollt. Es muss für mich schnell gehen. Ich will einfach weiter und weiter machen und nicht ständig unterbrochen werden. Aber so ist es nun Mal am Set – alles muss stimmen.

Was würden Sie jungen Schauspielern raten, die von einer Karriere träumen?

Meryl Streep: Um Jack Nicholson zu zitieren „Spucke niemals auf das Glück eines Anderen“. Man darf nicht auf andere neidisch sein, nur weil sie was erreicht haben, was du nicht hast. Jeder ist seines Glückes Schmied und das Schicksal gibt uns genug Möglichkeiten, uns zu beweisen. Und selbst wenn man immer wieder gegen eine Wand läuft ist das besser, als mit 50 aufzuwachen und zu realisieren „Ich habe mich nie getraut, meinen Traum zu erfüllen“.

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