Hollywood-Star verrät im Interview

Diane Kruger träumt davon, in Deutschland zu arbeiten

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Diane Kruger hat mit „Aus dem Nichts“ erstmals einen deutschen Film gedreht.

Mit „Aus dem nichts“ hat Schauspielerin Diane Kruger erstmals einen deutschen Film gedreht.  Im Interview gewährt der Hollywood-Star einen tieferen Einblick.

Als schöne Helena (neben Brad Pitt) in “Troja” startete sie vor 13 Jahren ihre Welt-Karriere. Doch es ist kein Hollywood-Hit, der der 41-Jährigen den größten Erfolg ihrer Laufbahn beschert. Es ist ihr erster deutscher Film. Für “Aus dem Nichts” wurde sie schon in Cannes als beste Schauspielerin geehrt und jetzt ist das Polit-Drama dank der 41-Jährigen hoher Favorit, am Montag morgen im Rennen um den “Golden Globe” als bester Auslandsfilm nominiert zu werden.

Das war wirklich die erste Rolle in Ihrer Heimatsprache?

Diane Kruger: Ja. Ich habe schon lange darauf gewartet.

Kruger: Fatih Akin hat mir die Rolel auf den Leib geschrieben

Wieso hat es bei Ihrem internationalen Bekanntheitsgrad so lange gedauert, dass Ihnen aus Deutschland eine Rolle angeboten wurde?

Kruger: Ich bin vor 25 Jahren aus Deutschland weg und war damals auch keine Schauspielerin. Ich kenne niemanden in der deutschen Filmindustrie und hatte noch nicht einmal einen Agenten da. Ich habe Fatih Akin vor fünf Jahren in Cannes getroffen und ihm gesagt, wie toll ich seine Filme finde und dass ich gerne mal mit ihm arbeiten würde. Und dann hat er mir diese Rolle auf den Leib geschrieben.

Was ist der Unterschied zu ihren Rollen in amerikanischen Filmen?

Kruger: Wenn ich eine Amerikanerin spiele, habe ich keine Ahnung, was in einer solchen Frau vorgeht. Aber diese Katja Secerci, deren türkischer Ehemann und Sohn von Neonazis ermordet werden, die ist mir vertraut.

Wodurch?

Kruger: Ich habe als Rollenstudium sechs Monate lang über 30 Familien besucht, die Kinder und andere Familienmitglieder durch Terrorismus oder Mord verloren haben. Ihre Storys haben mich tief bewegt und ich fühle eine tiefe Verantwortung, sie zu repräsentieren. Wir leben ja leider in Zeiten, wo ständig Menschen durch Neo-Nazis, Jihadis oder andere feige Irre attackiert werden. Wo Opfer nur noch Zahlen sind und deren Familien kaum öffentlich wahr genommen werden.

Wie sehr hat sich Ihr Leben seit den Anfängen in Hollywood verändert?

Kruger: Nicht besonders. Natürlich bin ich durch meine Arbeit mehr ins öffentliche Licht gerückt worden, aber ich selbst habe mich kaum verändert. Ich bin super glücklich, dass ich das tun kann, was ich liebe.

Sie sprechen von Berufs wegen seit Jahrzehnten Englisch und leben in Paris. Mussten Sie Ihr Deutsch vor dem Filmen etwas aufpolieren?

Kruger: Nein, das ist sehr gut, weil ich jeden Tag mit meiner Mutter zu Hause in Algermissen, das ist ein Dorf bei Hannover, telefoniere.

Zur Mama haben Sie offenbar ein sehr enges Verhältnis.

Kruger: Es ist enger denn je. Mein Stiefvater ist während der Dreharbeiten gestorben und meine Mutter war plötzlich allein. Das hat uns richtig zusammen geschweißt. Wir sind zum ersten Mal nach 20 Jahren gemeinsam in Urlaub gefahren, haben in Bett miteinander geteilt und werden Weihnachten zusammen verbringen.

Machen Sie eigentlich Bescherung am Heiligabend oder wie in Amerika am 1. Weihnachtsfeiertag?

Kruger: Am Heiligabend. Und der Baum wird auch erst am Morgen geschmückt. Davon konnte ich meine amerikanischen Boyfriends in der Vergangenheit nie überzeugen. Sie wollten den Baum schon viel früher schmücken und leuchten lassen. Was ich außerdem noch total durchgezogen habe, sind unsere Nikolaus-Bräuche. Ich habe Leuten Schokolade in die Schuhe gesteckt, was einige sehr merkwürdig fanden (lacht).

Kruger: Hatte viel von der deutschen Kultur vergessen

Welche typisch deutschen Traditionen pflegen Sie noch?

Kruger: Ehrlicherweise habe ich gemerkt, dass ich einiges von der deutschen Kultur vergessen hatte. Ich fühlte mich anfangs etwas fremd in meinem eigenen Land, als ich dort dort mehrere Monate gedreht habe. Es gibt so einige typische Dinge, wo ich wieder etwas Nachhilfe brauchte.

Zum Beispiel?

Kruger: Dass es nachmittags immer Kaffee und Kuchen gibt. Oder ganz allgemein wie die Leute miteinander sprechen. Doch nach kurzer Zeit ist alles wieder zurückgekommen. Meine Wurzeln sind wieder gefestigt und das ist echt toll.

Werden Sie wie ein echter Superstar behandelt, wenn Sie Ihren Heimatort besuchen?

Kruger: Ja. (lacht). Ich kann Ihnen jederzeit einen Tisch in der einzigen Wirtschaft reservieren.

Wo ist zur Zeit Ihr Hauptwohnsitz?

Kruger: In Paris. Ich habe da schon lange meine eigene Wohnung. Sie ist typisch französisch mit ganz viel Holz. Dazwischen stehen aber ein paar deutsche Dekorationen. Ich habe mir in Hamburg grade total coole Wandteller mit Totenköpfen gekauft und aufgehängt.

Stehen Sie eher auf französische Cuisine oder deutsche Küche?

Kruger: Ich mag die französische sehr. Besonders Fischgerichte wie Sole Meuniere. Früher habe ich auch für mein Leben gern Schnitzel gegessen, doch Fleisch steht bei mir schon seit einiger Zeit nicht mehr auf dem Speiseplan.

Sie waren zuerst Model ehe sie mit Mitte 20 ins Filmgeschäft eingestiegen sind. Was hat Sie dazu gebracht?

Kruger: Ich war damals nach Paris gezogen und hatte einen französischen Freund. Der zeigte mir alle französischen Filme mit Romy Schneider. Die war immer schon meine Lieblingsschauspielerin. Ich beschloss, es wie Romy in Frankreich mit der Schauspielerei zu versuchen. Ich dachte “Wenn Sie mit ihrem deutschen Akzent so erfolgreich war und geliebt wurde, dann kann ich es auch”.

Nach den Fotos und Videos auf Ihrem Instagram zu urteilen, sind Sie eine große Katzenliebhaberin. Haben Sie eine zu Hause?

Kruger: Ja, ich habe nach dem Ende meiner letzten Beziehung (mit dem US-Schauspieler Joshua Jackson) das alleinige Sorgerecht für unseren Kater erhalten. Er heißt Hobbs und ist supersüß. Auch wenn er einen sehr eigenen Kopf hat. Er ist halt ein Franzose (lacht).

Ist “Aus dem nichts” der Anfang einer Karriere im deutschen Film?

Kruger: Das wäre mein Traum. Es war einfach toll, wieder zu Hause zu sein.

ds

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