Münchner Schauspielerin ist tot

Nachruf auf Christine Kaufmann: Sie hatte ein riesengroßes Herz

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Christine Kaufmann (72) ist tot.

München - Christine Kaufmann (72) ist tot. Sie starb in einem Münchner Klinikum. Ein Nachruf auf die große deutsche Schauspielerin.

Die große Schauspielerin Christine Kaufmann ist gestorben. Sie ist in der Nacht auf Dienstag im Alter von 72 Jahren friedlich in einer Münchner Klinik eingeschlafen. Wegen einer Krebs-Erkrankung lag sie bis zuletzt im Koma. Ein Nachruf.

Dass ihr nicht mehr allzu viele Jahre vergönnt sein könnten, das war der Schauspielerin bewusst. „Ich gehe die 70 jetzt mit einem Bewusstsein an, dass das Leben immer kostbarer wird, weil das Ende absehbar ist“, sagte Christine Kaufmann vor zwei Jahren im Geburtstags-Gespräch mit der tz. Möglicherweise hat sie von der Diagnose Blutkrebs gewusst, diese Last aber weitgehend allein getragen. „Außerdem war sie total erschöpft“, sagt ihr enger Freund Diether Baron von Engel-Erlenbach (71). „Die Probleme ihrer Kinder und ihr neues Buch haben sie viel Kraft gekostet.“

Am 12. März 2017 war sie zum letzten Mal im TV zu sehen. Im „Club der Köchinnen“, der Kochsendung von Edith Welser-Ude bei münchen.tv, sprach sie, wie tz.de berichtet, beim Zubereiten von Zucchini-Spaghetti über ihr Leben. Auffällig: Mehrfach sinnierte sie über die Themen Trauer und Tod. Bei dem Auftritt wirkte sie etwas blass, was mancher auf die vor kurzem überstandene Lungenkrankheit zurückgeführt haben mag. Ansonsten werkelte sie begeistert zwischen den Töpfen und plauderte beim gemeinsamen Essen angeregt mit der Moderatorin und zwei weiteren Damen. Dabei sprach Christine Kaufmann über ein für 2018 geplantes Buch, in dem sie unter anderem über Jackie Kennedy schreiben wollte, die Witwe des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy. 

Apropos Kennedy-Attentat: Just in dem Moment, als die Nachricht von den Schüssen auf den Präsidenten um die Welt ging, hatte Christine Kaufmann erfahren, dass sie zum ersten Mal Mutter wird. Damals lebte sie in den USA, im Nobelort Beverly Hills, und war mit Hollywood-Legende Tony Curtis verheiratet. Es war für sie keine glückliche Zeit. „Ich hatte die ganze Zeit in Amerika nur einen Wunsch: Ich wollte wieder nach Hause“, sagte sie vor wenigen Tagen in der Kochsendung. „Ich fand es so schrecklich dort, obwohl ich in einem Schloss gewohnt habe.“ Der „American Way of Life“ sagte ihr überhaupt nicht zu. „Es fing damit an, dass ich gerne laufe und Fahrrad fahre. Und das ist in Beverly Hills unmöglich, wenn man nicht umgebracht werden möchte.“

Christine Kaufmann: In den 1960er Jahren galt sie als kommender Weltstar

Anfang der 60er Jahre galt Christine Kaufmann als großer deutscher Kino-Export, sie war ein internationaler Filmstar. Einem breiteren Publikum wurde sie schon 1954 im Alter von neun Jahren mit der Rolle der „Rosen Resli“ bekannt. Der gleichnamige Film war einer der großen Kinohits der Wirtschaftswunder-Zeit. Zum Kinderstar avanciert, folgten für Christine Kaufmann weitere ähnliche Filme wie „Wenn die Alpenrosen blüh’n“ oder „Die singenden Engel von Tirol“.

Der internationale Durchbruch kam 1961 mit dem Drama „Stadt ohne Mitleid“. In dem packenden Film spielte sie die 16-jährige Schülerin Karin Steinhoff, die in einer fränkischen Kleinstadt von amerikanischen Soldaten vergewaltigt wird. Während der Gerichtsverhandlung setzt US-Major Steve Garrett (Kirk Douglas) ihr in einem peinlichen Kreuzverhör zu und will sie als Mädchen ohne Moral hinstellen, das an der Vergewaltigung nicht ganz unschuldig sei. Diese Demütigung ist für Karin Steinhoff zu viel: Das Opfer nimmt sich schließlich das Leben. Das Schauspieltalent Kaufmann bekam für ihre Darstellung den „Golden Globe“ als Beste Nachwuchsdarstellerin. Vor der Preisverleihung hatte sie nach eigenem Bekunden „wahnsinnige Angst“: „Ich habe wirklich bis zur letzten Sekunde gehofft, ich kriege ihn nicht.“ Es kam anders. Als sie den Golden Globe annehmen musste, brachte sie nur ein „Thank You“ heraus. Das sorgte bei vielen US-Künstlern für Verwunderung, die in der Regel mindestens zwei Dutzend Menschen danken, wenn sie irgendeinen Award gewinnen.

Christine Kaufmann war mit Hollywood-Legende Tony Curtis verheiratet

Im zarten Alter von 17 Jahren lernte Christine Kaufmann bei den Dreharbeiten zum Historienschinken „Taras Bulba“ den großen US-Star Tony Curtis kennen und lieben, der sich für das deutsche Teenager-Mädchen sogar von seiner Frau Janet Leigh trennte. 1963, zwei Jahre später, heirateten die beiden. „Ich war nur eine Visitenkarte für ihn“, sagte Kaufmann im Nachhinein über die Ehe. Das große Glück war dann auch nur von kurzer Dauer: Die Ehe hielt vier Jahre und gipfelte im erbitterten Streit um das Sorgerecht für die gemeinsamen Töchter Alexandra und Allegra. Nur vier Tage nach der Scheidung heiratete Tony Curtis ein Fotomodell. Doch die Trennung von Christine Kaufmann blieb ein Stachel im Fleisch des Schauspielers. So bekannte er später einmal: „Ich war dumm, sie gehen zu lassen.“

„Christine Kaufmann hatte zeitlebens ein großes Herz. Manchmal stand es viel zu sperrangelweit offen für jene, die lieber nehmen als geben“, schrieb die tz vor kurzem. Vier Ehen sind am Ende gescheitert: mit Tony Curtis, dem Regisseur Achim Lenz, dem Musiker und Schauspieler Reno Eckstein und zuletzt mit dem Zeichner Klaus Zey, dem sie aber noch freundschaftlich verbunden war.

Ihr Bruder Hans-Günther Kaufmann (73) war in Sachen Männer die einzige Konstante in ihrem Leben. „Unser Leben ist wie eine große Flut – wir haben uns immer an eine Palme geklammert“, schrieb sie in ihrer Autobiographie „Christine Kaufmann und ich“. Zwei Flüchtlingskinder einer Französin und eines deutschen Offiziers.

Christine Kaufmann über ihre Eltern: „Als Paar, wie ein Igel zum Arsch abwischen“

Über ihre Eltern sagte Christine Kaufmann im Interview mit der österreichischen Zeitung Kurier: „Mein Bruder und ich fanden, dass unsere Eltern als Paar so optimal waren, wie ein Igel zum Arsch abwischen – Entschuldigung. Mutter war Französin, Vater ein deutscher Offizier. Das ergab eine Mischung aus extrem aktiv und g’schaftlhuberisch. Das ist nichts für eine familiäre Struktur und die Normalität.“

Der Vater ging später zur Bundeswehr, war in Karlsruhe stationiert. Die Mutter zog mit dem angehenden Filmstar Christine nach Rom. Ein richtiges Familienleben gab es nicht. Christine Kaufmanns Bruder Hans-Günter sagte einmal über die gemeinsame Kindheit: „Ich denke, dass wir beide ein ungeheuerliches Überlebensprogramm eingespeist bekommen haben. Wir mussten früh lernen, uns nicht auf andere zu verlassen.“

Nach ihrer als unangenehm empfundenen Zeit in den Vereinigten Staaten und dem Ehe-Aus mit Tony Curtis kehrte Christine Kaufmann nach München zurück und spielte vorwiegend in deutschen Fernseh-Produktionen. Etwa in der legendären Krimi-Serie „Der Kommissar“. Die Folge „Traum eines Wahnsinnigen“, in der ihr eigener Adoptivvater, ein Verwandlungskünstler aus dem Zirkus, sie töten will, wird von nicht wenigen Fans als beste Folge der Reihe gesehen. Es folgten Auftritte in den TV-Hits „Derrick“ oder „Der ganz normale Wahnsinn“. Ihr komödiantisches Talent stellte sie als launische Sekretärin Olga in der Kultserie Monaco Franze unter Beweis. In dieser Rolle gab Christine Kaufmann, die immer wegen ihrer mädchenhaften Schönheit gerühmt wurde, erstmals das Mauerblümchen. In den 70er- und 80er-Jahren avancierte Christine Kaufmann zu einem der großen deutschen TV-Stars.

Update vom 28. März 2017: In der tz spricht nun Kollegin Ruth Maria Kubitschek über ihre Kollegin. Bei uns lesen Sie, was das "Spatzl" aus Monaco Franze zum Tod von Christine Kaufmann sagt.

„Faschistoid“: So kritisierte Christine Kaufmann das gängige Schönheitsideal

In ihren reiferen Jahren kritisierte Christine Kaufmann das gängige Schönheitsideal und plädierte für einen liebevollen Umgang der Menschen mit ihren Schwächen. „Man muss sich von dieser selektiven Wahrnehmung der vermeintlichen Makel befreien“, sagte sie. Das verbreitete Schönheitsideal bezeichnete sie als faschistoid – „alle müssen gleich aussehen!“ Trotzdem war ihr immer bewusst, dass sie optisch einiges zu bieten hatte. 1999,mit 54 Jahren, zog sich das reife Rosen-Resli für den „Playboy“ aus – 25 Jahre nach ihrem ersten Shooting für das Männermagazin. 

In ihren letzten Jahren blieb Christine Kaufmann ohne Mann. Vielleicht legte sie die Messlatte für potentielle Partner auch bewusst sehr hoch. Zu ihrem 70. Geburtstag verriet sie der tz ihre Vorstellungen in Sachen Beziehungen: „Ich kann mir eine rein sexuelle Partnerschaft nicht vorstellen, vor allem nicht mit den Männern, die sich mir anbieten.“ Darunter seien durchaus jüngere Männer. Doch für eine „erotische Stimulation“ brauche sie mehr als einen schönen Mann. „Tolle Gedanken, Philosophie, gute Gespräche.“ Und ja, auch Geld müsste er haben. „Da bin ich ganz ehrlich. Ich kann mich und meine Familie versorgen. Aber ich möchte keinen Partner mehr haben, bei dem ich das auch noch leisten muss.“ 

Christine Kaufmann: Erfolg mit Kosmetik und Kissen

Seit Ende der 1990er Jahre machte Christine Kaufmann hauptsächlich mit ihrer Kosmetikreihe von sich reden, die sie im Teleshoppingsender HSE 24 (und später bei Channel 21) präsentierte. Mit Naturkosmetik und Wellness-Produkten
wurde sie zu einer Art Königin des Teleshoppings. Ihre Pflegelinie „CHK“ schlug ein wie eine Bombe und bescherte dem Unternehmen HSE24 sensationelle Umsätze. Die Schauspielerin, die ehedem mit Hollywood-Größen vor der Kamera stand, sah darin keinen Karriere-Rückschritt. Der tz sagte sie 2006 zu ihrer Teleshopping-Karriere: „Wenn Leute darüber lachen wollen, bitte. Ich weigere mich, mich zu schämen, dass meine Linie erfolgreich ist. Ich weigere mich!“

Zudem veröffentlichte sie zahlreiche Bücher über Schönheit, Körperharmonie und Wellness, etwa „In Schönheit altern“. Nebenbei erntete sie auch großes Lob als Theaterdarstellerin. So spielte sie im österreichischen Linz an den Kammerspielen, etwa in der Boulevard-Komödie „Funkelnde Geister“ oder im Alpendrama „Der Weibsteufel“.

Christine Kaufmann: Der Tod kam überraschend

Für Familie, Freunde und Fans kam Christine Kaufmanns Tod überraschend. Zuletzt wachten ihr Bruder Hans-Günther sowie ihre Töchter Alexandra und Allegra an ihrem Krankenbett. Seit sie in ihrer Schwabinger Wohnung zusammengebrochen war, war Christine Kaufmann nicht mehr ansprechbar, „aber ihre Seele nimmt auf, dass wir alle bei ihr sind“, versicherte ihr Bruder der tz. München trauert um eine großartige Schauspielerin und einen höchst sympathischen Menschen.

Christine Kaufmann: Ein Rückblick auf ihr Leben

Video: snacktv

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