Autobiographie geplant

Abschied von der Bühne: Ellen Schwiers wird 85

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Ellen Schwiers stand kurz vor ihrem 85. Geburtstag zum letzten Mal auf der Bühne.

München - Kurz vor ihrem 85. Geburtstag hat sich Schauspielerin Ellen Schwiers von der Bühne verabschiedet. Nun genießt sie die Zeit in ihrem Garten und arbeitet an einer Autobiografie.

Nach 70 Jahren hat Ellen Schwiers Ende Mai Abschied genommen von der Bühne. Es gab ein großes Fest. Kollegen, Weggefährten, Freunde und Familie feierten die Schauspielerin und Intendantin, die im Kino und im Fernsehen ebenso Erfolge feierte wie im Theater. Als Überraschungsgast reiste Enkelin Josephine Jacob extra aus Kanada an. Nun gibt es erneut Grund zu feiern: Am 11. Juni wird Schwiers 85. Der Geburtstag soll jedoch in kleinem Rahmen stattfinden, verriet sie der Deutschen Presse-Agentur.

Wenige Tage nach ihrem letzten Theaterabend ist Ellen Schwiers noch heiser und erschöpft. „Es war doch sehr anstrengend“, sagt sie. Vier Wochen lang war sie an der Seite ihres Bruders Holger Schwiers und ihrer Tochter Katerina Jacob in dem Stück „Altweiberfrühling“ in der Komödie im Bayerischen Hof in München zu sehen. Regelmäßig habe sie Spritzen und Infusionen bekommen. „Damit ich durchhalte.“

Der Abschied von der Bühne ist für die Schauspielerin ein konsequenter Schritt. Sie fühle sich einfach nicht mehr in der Lage, eine Tournee durchzustehen. „Ich will nicht auf die Bühne getragen werden.“ Jetzt ist der Trubel vorbei und Schwiers findet Erholung in ihrem Garten. Seit vielen Jahren lebt sie am Starnberger See.

Große Frauenrollen

Vor allem als Darstellerin großer Frauenrollen hat sich Schwiers einen Namen gemacht. Als „Mutter Courage“ tourte sie in Bert Brechts gleichnamigem Stück durch die Lande, in Salzburg spielte sie die Buhlschaft im „Jedermann“. Sie gab die „Lysistrata“ und im „Götz von Berlichingen“ die Adelheid. Mit Shakespeares „Was ihr wollt“ feierte Schwiers 1972 ihr Regie-Debüt bei den Burgfestspielen in Jagsthausen (Baden-Württemberg). Als besonderes Glück bezeichnet sie es, dass sie auch immer mit sehr guten Kollegen habe arbeiten dürfen, wie zum Beispiel mit Brigitte Horney oder Carl Raddatz.

Auch in zahlreichen Kino- und Fernsehproduktionen war Schwiers zu sehen, etwa in dem Klassiker „Das Erbe von Björndal“ (1960), in Serien wie „Derrick“, „Tatort“, „Unser Charly“ oder in „Der Bulle von Tölz“ an der Seite ihrer Tochter Katerina. In dem Kinodrama „3096 Tage“ (2013) über das Schicksal von Natascha Kampusch spielte Schwiers die Großmutter des Mädchens.

Ein Herzensprojekt war für Schwiers ihr 1982 gegründetes Tourneetheater „Das Ensemble“. Ihr sei es immer wichtig gewesen, dass auf der Bühne das gesamte Ensemble zählt - deswegen auch der Name. „Ich wollte nicht einen Star haben und drumherum große Wüste.“ Stolz macht es sie, dass „Das Ensemble“ mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Tourneetheater hätten ja den Ruf, schlechter zu sein als Staats- und Stadttheater, sagt Schwiers. „Wir sind aber nicht schlechter.“

Schwerer Schicksalsschlag

Eine große Leere nach dem Bühnenabschied fürchtet die aus einer Schauspielerfamilie stammende Schwiers nicht. „Ich kenne keine Langeweile.“ Zudem hat sie ein großes Projekt begonnen: Sie schreibt an einer Autobiografie. „Das ist nicht so einfach.“ Sie sei erst beim 27. Lebensjahr angekommen und habe bei der Recherche aufpassen müssen, „nicht in tiefe Depressionen zu verfallen“. Sie fürchte sich fast ein wenig davor, weiter zu schreiben. Schließlich sei ihr Leben nicht immer leicht gewesen.

Schwiers' Sohn Daniel starb 1985 an Krebs, wenige Jahre später starb auch ihr Mann. Jedoch sagt sie: „Wenn man erlebt, wie ein 21-Jähriger stirbt, der gerne gelebt hätte, dann kann man das eigene Leben nur als Geschenk empfinden.“ Sie genießt nun die Zeit mit der Familie und ihren Garten. Im Herbst will sie wieder Pilze sammeln gehen. „Ich habe drei Hunde, ich bin dabei zu pflanzen. Hier leben mindestens vier Eichhörnchen, auch Igel, Schlangen und Frösche. Die Stare füttern ihre Jungen. Nur die Füchse habe ich ein wenig aus den Augen verloren“, erzählt sie. Und überhaupt: „Ich bin wieder entzückt, wie die Natur explodiert. Um mich herum tobt das Leben.“

dpa

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