Tennis-Legende schießt gegen Deutschland

Die unmissverständliche Abrechnung des Boris Becker

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Podiumsdiskussion mit Boris Becker

Boris Becker feiert in der nächsten Woche seinen 50. Geburtstag. Derzeit kassiert er eine Menge Häme - und rechnet selbst mit Deutschland ab.

Leimen - Als am 7. Juli 1985 um 17.26 Uhr der letzte Aufschlag von Boris Becker für Kevin Curren unerreichbar bleibt und Becker Wimbledonsieger wird, fallen dem Fernsehreporter nur zwei Vergleiche ein - mit dem Sieg von Boxer Max Schmeling gegen Joe Louis 1936 und mit dem ersten deutschen Fußballweltmeistertitel 1954. Becker wird mit 17 Jahren zur Legende. Nun, mit 50 Jahren, erscheint diese Legende vielen schwer beschädigt.

Als dem am 22. November 1967 geborenen Becker ein Jahr nach seinem ersten Wimbledonsieg das Kunststück gelang, den Titel bei dem Rasenturnier zu verteidigen, machte er sich im Interview mit der Zeitung "Die Welt" Gedanken über seinen jetzigen Geburtstag: "Ich möchte nicht mit 50 Jahren rumlaufen und die Leute sagen hören, guck mal, das ist der, der mit 17 in Wimbledon gewonnen hat - vielleicht bin ich mit 50 der Superschauspieler oder der Supermusiker."

Es kam anders, abseits des Tennisplatzes scheint Becker vieles zu misslingen. Traurige Höhepunkte waren etwa in diesem Jahr das von viel Medienrummel begleitete Insolvenzverfahren in England und 2002 ein Steuerprozess in München, der ihn fast ins Gefängnis gebracht hätte.

Hinzu kamen immer wieder private Affären: Vor seiner jetzigen Ehe mit Lilly gab es die in aller Öffentlichkeit gescheiterte Ehe mit Barbara, die Affäre mit Angela Ermakova samt unehelicher Tochter Anna, dazu andere Frauengeschichten wie die mit Sängerin Sabrina Setlur.

Die Liste dieser Episoden erscheint ähnlich lang wie die Liste von Beckers Erfolgen mit Preisgeldern von mehr als 25 Millionen Dollar. Und dass viele Deutsche inzwischen eher an die Skandale als an die Siege denken, dürfte Beckers abgekühltes Verhältnis zu seinen Landsleuten erklären.

Boris Becker: Abrechnung über verschiedene Medien

Er werde nicht mehr nach Deutschland zurückkehren, sagte Becker gerade der Illustrierten "Gala". "Ich habe einen deutschen Pass, aber ich fühle mich nicht als Deutscher - mein Zuhause ist London."

Und in der neuen ARD-Dokumtation "Der Spieler" sagte Becker einen noch mehr nach Abrechnung klingenden Satz in Richtung der Deutschen: "Ich war noch nie euer Boris, noch nie - ich war immer bei mir."

Wer diese Enttäuschung verstehen will, kommt am Jahr 1985 und der überschäumenden Euphorie nicht vorbei. Beispielhaft steht da ein Interview, das der damals auch am Anfang seiner Karriere stehende Thomas Gottschalk mit dem als "Bumm-Bumm-Boris" gefeierten Becker führte.

"Du bist, machen wir uns nichts vor, ein richtiges deutsches Heiligtum geworden", begrüßte Gottschalk den schüchtern wirkenden Becker damals. Der vermeintliche neue Nationalheilige antwortete mit erkennbarer Naivität, wie komisch es sei, dass ihn plötzlich alle kennen lernen wollten. "Und so war ich ab und zu der Meinung, dass ich zweimal auf die Welt gekommen bin - das zweite Mal war am 7. Juli", dem Tag des ersten Wimbledonsiegs.

Danach widmete ihm sogar Nordkorea eine Briefmarke. In seiner Heimatstadt Leimen gibt es noch heute ein Boris-Becker-Zimmer im Rathaus, sein Heimatclub Blau-Weiß Leimen trainiert in der Boris-Becker-Halle.

Die inzwischen aber verbreitete Häme scheint Becker zumindest nicht gebrochen zu haben. In seinem Lebensrückblick, den er der ARD gewährte, sagte er jedenfalls versöhnlich: "Wenn ich zurückblicke auf mein Leben - das macht man, glaube ich, zuerst einmal mit 50 als Mann - dann habe ich also mehr richtig gemacht als falsch gemacht, dann habe ich Dinge erreicht, die ich nie geträumt habe zu erreichen."

AFP

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