Interview mit „Compact“

Xavier Naidoo leugnet rechte Gewalt – und verbreitet AfD-Fake-News

Xavier Naidoo gibt dem rechten Magazin „Compact“ ein Interview. Darin redet er über Rassismus, den Song „Adriano“ und seine krude Weltanschauung. Zudem verbreitet er Fake News der AfD.

  • Xavier Naidoo verbreitet seit Monaten Verschwörungstheorien über Telegram.
  • Auf YouTube gibt er dem rechten Magazin „Compact" ein Interview.
  • Er redet über Rassismus, den Song „Adriano“ und seine krude Weltanschauung.
  • Zu seinen Verschwörungstheorien gibt es auch einen Fakten-Check.

„Dies ist so was wie eine letzte Warnung, denn unser Rückschlag ist längst in Planung. Wir fall’n dort ein, wo ihr auffallt, gebieten eurer braunen Scheiße endlich Aufhalt“. Diese Zeilen sang Xavier Naidoo 2001 in dem Song „Adriano(Letzte Warnung)“. Auslöser für das Lied war der Tod von Alberto Adriano, der ein paar Monate zuvor von drei betrunkenen Neonazis so schwer verprügelt wurde, dass er anschließend im Krankenhaus starb. Die Band Brothers Keepers, bestehend aus Naidoo, Frederik „Torch“ Hahn, Samy Deluxe, Afrob, D-Flame und sieben weiteren dunkelhäutigen Sängern, Rappern und Schauspielern, sagen in dem Lied Nazis und Rassismus den Kampf an. Heute, 20 Jahre später, bereut der Mannheimer seine Mitwirkung. Das erklärt er in einem Interview mit einem rechten Magazin.

NameXavier Kurt Naidoo
Geboren2. Oktober 1971 in Mannheim
Größe1,76 Meter
Bekannte AlbenNicht von dieser Welt, Hin und Weg
Eltern Eugene Naidoo, Rausammy Naidoo
EhefrauJulia

Xavier Naidoo erhielt Morddrohungen nach Anti-Rassismus-Song

Auf YouTube stehen Xavier Naidoo und sein Verschwörungstheoretiker-Vorbild Oliver Janich dem rechten Magazin „Compact“ Rede und Antwort. Der Interviewer ist Chefredakteur Jürgen Elsässer, der für seine rassistischen, homophoben, nationalistischen und antisemitischen Aussagen bekannt ist. Das Magazin hat Naidoo erst vor kurzem als „modernen Helden“ bezeichnet und widmet ihm sogar ein Buch. In dem Interview geht es aber eher um die krude Weltanschauung des 48-Jährigen. Dabei spricht er auch über dramatische Erfahrungen aus der Vergangenheit.

Ich hatte Morddrohungen, ich hatte eine Woche lang Polizeischutz auf Tour“, erzählt Xavier Naidoo. Damit spricht er die Zeit nach dem Song „Adriano" an, in dem er den kraftvollen Refrain sang und Nazis den Kampf ansagte. Bei den Konzerten hatte der Mannheimer sogar die Befürchtung, dass er aus dem Publikum heraus einen Schuss in den Kopf kassieren könne! Trotzdem habe er immer weiter machen wollen. Einen Kopfschuss würden er und Attila Hildmann heute sofort für den Kampf um Deutschland in Kauf nehmen.

Xavier Naidoo leugnet rechte Gewalt – und zitiert Fake News

Doch mittlerweile wisse Naidoo, dass die Nazis gar nicht das Problem waren. Die Gefahr sei wohl eher aus Kreisen gekommen, die er damals noch gar nicht kannte – V-Männer zum Beispiel. Damit driftet er wieder in seine Verschwörungstheorien ab, die er seit Monaten über Telegam verbreitet. „Europol haben ja gerade veröffentlicht, dass es eigentlich keine rechte Gewalt gibt in Deutschland“, erklärt der Sänger. Perfekt! Dann können die ganzen „Black lives matter“-Demos in Deutschland ja beendet werden.

Xavier Naidoo und Oliver Janich werden von Jürgen Elsässer interviewt. (Screenshot)

Was Xavier Naidoo da behauptet, stimmt natürlich nicht. Wie der „ARD-Faktencheck“ herausgefunden hat, kommt diese Behauptung von Nicolaus Fest, einem AfD-Abgeordneten im Europaparlament. Der habe diese Aussage irgendwo gehört oder gelesen und dann auf Instagram geteilt. Der Bericht von Europol sagt aber genau das Gegenteil. Er warnt vor zunehmender rechter Gewalt und gewaltbereiten Rechtsextremisten!

Xavier Naidoo distanziert sich von „Adriano“ – und fühlt sich vergewaltigt!

Mit dem Song „Adriano“ kann der Mannheimer übrigens nichts mehr anfangen. Wie er im Interview mit „Compact“ erklärt, sei er damals vor den Karren gespannt worden – genau wie seine dunkelhäutigen Brüder. Sie seien einfach jung und wütend gewesen und hätten sich durch die Lügen des linksliberalen Establishments beeinflussen lassen. In diesem Kontext fällt Naidoo die Amadeu Antonio Stiftung aus Heidelberg ein, die sich seit drei Jahrzehnten gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus einsetzt. Lange stand Naidoo mit der Stiftung im Rechtsstreit über Antisemitismusvorwürfe, doch in 2019 urteilte dann ein Gericht, dass Naidoo in der Öffentlichkeit nicht „Antisemit" genannt werden darf.

Jetzt fühle ich mich eigentlich vergewaltigt durch die Situation damals. Ich weiß nicht, ob das jemals richtig war, das so zu machen“, sagt der 48-Jährige. Ein paar der Aussagen in dem Lied würden ihm heute gar nicht mehr „schmecken“. Zudem sei er in dem Text relativ gewaltsam gewesen. Das Lied „Adriano“ ist auch 20 Jahre später immer noch aktuell – leider. Es passt zum Mord an Goerge Floyd, den Naidoo erst vor kurzem als False Flag“-Aktion bezeichnete. Damit erhält der Refrain von „Adriano" leider einen sehr schlimmen Beigeschmack!

Oliver Pocher spricht in einem Interview mit RTL auch über Xavier Naidoo. Mit dem würde der Comedian gerne mal eine Weltreise unternehmen. Meint er das ernts, oder handelt es sich um einen Seitenhieb?

Attila Hildmann droht dem Politiker Volker Beck. Am liebsten würde er die Todesstrafe für ihn wieder einführen. Obwohl die Polizei ermittelt, sieht es schlecht aus mit einem Prozess.

Die Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut (DIE LINKE) aus Mannheim hat im Juli 2020 ein Drohschreiben erhalten, das mit „NSU 2.0“ unterzeichnet wurde. Darin soll ihr mit dem Tod gedroht werden.Auch der Linke-Politiker Gökdeniz Özcetin erhält Morddrohungen mit dem Abesender „NSU 2.0“. Unter anderem schreiben die anoymen Täter: „Wir werden Dich kriegen und dann abschlachten. Noch kannst du dich verstecken aber der Tag X rückt immer näher und dann wirst du rennen. Sieg Heil! Mit blutigen Grüssen NSU 2.0

Außerdem betreibt Xavier Naidoo eine Telegram-Gruppe. In dieser tauchte Mitte August eine Nachricht auf in der den Teilnehmern der Corona-Demo in Berlin am 29. August ein bizarrer Tipp gegeben wird.

dh

Rubriklistenbild: © YouTube Compact

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