Widerstand aus Berlin, Ulm, Mannheim und Ladenburg

Xavier Naidoo: Kritik von Ulmer Gemeinderat – „In unserer Stadt nicht erwünscht“

Xavier Naidoo will nach der Corona-Krise wieder auf Tour gehen. Wegen der Verbreitung von Verschwörungs-Geschichten und der Nähe zu Reichsbürgern werden immer mehr Stimmen gegen mögliche Konzerte laut – auch in Rostock und Ulm.

Update vom 25. Juni: Eigentlich wollte ein Teil des Gemeinderats von Ulm den Auftritt von Xavier Naidoo am 5. Juni 2021 verhindern. Doch nach Informationen der „Südwest Presse" hat das nicht funktioniert. Die Resolution sei von Oberbürgermeister Gunter Czisch abgelehnt worden. Zu Beginn der Sitzung des Rates am Mittwoch (24. Juni) hat sich allerdings Stadtrat Martin Rivoir im Namen von Grüne, CDU und SPD zu dem Konzert geäußert – und kein gutes Haar an dem Mannheimer gelassen.

Wir machen mit dieser Erklärung unmissverständlich klar, dass die Ansichten des Herrn Naidoo mit dem Grundkonsens der internationalen Stadt Ulm nicht vereinbar sind. Herr Naidoo ist in unserer weltoffenen, demokratischen und solidarischen Stadt nicht erwünscht!“ erklärt Rivoir. Der Sänger habe sich „unerträglich frauenfeindlich, rassistisch, antisemitisch, fremdenfeindlich und sexistisch“ geäußert. Daher würde es bei einem Verbot auch nicht um einen Eingriff in die Kunst-oder Meinungsfreiheit gehen.

Unterdessen findet in Mannheim an anderer Stelle eine geplante Veranstaltung nicht statt: AfD-Landeschefin Alice Weidel wirft Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz „politische Willkür“ vor – das ist der Grund.

NameXavier Kurt Naidoo
Geboren2. Oktober 1971 in Mannheim
Größe1,76 Meter
Bekannte AlbenNicht von dieser Welt, Hin und Weg
ElternEugene Naidoo, Rausammy Naidoo
EhefrauJulia

Xavier Naidoo: Stadt Rostock erlaubt Open-Air-Konzert

Update vom 22. Juni: Neben Berlin, Ulm, Mannheim und Ladenburg hat sich auch in Rostock ein Widerstand gegen den Auftritt von Xavier Naidoo gebildet. SPD und Die Linke haben in der Stadt in Mecklenburg-Vorpommern einen Antrag auf ein Konzertverbot gestellt. Der Vorschlag ist am 17. Juni in der Sitzung der Rostocker Bürgerschaft besprochen worden – und wurde abgelehnt!

Das Recht auf freie Meinungsäußerung und die künstlerische Freiheit stellen ein hohes Gut der Bundesrepublik Deutschland dar. Eine Einschränkung dieses Rechts muss stets abgewogen und gut begründet werden. Die Demokratie zeichnet sich durch die Garantie der Freiheitsrechte aus“, heißt es in der Entscheidung. Zwar könne die Verwaltung die Motivation des Antrags verstehen, achte aber auf die künstlerische Freiheit. Und diese gebe einem Künstler auch das Recht, auf bestimmte Thesen aufmerksam zu machen.

Die Verwaltung zählt noch weitere Gründe auf, die gegen ein Verbot des Konzerts von Xavier Naidoo sprechen:

  • Es handelt sich um keine politische Veranstaltung.
  • Gegen Xavier Naidoo gebe es keine strafrechtlichen Verfahren, die ein Verbot rechtfertigen.
  • Seine Songs stehen nicht auf der „Liste aller bundesweit beschlagnahmten Medien“.
  • Durch den Vertragsbruch würde der Veranstaltungsort Stadthalle/HanseMesse in negative Schlagzeilen geraten.

Xavier Naidoo: Mehrere Städte denken über Konzertverbot nach

Erstmeldung vom 8. Juni: Die negativen Schlagzeilen über Xavier Naidoo nehmen seit Wochen kein Ende. Der Mannheimer verstrickt sich immer mehr in rassistischen und antisemitischen Aussagen sowie in Verschwörungstheorien. Dass er ja auch noch als Sänger aktiv ist, gerät dabei schnell in Vergessenheit. Und obwohl der 48-Jährige von einer neuen Weltordnung, ja vielleicht sogar vom jüngsten Gericht ausgeht, hat er für das Jahr 2021 noch seine „Hin und Weg Open Air“-Tour geplant. Diese führt ihn in 15 Städte der gesamten „BRD-GmbH“, wie Reichsbürger wie Naidoo Deutschland nennen. Doch in mehreren der Spielorte werden Stimmen gegen die Konzerte laut!

Xavier Naidoo in Berlin unerwünscht – Politiker finden harte Worte

Ich glaub, ich seh nicht richtig... Dieser durchgeknallte, homophobe, antisemitische Verschwörungsideologe hat auf der #Zitadelle nichts zu suchen! Hoffe die Verantwortlichen in #Spandau werden diesem Verrückten keine Bühne bieten“, schreibt Maik Häring auf Twitter. Der Fraktionsgeschäftsführer der SPD-Spandau bezieht sich damit auf das geplante Konzert am 1. August in der Zitadelle Spandau. 

Unterstützung erhält Häring von Helim Evrim Sommer. Die Bundestagsabgeordnete der Partei „Die Linke“ spricht sich ebenfalls gegen den Auftritt von Xavier Naidoo aus und schreibt auf Twitter: „Antisemitischen ‚Künstlern‘ im Verschwörungswahn mit Reichsbürger-Hymnen wie ‚Marionetten‘ sollte keine Bühne geboten werden!

Xavier Naidoo: Trotz Kritik – Veranstalter halten an Konzerten fest

Auch in Ulm formiert sich der Widerstand gegen das geplante Konzert von Xavier Naidoo, das am 5. Juni 2021 im Klosterhof Wieblingen stattfinden soll. Eine Mehrheit des Gemeinderats will den Sänger per Resolution von dem Auftritt abbringen. Oberbürgermeister Gunter Czisch möchte aber erst prüfen lassen, ob sich der Rat damit überhaupt befassen darf. Für den Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir ist der Mannheimer in seiner Stadt unerwünscht, weil „die Ansichten des Herrn Naidoo mit dem Grundkonsens der Internationalen Stadt Ulm nicht kompatibel sind.

Marcel Büttner, Marketingleiter der für das Konzert in Ulm-Wiblingen zuständigen Konzertagentur, sei davon beeindruckt, dass niemand auf ihn zugekommen wäre – sowohl Politiker als auch Kritiker. Es gebe zwar „komische Aussagen des Künstlers“, der Vertrag werde aber trotzdem erfüllt. Auch in Xavier Naidoos Heimatstadt Mannheim gibt es Widerstand. Die Jusos haben sogar eine Petition gegen das Konzert in der SAP Arena gestartet und bislang über 32.000 Unterschriften gesammelt. Trotz Kritik hält Daniel Hopp, Chef der Arena, zu dem Konzert. „Es obliegt nicht uns als Veranstaltungsstätte, über Äußerungen des Künstlers zu urteilen", begründet der 39-Jährige.  

Xavier Naidoo: Land Baden-Württemberg will mehr Einfluss auf Konzerte von Extremisten

Unabhängig von Xavier Naidoos Tour beschäftigt sich das Land Baden-Württemberg gerade mit einer generellen Frage: Wie kann leichter Einfluss auf ein Konzert genommen werden, wenn auf seinen Flächen gegen geltendes Recht verstoßen wird? Dafür soll das Finanzministerium Verträge mit Veranstaltern von Konzerten leichter kündigen können, wenn diese Künstler engagieren, die zum Beispiel von Gerichten wegen extremistischer Äußerungen belangt worden sind. 

Wir werden künftige Verträge so abschließen, dass bei einem Verbreiten von jugendgefährdenden oder extremistischen Inhalten oder auch bei akuter Gefahr der Verbreitung davon eine Kündigung des Vertrages möglich ist“, erklärt ein Sprecher des für die Liegenschaften des Landes zuständigen Finanzministeriums.

Auftrittsverbot für Xavier Naidoo? AfD unterstützt Sänger

Auch die Grünen in Ladenburg wollen erreichen, dass der Gemeinderat oder ein Ausschuss ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Künstler hat. Das hält Bürgermeister Stefan Schmutz allerdings für undenkbar. Eigentlich wäre Xavier Naidoo im August 2020 auf der Festwiese in Ladenburg aufgetreten, doch das Konzert muss wegen Corona verschoben werden. Aufgrund der Aussagen des Mannheimers ist es aber zu Diskussionen unter den Parteien gekommen, ob man dem 48-Jährigen überhaupt eine Plattform geben möchte. Der Sänger bezeichnet deshalb die SPD und Bürgermeister Stefan Schmutz als „Faschisten“!

Die AfD verteidigt Xavier Naidoo – und streut Fake News.

Bereits bei der damaligen Diskussion schaltet sich auch die AfD mit ein. So meint Kreissprecher Robert Schmiedt, es sei „monströs, Naidoo aus ideologischer Verbohrtheit in seiner Reputation und wirtschaftlichen Existenz vernichten zu wollen.“ Auch dieses Mal twittert die AfD mit und bezeichnet die Kritik als „Auftrittsverbot für Künstler wegen mangelnder Linientreue“ – obwohl es gar kein Verbot gibt. Natürlich gibt es dazu noch einen Vergleich mit der DDR und den Vorwurf, dass Merkel eine Diktatur erschaffen hat. 

dpa/dh

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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