Skandale & Kontroversen

Xavier Naidoo: Missverstandener Sänger, gekonnter Provokateur oder intoleranter Rassist?

Xavier Naidoo sorgt immer wieder für Skandale und Kontroversen. Kritiker werfen ihm Antisemitismus, Rassismus und Homophobie vor. Doch was ist dran an den Vorwürfen?

  • Xavier Naidoo sorgt immer wieder mit Aussagen für Skandale und Kontroversen.
  • Kritiker werfen ihm Antisemitismus, Rassismus und Homophobie vor.
  • Xavier Naidoo soll auch Verschwörungstheorien verbreiten und „Reichsbürger“-Sympathisant sein.

Für treue Xavier Naidoo Fans ist es ein klarer Fall von Medienhysterie. Klar, ihr Idol ist vielleicht das ein oder andere Mal in ein Fettnäpfchen getreten, aber er sagt doch selbst immer wieder, dass er bloß missverstanden wurde. Dass seine Worte aus dem Kontext genommen werden. Dass er eigentlich kein Rassist ist. Xaviers Kritiker wiederum erkennen in dem Sänger eindeutig ein Sprachrohr der Rechten, der Antisemiten, der paranoiden Verschwörungstheoretiker. Längst ist klar, dass nicht nur gewaltbereite Skindheads rechtsextrem sind, sondern dass rechte Tendenzen auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind: Der neuen Rechten gefallen schnulzige Popsongs à la Xavier Naidoo mittlerweile vielleicht sogar besser als dröhnender Rechtsrock. Doch ist Xavier Naidoo wirklich „einer von denen“, die das Fremde verdächtigen, das Andere hassen und dem Alten huldigen? 

Oder ist er ein verbaler Tollpatsch, der es immer wieder schafft mit seltsamen Aussagen, den geballten Zorn der Medien auf sich zu ziehen? Ist Xavier Naidoo missverstandener Sänger, gekonnter Provokateur oder intoleranter Rassist? Und falls Xavier Naidoo tatsächlich PEGIDA-Befürworter und heimlicher Reichsbürger ist, warum leugnet er es dann immer wieder, wenn er darauf angesprochen wird? Bei so viel Ungewissheit um die politische Gesinnung Xavier Naidoos ist eines klar: Mit seinen Aussagen, Liedtexten und Auftritten sorgt der Sänger aus Mannheim immer wieder für Aufruhr und Empörung.

Name

Xavier Kurt Naidoo

Geboren

2. Oktober 1971 in Mannheim

Größe

1,76 m

Bekannte Alben

Nicht von dieser Welt, Hin und Weg

Eltern

Eugene Naidoo, Rausammy Naidoo

Ehefrau

Julia 

Xavier Naidoo - Skandale und Kontroversen: Hasst Xavier Schwule?

Ich schneide euch jetzt mal die Arme und Beine ab und dann f*** ich euch in den Arsch, so wie ihr's mit den Kleinen macht”: Diese Zeile singt Naidoo in „Lied vom Leben“ auf dem Album „Gespaltene Persönlichkeit“ mit Rap-Kollegen Kool Savas. Die provokante Zeile wird dicht gefolgt von: „Warum liebst du keine Mö**, wo jeder Mensch doch aus einer ist?” Für die Linksjugend Solid und dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland war der Sachverhalt klar: Naidoo setzt Homosexualität mit Kindesmissbrauch und Pädophilie gleich und ruft zur Gewalt gegen Schwule auf. 

Daher zeigte die Organisation die beiden Musiker wegen Volksverhetzung und öffentlicher Aufforderung zu Straftaten an. Letztlich wies die Staatsanwaltschaft Mannheim die Klage ab und Naidoo versicherte öffentlich, dass er in dem Lied keineswegs homophobe Botschaften verbreiten wolle und stattdessen auf „furchtbare Ritualmorde an Kindern“ aufmerksam machen wollte.

Xavier Naidoo: Ist der Sänger aus Mannheim ein Rassist?

In einem vielzitierten Interview mit dem Musikmagazin „Musikexpress“ in 1999 antwortete Xavier Naidoo auf die Frage, ob er Rassist sei: „Ja. Aber ein Rassist ohne Ansehen der Hautfarbe.“ Vorausgegangen war ein wirres Gespräch über Religion, die Apokalypse und darüber, dass Xavier Naidoo gerne die Schulden seiner Heimatstadt Mannheim begleichen würde: „Mir ist Gott und danach der Mensch als seine Schöpfung heilig. Und bevor ich irgendwelchen Tieren oder Ausländern Gutes tue, agiere ich lieber für Mannheim.“ Treue Fans entgegnen oft, dass Naidoo gar kein Rassist sein könne, da er ja selbst aus einer Einwandererfamilie stammt: Sein Vater ist nämlich aus Südafrika eingewandert und ist halb indischer, halb deutscher Herkunft. Seine Mutter ist ebenfalls südafrikanischer und irischer Abstammung. Auch wenn er sich im Interview mit dem „Musikexpress“ selbst als Rassisten bezeichnet, fügt er an, dass für ihn Hautfarbe irrelevant ist. Auch wenn die Begrifflichkeiten den jungen Xavier Naidoo verwirrt haben, würde man ihn aufgrund solcher Aussagen eher als Wohlfahrtschauvinisten und fremdenfeindlich bezeichnen, da für ihn die äußeren Merkmale zweitrangig sind und er Fremde egal welcher Hautfarbe nicht toleriert.

Xavier Naidoos Skandal-Video: Hetze gegen Geflüchtete

Ein Video, was im März 2020 aufgetaucht ist, scheint Naidoos Einstellung diesbezüglich zu stützen: „Ich hab fast alle Menschen lieb. Aber was, wenn fast jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt. Da muss ich harte Worte wählen. Denn keiner darf meine Leute quälen. Wenn doch, der kriegt es mit mir zu tun.“ In dem kurzen Lied scheint Naidoo Geflüchtete mit mordlustigen Kriminellen gleichzusetzen, die nach Europa kämen, um zu brandschatzen und zu plündern. Damit bedient er rechtspopulistische Klischees, die beängstigte Bürger gegen Neuankömmlinge aufstacheln sollen. Xavier Naidoo stellt sich in dem Lied selbst als Retter – als „starken Mann“ – dar, der seine Landsleute vor den bösen Fremden schützen könne. Kriegsflüchtlinge mit Mördern und Kriminellen gleichzusetzen ist per Definition Hetze, denn er verleumdet und schürt Hass gegen eine große heterogene Gruppe. Und dass solche Hetze gefährlich ist, haben Attentate aus der jüngsten Vergangenheit gezeigt, wie in Hanau, Halle und Kassel.

Xavier Naidoo: Ist der Sänger aus Mannheim Antisemit?

Seit Jahren wird dem berühmtesten Sohn Mannheims Antisemitismus und Judenhass vorgeworfen, weshalb Xavier Naidoo auch schon mehrfach vor Gericht stand. In 2019 entschied dann ein Gericht, dass der Sänger nicht mehr als Antisemit bezeichnet werden darf, doch in manchen Liedern lassen sich antisemitische Gedanken eindeutig interpretieren. Beispielsweise nutzt Naidoo in vielen seiner Songs ein bestimmtes Vokabular, was Kritiker als „antisemitische Codes und Chiffren“ bezeichnen. Beispielsweise wird in seinem Lied „Raus aus dem Reichstag“ der Begriff „die Totschilds“ benutzt, was auf die Bankiersfamilie Rothschild anspielt. Die rechtsextreme Szene instrumentalisiert die Rothschild Familie oft als Symbol des „Finanzjudentums“, also das jüdische Bankiersfamilien das politische Geschehen auf der Welt maßgeblich beeinflussen.

Xavier Naidoo: Großer Fan von Verschwörungstheorien

Doch Xavier Naidoo ist nicht nur wegen seinen homophoben, rassistischen und antisemitischen Skandalen in den Schlagzeilen der nationalen Presse aufzufinden. Xavier Naidoo scheint auch ein großer Fan Verschwörungstheorien zu sein. Ob zu 9/11, der Deutschland GmbH oder zu Fridays for Future – für Xavier Naidoo sind viele Dinge, nicht wie sie scheinen. So behauptet der Sänger, dass die Anschläge am 11. September von der CIA geplant waren und dass die Fridays-for-Future (FFF) Demonstration mit dem Antichristen zusammenhängen. In einem Clip, der im März 2020 in den sozialen Medien kursierte, erklärt Naidoo, dass der Buchstabe F, der sechste im Alphabet sei und FFF somit für 666 und dem Antichristen stehen würde. Ob dies ein Witz oder Ernst gemeint war, ist fraglich. Klar ist, dass ihn dieses Video weiter in die Obskurität drängte und ihm Kredibilität nahm, von der ohnehin schon wenig vorhanden war.

Xavier Naidoo und die „Reichsbürger“

In einem Interview im ARD-„Morgenmagazin“ in 2011 entgegnete Xavier Naidoo auf die Frage, ob er sich frei fühle: „Wir sind nicht frei“, und verblüffte die Moderatoren mit der Aussage: „Wir sind immer noch ein besetztes Land.“ Damit griff Naidoo eine Verschwörungstheorie der sogenannten „Reichsbürger“ auf, die behaupten, Deutschland sei kein Staat, sondern eine GmbH, die von „der neuen Weltordnung“ gelenkt werde. Knapp drei Jahre später kommt dann der nächste große PR-Faux-Pas von Xavier Naidoo: In 2014 tritt der Sänger auf einer Reichsbürger-Demo in Berlin auf und hält eine Rede. Darin behauptete er, Deutschland sei noch von den USA besetzt und die Anschläge vom 11. September seien ein Insider-Job gewesen. Die skurrile Gruppierung wird vom Verfassungsschutz als „mitunter offen antisemitisch“ beschrieben: „Die Bandbreite reicht von Schuldzuweisungen Einzelner, die ‚die Juden‘ für ihre Arbeitslosigkeit verantwortlich machen, über offen antisemitische Verschwörungstheorien, wonach beispielsweise der Erste Weltkrieg von ‚den Juden‘ geplant worden sei, bis hin zur Leugnung des Holocaust.“ Diese Tendenzen decken sich mit Aussagen und Liedtexten von Xavier Naidoo, wie in seinem Lied „Marionetten“. Hierin setzt er „Volksvertreter“ mit „Volksverräter“ gleich; diese seien nur „Marionetten“ von „Puppenspieler“. In rechtsextremen Kreisen ist der „Puppenspieler“ eine bekannte antisemitische Chiffre, von der Xavier Naidoo behauptet, nichts gewusst zu haben. Doch Naidoo geht in seinem Lied einen Schritt weiter und ruft zu Gewalt gegen solche „Marionetten“ und ihre „Puppenspieler“ auf: „Wenn ich nur einen in die Finger bekomme, Dann zerreiß ich ihn in Fetzen“.

Xavier Naidoo: Skandale und Kontroversen lassen ihn in die Obskurität versinken

Ob Xavier Naidoo tatsächlich ein ideologisch motivierter Rassist ist, wie es viele Kritiker behaupten, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht direkt sagen. Vielmehr scheint sich der Sänger in einem Milieu aufzuhalten, in dem der Geschichtsunterricht aus obskuren YouTube-Video stammt und Fremdenfeindlichkeit der kleinste gemeinsame Nenner der Mitglieder ist.

mw

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dp

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