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Verkehrsversuch in Mannheim: Grüne, SPD und CDU fordern Nachbesserungen

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Von: Peter Kiefer

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Mannheim - Der Verkehrsversuch hat viele gute Absichten. Doch für die großen Fraktionen im Gemeinderat gehen die Maßnahmen nicht weit genug. Was sie fordern:

Der nicht ganz unumstrittene Verkehrsversuch soll die Innenstadt in Mannheim attraktiver und lebenswerter machen. Doch der Grünen-Gemeinderatsfraktion gehen die Maßnahmen längst nicht weit genug – sie fordern Nachbesserungen und legen eine 15-Punkte-Katalog vor.

StadtMannheim\t
BundeslandBaden-Württemberg
Einwohnerzahl309.721 (Stand: 31. Dezember 2020)
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)

Verkehrsversuch in Mannheim: Grünen-Stadträte stellen Gemeinderatsantrag

Nach Gesprächen mehrerer Grünen-Stadträt*innen mit Einzelhandel und Anwohner*innen in Mannheim hat die Grünen-Fraktion in einem Gemeinderatsantrag jetzt 15 Maßnahmen aufgelistet, die zeitnah umgesetzt werden sollen.

Gerhard Fontagnier, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Gemeinderatsfraktion: „Bei einem Vor-Ort-Termin mit Anwohner*innen und Geschäftsinhaber*innen, zu dem unsere Grüne Bundestagsabgeordnete Melis Sekmen vergangene Woche eingeladen hatte, gab es einen guten und konstruktiven Austausch.“

Ein Teil der Fressgasse ist jetzt eine Fußgängerzone.
Ein Teil der Fressgasse ist jetzt eine Fußgängerzone. © MANNHEIM24/Daniel Hagen

Verkehrsversuch in Mannheim: „Öffnung der Schranke in der Fressgasse kontraproduktiv“

Was dabei auch zur Sprache gekommen sei: Eine dringende Anpassung in C1/N1 hänge gerade an der Fertigstellung durch Lieferschwierigkeiten von Bodensperren. Auch die morgendliche Öffnung der Schranke in der Fressgasse sei kontraproduktiv und stimme nicht mit dem Ziel überein, dort für eine dauerhafte Veränderung des Verkehrs zu sorgen. 

Eine weitere Forderung: Die Stoßzeiten in der Erbprinzenstraße Richtung U1 müssen laut Grünen dringend angegangen werden. Das Durchfahren mit aufgedrehten Musikanlagen sei inakzeptabel und müsse nachts unterbunden werden. Doch dort und andernorts fehle die konsequente Begleitung des Verkehrsversuchs durch den Ordnungsdienst.

Verkehrsversuch in Mannheim: Zugeparkte Ladezonen müssen kontrolliert werden

„Wenn der Verkehrsversuch zum Erfolg werden soll, dann müssen wir dafür sorgen, dass die Verlagerung des Durchgangsverkehrs weitgehend vermieden wird. Die Parkhäuser sind alle erreichbar und dies muss auch für Gäste der Innenstadt erkennbar sein“, fordert Fontagnier. 

Ein Problem: Die Paletten unter den Pflanzgefäßen werden mittlerweile als Mülleimer missbraucht, was mit der Entfernung derselben oder einer Verkleidung vermieden werden könnte. Außerdem sei es wichtig, überflüssig gewordene Verkehrsschilder zu entfernen und die Ladezonen konsequent zu kontrollieren. Diese würden häufig widerrechtlich zugeparkt. 

Grüne wollen verkehrsberuhigte Innenstadt in Mannheim

Fontagnier: „Es war klar, dass es nötig sein wird, die Maßnahmen des Verkehrsversuchs anzupassen. Dies muss jetzt im Interesse der Bewohnerschaft und der Geschäftsleute zeitnah geschehen. Die Verkehrswende ist unumgänglich und dazu gehört in einem wichtigen Schritt die Verkehrsberuhigung der Innenstadt.“

Durch die Verkehrsberuhigung werde die Innenstadt für alle attraktiver und lebenswerter. „Auch wenn es etwas Geduld braucht, bis die Maßnahmen und deren nötige Anpassung wirksam werden. Trotzdem gilt der Dank der Verkehrsverwaltung, denn eine Stadt, die über Jahrzehnte autogerecht gemacht wurde, kann kaum über Nacht neu eingerichtet werden“, weiß der Verkehrsexperte.

Mannheim: „Gastronomie und Geschäfte profitieren von verkehrsberuhigter Innenstadt“

Markus Sprengler, wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, ergänzt: „Wohnen und Einkaufen in der City muss verträglich gestaltet werden. Der Verkehrsversuch trägt dazu bei. Gastronomie und Geschäfte profitieren von einer verkehrsberuhigten Innenstadt. Schon jetzt war dies an den warmen Tagen zu sehen. Die Parklets und Außengastronomien waren rappelvoll.“

Grünen-Fraktion Mannheim zu Verkehrsversuch: Parklets helfen Gastronomie

Die beliebten Parklets würden sich derzeit immer weiter ausbreiten und helfen, den Einrichtungen die Probleme der Pandemie allmählich wieder aufzufangen, so Sprengler. Mit mehr Mut ginge da „in der Innenstadt noch mehr“.

Sprengler weiter: „Warum locken wir nicht öfter die Menschen mit kleineren Musikfesten und kulturellen Angeboten auf die Straßen? Und warum folgen wir nicht schneller den Beispielen anderer europäischer Städte, die bereits große autofreie Zonen, wie etwa die Superblocks in Barcelona, erfolgreich eingerichtet haben?”

Das boland´s in der Kunststraße baute als erster Betrieb Außenbestuhlung in die Parkbucht vor der Tür. 
Das boland´s in der Kunststraße baute als erster Betrieb Außenbestuhlung in die Parkbucht vor der Tür. (Archivfoto) © MANNHEIM24/Peter Kiefer

Verkehrsversuch in Mannheim: Das wollen CDU und SPD ändern

Doch auch die Fraktionen von CDU und SPD sind der Ansicht, dass der Verkehrsversuch nicht weiter so dahinplätschern kann – es muss sich was tun. Auf der Agenda stehen die Gemeinderatsanträge jedoch erst wieder am 21. Juni, wenn der Technik-Ausschusses zusammenkommt.

Die größte Änderung fordert die Union: Nämlich eine Unterbrechung der Innenstadt-Durchfahrt an anderen Stellen als bisher erfolgt. Die Durchfahrt zur Kunststraßen soll demnach nicht wie derzeit am Stadthaus N1 unterbrochen, sondern bereits auf Höhe des Toulonplatzes zwischen den Quadraten C5 und D5 unterbrochen werden, wie der Mannheimer Morgen berichtet..

Mannheim: Sperrung der Fressgasse laut SPD-Fraktion falsch angesetzt

Die Sperrung der Fressgasse soll nicht länger bei P1 und Q1 erfolgen, sondern in Höhe der Quadrate E6 und F6. Zudem plädiert die CDU-Fraktion für die Entfernung der Durchfahrtssperren auf der verlängerten Breiten Straße zwischen Stadthaus N1 und Schloss.

Die SPD-Fraktion verlangt eine sofortige bauliche Maßnahme, die verhindert, dass Autofahrer Durchfahrtsperren umkurven, wie dies etwa zwischen D1 und C1 ständig zu beobachten ist. Und wo das Passieren zur Kunststraße eigentlich nur Radfahrern erlaubt ist, quetschen sich dauernd Autos durch.

Verkehrsversuch Mannheim: Was kann die Stadt gegen Staus tun?

Auch die nervigen Staus in der Erbprinzen- sowie in der Konkordienstraße sind den Sozialdemokraten ein Dorn im Auge. Doch ob die Verwaltung dagegen ein Rezept hat?

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Doch auch die Kommunikation der Stadt zu dem gesamten Projekt wird angeprangert: So müssten die verbesserte Aufenthaltsqualität in der City und die Erreichbarkeit der dortigen Parkhäuser laut Antrag viel besser beworben werden. Wer mit dem Auto dort jedoch erst gar nicht hin wolle, müsse bereits an der Stadtgrenze über Umfahrungsmöglichkeiten in Kenntnis gesetzt werden. (PM/pek)

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