Hygieneskandal

Rücktritt! Klinik-Chef zieht Konsequenz

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Zieht mit seinem Rücktritt die Konsequenzen aus dem Hygieneskandal: Klinikchef Alfred Dänzer.

Mannheim - Personelle Konsequenz aus Hygieneskandal: Der Geschäftsführer des Krankenhauses, Alfred Dänzer, ist am Mittwoch zurückgetreten.

Der Hygieneskandal um die Uniklinik Mannheim zieht weiter Kreise und hat erstmals auch eine personelle Konsequenz.

Bei einer Sondersitzung des Aufsichtsrats am Mittwochabend reichte Klinikchef Alfred Dänzer seinen Rücktritt ein. Dänzer ist seit 2009 Klinikchef in Mannheim und außerdem Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Oberbürgermeister Peter Kurz wird am Mittag über den weiteren Umgang des Klinikums mit dem Hygieneskandal berichten.

Durchsuchung durch Staatsanwaltschaft am Mittwoch

OB Peter Kurz (SPD, re.) und Ärztlicher Direktor Dr. Frederik Wenz verkünden offiziell den Rücktritt des Klinik-Chefs Alfred Dänzer.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch Krankenhausräume durchsuchen lassen, um Unterlagen sicherzustellen (MANNHEIM24 berichtete). Die Beamten hatten kistenweise mögliches Beweismaterial aus der Klinik geschleppt. Patienten und Mitarbeiter sind verunsichert.

>>> Staatsanwaltschaft durchsucht Uniklinik

Das OP-Programm ist schon seit knapp zwei Wochen drastisch zurückgefahren: Gut 20 Eingriffe pro Tag gab es zuletzt, statt sonst rund 60. 

Krankenhaus-Mitarbeiter sollen schon seit längerem auf Probleme hingewiesen haben. Vor allem bei der Sterilisation seien in einem Programm für anonyme Beschwerden seit mehr als zwei Jahren Defizite vermerkt. Ob die Ursachen für die Mängel in Sparzwängen liegen, darüber wird heftig gestritten.

Doch damit ist die Affäre nicht ausgestanden - es bleibt die Frage nach den Ursachen. Ist Mannheim ein Einzelfall?

Sparen und Hygiene - ein generelles Problem in der Kliniklandschaft

Der Haupteingang des Uniklinikums Mannheim.

Christian Brandt vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene in Frankfurt am Main sieht ein generelles Problem in der deutschen Kliniklandschaft: „Auf der einen Seite wollen und müssen im Gesundheitswesen alle immer Geld sparen“, sagt er. „Auf der anderen Seite wird die Aufbereitung des OP-Bestecks immer komplexer. Da hat der Gesetzgeber in den letzten 10, 15 Jahren die Schrauben stark angezogen.“ Mitarbeiter in der Sterilisation müssten sehr gut geschult sein und wissen, was sie mit den blutverschmierten Geräten tun. Wie die Mannheimer Klinik eingestand, waren nicht alle Reinigungsleute ausreichend geschult.

Ins gleiche Horn bläst auch der Bereichsleiter Betriebs- und Branchenpolitik der Gewerkschaft Verdi, Niko Stumpfögger. Hygieneprobleme an Krankenhäusern seien keine Seltenheit, allerdings betreffe das meist nicht den OP: „Im OP-Bereich wird noch am ehesten geguckt, dass die Reinigungsqualität eingehalten wird, weil es dort so besonders wichtig ist.“ Es gebe an Krankenhäusern aber einen Trend, die Reinigung auszulagern, um Geld zu sparen. „Dann sind unterschiedliche Firmen im OP unterwegs.“ Der Kostendruck an deutschen Kliniken sei enorm, die Lage sehr angespannt.

Reinigung von OP-Besteck durch angelernte Kräfte

Experte Brand verweist darauf, dass Krankenhäuser es sich nicht mehr leisten können, für die Reinigung von OP-Besteck Krankenpfleger abzustellen. Den Job übernehmen jetzt in der Regel angelernte Kräfte. „Da wird der Mindestlohn des Reinigungsgewerbes gezahlt, knapp zehn Euro.“ Früher hätten oft noch besserbezahlte Krankenschwestern die Reinigung übernommen. „Es ist sicherlich schwierig, für wenig Geld gute Leute zu finden“, stellt Brandt fest.

Nirgendwo funktioniere alles hundertprozentig - gerade deshalb sei eine gute Kommunikation zwischen Medizinern und Reinigungskräften wichtig. Daran scheint es in Mannheim gemangelt zu haben, wie interne Beschwerden nahelegen, aus denen „Spiegel Online“ zitiert. Schon Anfang 2014 soll man sich beispielsweise über eine tote Fliege im OP-Besteck ausgelassen haben!

dpa/lsw/rmx

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