Anlaufstelle für Alkohol- oder Drogenabhängige

„Trinkertreff“ im Jungbusch eröffnet – Stadt Mannheim zahlt über 400.000 Euro jährlich

Mannheim – Am 25. August hat der Trinkerraum in der Akademiestraße im Jungbusch Eröffnung gefeiert. Hier will die Caritas und der Drogenverein Beratungsgespräche anbieten.

  • In 2016 beschließt der Mannheimer Gemeinderat den Betrieb eines „Trinkerraums“ in der Stadt.
  • Im August 2020 öffnet der Trinkerraum nun in der Akademiestraße im Mannheimer Jungbusch.
  • Der Trinkerraum wird vom Drogenverein und von der Caritas betrieben und soll als zentrale Anlaufstelle für Trinker dienen.

Update vom 25. August: Mannheim hat jetzt einen Aufenthaltsraum für Menschen mit einer Alkohol- oder Drogenabhängigkeit: Am Dienstag (25. August) haben der Caritasverband, der Drogenverein und die Stadt Mannheim das Café Anker im Jungbusch eröffnet. In dem sogenannten alkoholakzeptierenden Aufenthaltsort – umgangssprachlich oft als „Trinkertreff“ bezeichnet – ist der Konsum von Bier und Wein erlaubt. Neben dem Aufenthalt werden Beratungsgespräche und weitere Unterstützung angeboten.
 
Ich freue mich sehr, dass wir mit der heutigen Eröffnung des Café Anker nun am Ende eines langen und durchaus von Kontroversen begleiteten Prozesses angekommen sind“, sagt Bürgermeister Dirk Grunert. „In der nun beginnenden zweijährigen Modellphase wollen wir für Menschen mit problematischem Alkohol- und Drogenkonsum im öffentlichen Raum einen direkten Zugang zum Suchthilfesystem schaffen und ihnen gleichzeitig einen Aufenthaltsort nach ihren Bedürfnissen bieten. Mit diesem Angebot gelingt es gleichermaßen, bedarfsorientierte Hilfsangebote zu machen als auch dem Bedürfnis von Kindern und Jugendlichen, Bürgerschaft, Gästen, aber auch den berechtigten Interessen von Einzelhandel und Wirtschaft nach gutem Sicherheitsempfinden im öffentlichen Raum Rechnung zu tragen.“ Die Stadt Mannheim fördert das Projekt mit 414.000 Euro jährlich.

Mannheim: „Trinkerraum“ im Jungbusch – Café Anker lädt zur Eröffnung

Update vom 17. August: Die Trägerschaft lädt am 25. August zur offiziellen Eröffnung des Café Anker. Die Veranstaltung beginnt um 14 Uhr im Café Anker in der Akademiestraße. Der Gesundheitsbürgermeister der Stadt Mannheim, Dirk Grunert, die Vorstandsvorsitzende des Caritasverbandes Mannheim e.V., Regina Hertlein, und der Vorstandsvorsitzende des Drogenvereins Mannheim e.V., Günter Urbanczyk, werden die Räumlichkeiten offiziell ihrer Bestimmung übergeben.

Im Anschluss besteht die Möglichkeit zur Besichtigung der Einrichtung und zum Austausch im Garten des Café Anker.

Das Team des Café Anker.

Das Café soll eine Rückzugsmöglichkeit für alkohol- und drogenabhängige Menschen bieten. Die Träger sind der Caritasverband Mannheim e. V. und der Drogenverein Mannheim e. V..

Update vom 12. August: Seit Montag (10. August) ist der Trinkerraum geöffnet. Hier können die Besucher Kaffee, Wasser und anderes zum Selbstkostenpreis kaufen und Wein trinken. Das Café Anker in der Akademiestraße bietet im Außenbereich Platz für 10 Personen, im Inneren müssen die Hygienevorschriften eingehalten werden. Für die nächsten zwei Jahre ist der Trinkertreff geöffnet, danach soll eine Bilanz gezogen werden. Eine offizielle Vorstellung mit Bürgermeister Dirk Gunert findet am 25. August um 14 Uhr statt. Das berichtet der Mannheimer Morgen.

„Trinkerraum" in Mannheim öffnet noch im August

Meldung vom 12. Juni: Ob am Paradeplatz, im Lameygarten oder am Bahnhof: Die Mannheimer Trinkerszene trifft sich vielerorts und verärgert Anwohner, Ladenbesitzer und Restaurantbetreiber. Nicht alle haben ein Dach über dem Kopf und sind Obdachlos, überschuldet und schwerst suchtkrank. Daher entschied der Mannheimer Gemeinderat schon in 2016 einen sogenannten „Trinkerraum" einzurichten, um Trinkern eine zentrale Anlaufstelle zu bieten, wo sie Beratung und Hilfe finden würden.

Eigentlich sollte der Trinkerraum in der Akademiestraße im Mannheimer Jungbusch in Mai 2020 öffnen; allerdings machte auch hier die Corona-Krise keinen Halt und die Eröffnung verzögert sich. Nun soll das „Café Anker", so wird das Projekt genannt, im August öffnen. Die Caritas und der Drogenverein Mannheim betreiben das Café Anker, wo Trinker Alkohol konsumieren dürfen, aber ihnen auch geholfen werden kann.

Trinkerraum im Mannheimer Jungbusch

Vier Jahre lang ist der Trinkerraum in Mannheim in Planung, da die Suche nach einem geeigneten Standort viel Zeit in Anspruch nahm. Anfangs wollten die Kommunalpolitiker den Trinkerraum unbedingt in der Innenstadt einrichten, da sie befürchteten, dass Trinker einen abgelegenen Standort nicht wahrnehmen würden. Schon früh war das Gelände in der Akademiestraße im Jungbusch im Gespräch; doch CDU und Mannheimer Liste stimmten damals im Gemeinderat dagegen, weil es ihnen nicht zentral genug war.

Im April 2019 dämmerte es dann auch bei den letzten Kommunalpolitikern, dass der Standort im Jungbusch die einzige praktikable Option war, und so wurde der Bau des „alkoholakzeptierenden Aufenthaltsraums für die Trinker- und Drogenszene“ in der Akademiestraße mit großer Mehrheit beschlossen. Ein Jahr dauerte es die Container des Trinkerraums im Jungbusch aufzustellen, die jetzt unter der Straße nach Ludwigshafen stehen. „Wir erwarten, dass durch das Angebot nun ein alternativer Aufenthaltsort für die Trinker- und Drogenszene geschaffen wird, an dem Alkoholkonsum toleriert wird, ein direkter Zugang zum Suchthilfesystem gegeben ist und durch dessen Existenz gleichzeitig die belasteten Bereiche in der Innenstadt entlastet werden“, erläuterte damals in 2019 die Gesundheitsbürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb.

Das „Café Anker“ im Mannheimer Jungbusch soll im August öffnen.

Wie der Drogenverein Mannheim auf ihrer Webseite erklärt, ist der Trinkerraum in Mannheim ein „niedrigschwelliges Hilfeangebot für Suchtmittelabhängige in dem Alkoholkonsum toleriert wird und ein direkter Zugang zum Suchthilfesystem gegeben ist.“ Grundsätzlich setzt die Suchtforschung auch immer mehr auf Therapien, die keine Abstinenz voraussetzen. Vielmehr sollen Gefahren gemindert und so die Personen besser geschützt werden. Viele Suchtkranke würden nämlich keine Hilfsangebote aufsuchen, wenn lebenslange Abstinenz die einzige Option sei.

Seit Jahren strömen jedes Wochenende tausende Nachtschwärmer in das Ausgehviertel im Jungbusch. Selbst die coronabedingte Schließung von Bars und Clubs hindert sie nicht daran. Kippt jetzt die Partystimmung im Kiez? mw

Rubriklistenbild: © MANNHEIM24/Michael Watson

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