„Café Anker“

„Trinkerraum“ im Mannheimer Jungbusch öffnet im August

Mannheim - Im August soll der Trinkerraum in der Akademiestraße im Jungbusch öffnen. Hier will die Caritas und der Drogenverein Beratungsgespräche anbieten.

  • In 2016 beschließt der Mannheimer Gemeinderat den Betrieb eines „Trinkerraums“ in der Stadt.
  • Im August 2020 soll der Trinkerraum nun in der Akademiestraße im Mannheimer Jungbusch öffnen.
  • Der Trinkerraum wird vom Drogenverein und von der Caritas betrieben und soll als zentrale Anlaufstelle für Trinker dienen.

Ob am Paradeplatz, im Lameygarten oder am Bahnhof: Die Mannheimer Trinkerszene trifft sich vielerorts und verärgert Anwohner, Ladenbesitzer und Restaurantbetreiber. Nicht alle haben ein Dach über dem Kopf und sind Obdachlos, überschuldet und schwerst suchtkrank. Daher entschied der Mannheimer Gemeinderat schon in 2016 einen sogenannten „Trinkerraum" einzurichten, um Trinkern eine zentrale Anlaufstelle zu bieten, wo sie Beratung und Hilfe finden würden.

Eigentlich sollte der Trinkerraum in der Akademiestraße im Mannheimer Jungbusch in Mai 2020 öffnen; allerdings machte auch hier die Corona-Krise keinen Halt und die Eröffnung verzögert sich. Nun soll das „Café Anker", so wird das Projekt genannt, im August öffnen. Die Caritas und der Drogenverein Mannheim betreiben das Café Anker, wo Trinker Alkohol konsumieren dürfen, aber ihnen auch geholfen werden kann.

Trinkerraum im Mannheimer Jungbusch

Vier Jahre lang ist der Trinkerraum in Mannheim in Planung, da die Suche nach einem geeigneten Standort viel Zeit in Anspruch nahm. Anfangs wollten die Kommunalpolitiker den Trinkerraum unbedingt in der Innenstadt einrichten, da sie befürchteten, dass Trinker einen abgelegenen Standort nicht wahrnehmen würden. Schon früh war das Gelände in der Akademiestraße im Jungbusch im Gespräch; doch CDU und Mannheimer Liste stimmten damals im Gemeinderat dagegen, weil es ihnen nicht zentral genug war.

Im April 2019 dämmerte es dann auch bei den letzten Kommunalpolitikern, dass der Standort im Jungbusch die einzige praktikable Option war, und so wurde der Bau des „alkoholakzeptierenden Aufenthaltsraums für die Trinker- und Drogenszene“ in der Akademiestraße mit großer Mehrheit beschlossen. Ein Jahr dauerte es die Container des Trinkerraums im Jungbusch aufzustellen, die jetzt unter der Straße nach Ludwigshafen stehen. „Wir erwarten, dass durch das Angebot nun ein alternativer Aufenthaltsort für die Trinker- und Drogenszene geschaffen wird, an dem Alkoholkonsum toleriert wird, ein direkter Zugang zum Suchthilfesystem gegeben ist und durch dessen Existenz gleichzeitig die belasteten Bereiche in der Innenstadt entlastet werden“, erläuterte damals in 2019 die Gesundheitsbürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb.

Das „Café Anker“ im Mannheimer Jungbusch soll im August öffnen.

Wie der Drogenverein Mannheim auf ihrer Webseite erklärt, ist der Trinkerraum in Mannheim ein „niedrigschwelliges Hilfeangebot für Suchtmittelabhängige in dem Alkoholkonsum toleriert wird und ein direkter Zugang zum Suchthilfesystem gegeben ist.“ Grundsätzlich setzt die Suchtforschung auch immer mehr auf Therapien, die keine Abstinenz voraussetzen. Vielmehr sollen Gefahren gemindert und so die Personen besser geschützt werden. Viele Suchtkranke würden nämlich keine Hilfsangebote aufsuchen, wenn lebenslange Abstinenz die einzige Option sei.

mw

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