Gewalt vor jüdischen Gotteshäusern in Deutschland

Synagoge in Mannheim: Unbekannte schlagen Scheibe ein – Stadt und Politik verurteilen Tat

Jüdische Synagoge in Mannheim (Archiv)
+
Die jüdische Synagoge in Mannheim (Archivfoto)

Mannheim - Unbekannte beschädigen in der Nacht zum Donnerstag die Synagoge in Mannheim. Die Polizei hat die Schutzmaßnahmen erhöht, die Stadt verurteilt die Tat scharf.

Nach Angriffen auf Synagogen in Deutschland haben die Sicherheitsbehörden in Baden-Württemberg mit erhöhter Wachsamkeit reagiert. Laut Innenministerium gab es zwar zunächst keine Erkenntnisse über eine konkrete Gefahr für jüdische Gotteshäuser oder andere Einrichtungen. Dennoch seien die für den Objektschutz eingesetzten Kräfte sensibilisiert worden und man habe die Sicherheitsvorkehrungen an „relevanten Örtlichkeiten“ angepasst. Auch das Polizeipräsidium Mannheim führt wegen der aktuellen Lage einen intensiveren Objektschutz an jüdischen Einrichtungen durch.

Mannheim: Sachbeschädigung an Synagoge – Polizei verstärkt Schutzmaßnahmen

Während eines Kontrollgangs am frühen Donnerstagmorgen, gegen 0:15 Uhr, vernehmen Polizeistreifen an der Synagoge in Mannheim einen dumpfen Schlag an der Rückseite des Gebäudes. Es stellt sich heraus, dass ein Unbekannter die Scheibe eines Fensters mit einem stumpfen Gegenstand eingeschlagen hat. Bei der anschließenden Fahndung können die Polizisten einen Zeugen aufgreifen, der angibt, die Tat beobachtet zu haben. Dieser erklärt, dass er einen etwa 20 Jahre alten Täter mit schwarzen Locken und einer Jogginghose mit weißen Streifen gesehen habe.

Nach der Sachbeschädigung an der Synagoge in Mannheim hat der Staatsschutz des Polizeipräsidiums Mannheim die Ermittlungen aufgenommen. Die Rolle des angetroffenen Zeugen werde ebenfalls weiter überprüft, teilen die Beamten am Donnerstag mit. „Wir ermitteln mit Hochdruck und stehen in engem und vertrauensvollen Austausch mit der Jüdischen Gemeinde Mannheim. Aufgrund des Vorfalls haben wir die bereits intensivierten Schutzmaßnahmen noch einmal angepasst und die Präsenzmaßnahmen rund um die jüdischen Einrichtungen im Präsidialbereich weiter verstärkt“, so Polizeividepräsident Siegfried Kollmar am Donnerstag. Zeugen der Tat sollen sich unter 0621 174-4444 bei der Kriminalpolizei melden.

Mannheim: Nach Beschädigung an Synagoge – Stadt und Politik verurteilen Tat scharf

Nach der Eskalation des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern gab es in Deutschland bereits mehrere Vorfälle an jüdischen Gotteshäusern. Vor Synagogen in Nordrhein-Westfalen wurden israelische Flaggen angezündet. Außerdem wurde der Eingang eines Gebäudes mit Steinen beschädigt.

Nach der Beschädigung an der Synagoge in Mannheim hat sich auch die Stadt mit einer Stellungnahme geäußert. „Wir verurteilen die Sachbeschädigung an der Mannheimer Synagoge und damit die Beschädigung eines Gotteshaus auf das Schärfste. Unsere Stadt steht für das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Religionen, den interreligiösen Dialog und die interkulturelle Verständigung. Unsere Solidarität gilt der Jüdischen Gemeinde und ihren Mitgliedern. Eine Übertragung von äußeren Konflikten in unsere Stadt darf es nicht geben“, erklärt Erster Bürgermeister Christian Specht in einer Mitteilung vom Donnerstagnachmittag.

„In unserer Stadt ist kein Platz für Antisemitismus, egal aus welcher Richtung er kommt. Wir werden nicht hinnehmen, dass Konflikte im Nahen Osten auf deutschem Boden zu Lasten unserer Mitbürger jüdischen Glaubens ausgetragen werden“, warnt der Mannheimer SPD-Abgeordnete Dr. Boris Weirauch vor einer Eskalation der Gewalt und fordert ein hartes Vorgehen der Strafverfolgungsbehörden. Auch Stefan Fulst-Blei, Vorsitzender der SPD Mannheim und Thorsten Riehle, Fraktionsvorsitzender der SPD im Gemeinderat bezeichnen die Beschädigung an der Synagoge als Anschlag – und verurteilen die Tat ebenfalls scharf. „Mannheim zeigt in besondere Weise, wie Vielfalt unsere Gesellschaft bereichert. Juden, Muslime, Christen, Atheisten - wir alle sind Mannheim. Ein Anschlag auf unsere Synagoge ist deshalb ein Anschlag auf uns alle. Die Mannheimer SPD sowie die SPD im Mannheimer Gemeinderat verurteilen die Tat und stellen sich solidarisch an die Seite unserer jüdischen Freundinnen und Freunde.“

„Die Staatengemeinschaft kann und darf nicht akzeptieren, dass eine terroristische Organisationen wie die Hamas erneut den Nahostkonflikt mit Raketenangriffen auf Städte in Israel anschüren. Sie muss auch gegen die Geldgeber Drahtzieher des Konflikts vor Ort aber auch in anderen Ländern vorgehen. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten allen Opfern und ihren Familien. Unsere politische Unterstützung gilt dem israelischen Staat, dessen Integrität gewahrt werden muss. Das Recht des israelischen Staates, sich gegen Raketenbeschuss und andere Formen von Gewalt gegen seine Zivilbevölkerung zur Wehr zu setzen, erkennen wir absolut an. Den Bürgerinnen und Bürgern unserer Partnerstadt Haifa, die aktuell in Angst leben müssen, gilt unsere Solidarität in dieser schwierigen Zeit“, erklärt der Vorsitzende der CDU-Gemeinderatsfraktion Claudius Kranz.

„Den Angriff auf die Synagoge in Mannheim verurteilen wir scharf. Ein Übergreifen des Konflikts nach Mannheim kann nicht hingenommen werden. Hier muss mit aller Deutlichkeit und mit allen rechtlichen Möglichkeiten hart durchgegriffen werden, da ein solches Handeln auch den Grundsätzen der Mannheimer Erklärung widerspricht, die alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen unterzeichnet haben“, sagt Kranz abschließend. (kab/pm)

Das könnte Dich auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare