25-jährige Bandgeschichte

Die Söhne Mannheims: Geschichte, Mitglieder, Alben und Kontroversen der Band um Xavier Naidoo

Die Söhne Mannheims: Die Band um Sänger Xavier Naidoo besteht seit 25 Jahren und erfreut sich großer Beliebtheit in ganz Deutschland.

Die Söhne Mannheims sind der musikalische Exportschlager der Quadratestadt. Klar, da gibt es noch Joy Flemming oder Alice Merton; aber an die Verkaufszahlen und an die Reichweite der Söhne Mannheims kommt bisher noch keiner ran. Doch es ist nicht nur ihre Musik, die die Söhne Mannheims über die Stadtgrenzen hinaus bekannt macht. Mit ihren Liedtexten und Aussagen einzelner Mitglieder sorgen die Söhne Mannheims um Xavier Naidoo immer wieder für Schlagzeilen und auch für Kopfschütteln in Deutschland. Und dabei geht es um schwerwiegende Anschuldigungen: Kritiker werfen den Söhnen Mannheims vor, antisemitisches, homophobes und rassistisches Gedankengut in ihren Songs poppig zu verpacken und Salonfähig zu machen. Besonders der Frontsänger und wohl berühmtester Sohn Mannheims, Xavier Naidoo, hat eine besondere Begabung mit fragwürdigen politischen Statements für Empörung zu sorgen. Naidoo stand schon mehrfach deswegen vor Gericht und beteuert immer wieder, er sei kein Rassist und auch kein Antisemit. Seine Auftritte bei den Reichsbürgern und viele seiner Songtexte lassen allerdings viele daran zweifeln, ob er wirklich nur der missverstandene „kleine Sänger aus Mannheim“ ist oder ob er tatsächlich mit kryptischen Botschaften rechtspopulistische Verschwörungstheorien verbreitet.

Anfänge der Söhne Mannheims

Von der politischen Gesinnung der Söhne Mannheims abgesehen ist der Erfolg der Band unumstritten. Zwar konnte die Band nie an die Verkaufszahlen und Auszeichnungen Xavier Naidoos Soloprojekte anknüpfen, doch auch die Söhne Mannheims konnten etliche Chart-Erfolge verbuchen und auch den ein oder anderen Preis gewinnen. Bis dahin war der Weg allerdings „steinig und schwer“: In 1995 gründeten Xavier Naidoo, Claus Eisenmann, Billy Davis und Michael Herberger die Söhne Mannheims. Doch bis zur ersten Single vergingen noch knapp fünf Jahre, zahlreiche verschwitzte Konzerte und auch einige Änderungen in der Bandkonstellation. Mit „Wir haben euch noch nichts getan“ veröffentlichten die Söhne Mannheims ihre erste Single, mit der sie den Sprung in die Charts knapp verpasste. Die zweite Single, „Geh davon aus“, war da durchaus erfolgreicher und kletterte im Jahr 2000 auf Platz 2 der Charts. Einige Wochen später kam dann das Albumdebüt der Söhne Mannheims: Am 27. November 2000 wird „Zion“ veröffentlicht, was sich direkt in den Charts behaupten konnte und mit Platin ausgezeichnet wurde. Schon bei der ersten Platte der Söhne Mannheims ist ihr eigener Stil unüberhörbar: Eine Mischung aus Hip Hop, Reaggae und Soul mit ohrwurmtauglichen Hooks, die von Ausnahmesänger Xavier Naidoo zum Besten gegeben werden. Die Band kann die verschiedenen Musikrichtungen zu einem massenkompatiblen aber dennoch authentischen Pop verweben, der sich großer Beliebtheit erfreut. Doch schon bei „Zion“ werden die ersten Hörer bei mancher Texte stutzig, wenn es bei „Armageddon“ plötzlich heißt: „Ich kack auf die falschen Lehrer, Die scheiß Gottverzehrer, Ich schicke sie zum Scherer der Schlachtbank“

Späteren Jahre der Söhne Mannheims

Als bekennende Christen machten die Söhne Mannheims nie ein Geheimnis aus ihrer religiösen Zugehörigkeit, doch die gewaltverherrlichende und apokalyptische Rhetorik vieler Songs stießen schon zu Anfangszeiten auf Kritik. Doch das musikalische Talent der jungen Band aus Mannheim ließen viele über die merkwürdigen Textpassagen hinwegsehen. Mit ihrem zweiten Studioalbum „Noiz“ sprangen die Söhne Mannheims in 2004 direkt auf Platz 1 der deutschen Albumcharts. Im deutschsprachigen Raum bekam „Noiz“ 6-fach Platin, was nicht zuletzt dem ganz großen Hit „Und wenn ein Lied“ zu verdanken ist. Der schnulzig-schöne Pop-Song lief in Dauerschleife bei vielen Radiosendern Deutschlands und machte die Söhne Mannheims und die soulige Stimme Xavier Naidoos in ganz Deutschland bekannt. Gleichzeitig läutete er ein neues Zeitalter der Band ein. Mit ihrem Lied „Das hat die Welt noch nicht gesehen“ auf dem MTV-Unplugged-Album „Wettsingen in Schwetzingen“, sprang die Band wieder auf Platz 1 der Single-Charts. Doch die Truppe ruhte sich nicht auf ihren Erfolg aus und arbeitete weiterhin fleißig im Tonstudio. In 2009 kam dann das dritte Studioalbum „IZ ON“, was Platz 3 der deutschen Albumcharts erreichte. Nur zwei Jahre später dann der nächste große Paukenschlag: „Barrikaden von Eden“, das vierte Album der Söhne Mannheims, stieg direkt nach Veröffentlichung auf Platz 2 der Charts ein und brachte Lieder, wie „Freiheit“ oder „Für dich“. Doch die kreative Blütezeit der Söhne Mannheims ebbte nach den Erfolgen in den frühen 2000ern. Weitere Singles, wie „Gesucht & Gefunden“ schafften es nur auf Platz 51 der Charts und auch das fünfte Studioalbum „ElyZion“ aus dem Jahr 2014 konnte auch nicht an die Erfolge der Anfangsjahre anknüpfen. Ein Jahr später, in 2015, kam dann das Best-Of-Album „EvoluZion – 20 Jahre“ und schaffte es immerhin auf Platz 7 der Charts. Ihr letztes Album „MannHeim“ kam 2017 auf den Markt und sorgte mit dem Song „Marionetten“ für Kontroversen und Schlagzeilen. 

Die Söhne Mannheims: Mitglieder der Band


Die Söhne Mannheims haben eine hohe Fluktuation an Mitgliedern, was die erfrischende Durchmischung von Genres erklärt. Soul, Jazz, Hip Hop, Rock – die Musiker bei Söhne Mannheims sind Künstler, die ihr Handwerk verstehen. An der Zahl waren es bisher 26 Mitglieder, die über die Jahre kamen und gingen. Die aktuelle Besetzung umfasst diese 15 Musiker: Xavier Naidoo (Gesang), Michael Klimas (Gesang), Henning Wehland (Gesang), Tino Oac (Gesang), Dominic Sanz (Gesang), Claus Eisenmann (Gesang), Rolf Stahlhofen (Gesang), Edward Maclean (Bass), Andreas Bayless (Gitarre), Kosho (Gitarre), Michael Herberger (Keyboard), Florian Sitzmann (Keyboard), Marlon B. (Rap), Metaphysics (Rap), Billy Davis (DJ).

Die Söhne Mannheims: Kontroversen 

Doch es sind nicht nur die musikalischen Fertigkeiten, die die Söhne Mannheims über die Stadtgrenzen hinaus bekannt machen. Mehrere Texte und Aussagen verschiedener Mitglieder sorgten in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen und Kontroversen. Treibende Kraft und berühmtester Sohn Mannheims, Xavier Naidoo, sorgt diesbezüglich immer wieder für Aufruhr. Kritiker sind sich einig, dass Naidoo Verschwörungstheorien, Demokratiefeindlichkeit, Nationalismus, Antiamerikanismus und Antikapitalismus verbreitet und so den Rechtspopulismus in Deutschland stärkt. Andere gehen sogar so weit und bezichtigen Naidoo des Antisemitismus, Rassismus und Homophobie. In Interviews und sogar vor Gericht streitet er letzteres stets vehement ab; doch für eine Meinung steht er gerade: In einem Interview im öffentlich-rechtlichen Frühstücksfernsehen antwortete Xavier Naidoo auf die Frage, ob er sich denn frei fühle in Deutschland: „Nein, wir sind nicht frei, wir sind noch immer ein besetztes Land.“ Damit greift Naidoo, der auch eine TV-Karriere hinlegt, die verschwörungstheoretische Ansätze der sogenannten Reichsbürger auf, die behaupten Deutschland sei eine Amerikageführte GmbH und kein Staat.

mw

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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