Vom Lachen, das im Halse stecken blieb

Kontroverser Regisseur zu Besuch im Cineplex

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Uwe Boll zu Gast beim Flimmertalk im Cineplex

Dr. Uwe Boll – einer der streitbarsten Regisseure der Gegenwart – war zu Gast im Mannheimer Cineplex, um im Rahmen der Flimmermenschen-Akademie einen Vortrag über sein bisheriges Schaffen zu halten.

Nein, den Vorwurf, dass er nicht von sich Reden machen würde, kann man Dr. Uwe Boll wahrlich nicht machen. Und mit mehr als 30 Kinofilmen ist der 49-jährige Regisseur, Produzent und Drehbuchautor in Personalunion auch weitaus produktiver als seine Konkurrenz. Doch dass Masse nicht gleich Klasse ist, beweist niemand so gut wie der Mann aus Wermelskirchen (NRW).

Im Internet kursiert sogar eine Petition, die bisher 355.000 Menschen unterschrieben haben. Die Forderung: Uwe Boll soll nie wieder Filme drehen! Mit sich selbst als größten Fan seiner Filme kann er mit der weit verbreiteten Meinung, dass er der schlechteste Regisseur der Gegenwart ist, selbstverständlich wenig anfangen. 

Verhasster Regisseur, geschätzter Produzent

Und tatsächlich: Zahlreiche Stars wie Ben Kingsley, John Malkovich oder auch Til Schweiger spielten in seinen Filmen mit. Das verschont Boll natürlich nicht vor Kritiken. Aber Uwe Boll wäre nicht er selbst, wenn er besonders schlechte Kritiken nicht zum Anlass nehmen würde, daraus Kapital zu schlagen. Im wahrsten Sinne des Wortes: 2006 lud er seine fünf größten Kritiker zu einem Boxkampf nach Vancouver (Kanada) ein und kämpfte im Ring!

Dabei wird oft der Filmemacher mit dem Produzenten über einen Kamm geschoren. Seine Filme erreichen weltweit Umsätze, die jenseits der Vorstellungskraft vieler deutscher Filme sind. Berühmt ist er vor allem mit seinen zahlreichen Leinwandadaptionen von Computerspielen wie "Alone in the Dark", "Far Cry" oder "House of the Dead" geworden. Was ihn aber vor allem auszeichnet ist die Tatsache, dass er seine Filme selbst produziert und finanziert. Unabhängig von den deutschen Fördersystemen schafft er es immer wieder, Budgets in Millionenhöhe auf die Beine zu stellen.

Ben Kingsley ist nicht Ghandi

Davon, dass Uwe Boll nicht nur in seinen Filmen kein Blatt vor den Mund nimmt, durften sich nun rund 100 Besucher des Flimmertalks im Cineplex überzeugen. Dort erzählte er munter über seinen Start ins Filmbusiness, wie er mit 60.000 Euro sein Erstlingswerk "German Fried Movie" drehte und wieso er dem deutschen Filmfördersystem den Rücken zugewendet und die ersten Schritte in Hollywood unternommen hat. Äußerst unterhaltsam die Anekdote, wie er beim Versuch, seinen ersten großen Film in Los Angeles zu produzieren, zufällig Mickey Rourke ("9 1/2 Wochen") in einem Restaurant traf und ihm – als völlig unbekannter Filmemacher – sein Drehbuch zusteckte, auch wenn es aufgrund der unvorstellbar hohen Gehaltsvorstellungen des zu dieser Zeit abgehalfterten Schauspielers nie zur Zusammenarbeit kam. Oder die Geschichte, wie Michael Madsen beim Dreh zu "BloodRayne" sturzbetrunken und revolverschwingend in den Trailor von Boll stolperte.

Doch dann redet sich Boll etwas in Rage und zieht über seine Schauspieler her. Ben Kingsley sei nicht Ghandi und nicht gerade "der Hellste", Michael Madsen ein "Alki" und Tara Reid "einfach nur scheiße". Und plötzlich verschmolz der Filmemacher mit dem Menschen Uwe Boll. Laut, provokant und ohne Gefühl für Subtilität. Als er im Zusammenhang mit seinem jüngsten Werk "Assault on Wall Street", bei dem ein Wachmann, der im Zuge der Finanzkrise alles verliert, Jagd auf Investmentbanker an der Wall Street macht, über die Absurdität dieser Krise spricht, blitz nun auch endgültig seine menschenverachtende Haltung durch, die ihm in vielen seiner Filme vorgeworfen wurde. Das Publikum lacht erst noch, als er darüber spricht, dass die Figur im Film das einzig Richtige tue. Dem ein oder anderen Zuschauer bleibt dann aber doch das Lachen im Halse stecken, als sie merken, wie ernst Boll es meint und anschließt, "dass man die ganzen Wichser über den Haufen schießen sollte". 

Herr Dr. Boll in Reinkultur. Ob man ihn liebt oder hasst: Das Publikum kam auf seine Kosten. Wenn nur seine Filme so unterhaltsam wären wie seine Vorträge ...

Bei "Flimmermenschen" handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein, der die Lücke zwischen medienpädagogischen Projekten und Filmhochschulen schließen will. Mit den Flimmertalks soll allen Filminteressierten die Möglichkeit geboten werden, hinter die Kulissen des Mediums Film zu blicken. Mehr dazu und zu kommenden Terminen findet ihr hier.

rob

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