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Mannheim: Todesfall am Marktplatz – Polizei spricht über erste Obduktionsergebnisse

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Von: Daniel Hagen

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Mannheim - Staatsanwaltschaft, LKA und Polizei geben neue Details zum Todesfall am Marktplatz bekannt. So gibt es erste Ergebnisse der Obduktion und Fragen um die Body-Cams der Beamten.

Seit Montag (2. Mai) befassen sich die Staatsanwaltschaft Mannheim und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit einem schrecklichen Vorfall am Marktplatz. Während einer Personenkontrolle in Mannheim bringen Beamte einen Psychiatrie-Patienten zu Boden und gehen dabei äußerst brutal vor. Kurz darauf kollabiert der 47-Jährige und stirbt später in einer Klinik.

StadtMannheim
BundeslandBaden-Württemberg
Fläche145 km²
Bevölkerung309.721 (31. Dez. 2020)
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz

Todesfall nach Kontrolle: Staatsanwaltschaft, LKA und Polizei Mannheim geben neue Details bekannt

Während die sozialen Medien mit Videos des Vorfalls und sogar der Reanimation des Patienten des Zentralinstituts für seelische Gesundheit (ZI) geflutete werden, ermitteln die Behörden, was genau vorgefallen ist. Eine Obduktion am Mittwoch (4. Mai) soll eine Antwort darauf bringen, wie der Mann gestorben ist. Gegen die beiden Polizisten – von denen einer in Videos mehrfach zuzuschlagen scheint – wird derzeit ebenfalls ermittelt.

Im Polizeipräsidium Mannheim geben der Leitende Oberstaatsanwalt Romeo Schüssler, Andreas Stenger, Präsident Landeskriminalamt Baden-Württemberg und der Mannheimer Polizeipräsident Siegfried Kollmar neue Details zu dem Vorfall bekannt.

Todesfall nach Polizeikontrolle in Mannheim: Dutzende Beweise werden ausgewertet

„Wir finden diese Schläge im Video sehr befremdlich“, erklärt der Leitende Oberstaatsanwalt Romeo Schüssler. Das, was man auf den in den sozialen Medien geteilten Videos sehe, sei aber nur ein kleiner Ausschnitt des kompletten Einsatzes gewesen. Um das Geschehene zu rekonstruieren, sollen in den nächsten Wochen rund 30 Zeugen befragt und etwa 70 Videos ausgewertet werden. Darunter auch von Kameras der Geschäfte.

Auffällig ist, dass die Body-Cams der beiden beschuldigten Polizisten den gesamten Einsatz über ausgeschaltet gewesen waren. Warum das so war, gehört laut LKA-Präsident Andreas Stenger ebenfalls zu den Ermittlungen. Zudem soll geklärt werden, wer ein Video aufgenommen hat, das in den sozialen Medien häufig geteilt wird. Dieses ist nämlich so geschnitten, dass wichtige Teile des Einsatzes fehlen.

Mannheim: Obduktion des Totes zeigt stumpfe Gewalteinwirkung

Nach ersten Ergebnissen der durchgeführten Obduktion sind am Körper des Verstorbenen zwar Spuren stumpfer Gewalt gefunden worden, diese seien aber nicht massiv. So gibt es zwar Hämatome und Schürfwunden, der Schädel und das Hirn seien aber nicht beschädigt worden. Mittlerweile ist auch bekannt, dass der 47-Jährige an einer Herzinsuffizienz litt. Die endgültigen Obduktionsergebnisse nach der Polizeikontrolle in Mannheim werde es aber erst in 6 bis 8 Wochen geben.

Bei der Pressekonferenz werden auch neue Details zu der Identität des Opfers bekannt gegeben. So handele es sich um einen Deutschen, der 1974 in Heidelberg geboren und 2017 eingebürgert wurde. Der 47-Jährige hat kroatische Wurzeln. Warum er in der Psychiatrie war und ob er dort auch Medikamente bekommen hat, ist bislang noch unklar.

Nach Polizeikontrolle in Mannheim: Beschuldigte Polizisten vom Dienst suspendiert

Doch auch über die beiden mittlerweile suspendierten Beamten der Polizei Mannheim erfährt man mehr. So soll es sich bei ihnen um Männer Mitte 20 handeln, die bereits seit mehreren Jahren tätig sind und sich in dieser Zeit nicht auffällig verhalten hätten. „In den Quadraten ist das Vertrauen verloren und es wird lange dauern, bis es wieder hergestellt ist“, bedauert Polizeipräsident Siegfried Kollmar.

Doch nicht nur gegen die beiden Beamten wird derzeit ermittelt. Wegen dem massiven Hass in den sozialen Medien sind auch rund 150 Maßnahmen eingeleitet worden. Auf einer Demo am Marktplatz seien sogar Wasserflaschen auf die anwesenden Polizisten geworfen worden. Denkt man an die Polizisten-Morde in Kusel Ende Januar zurück, kommt dabei ein mulmiges Gefühl auf. (dh/mad)

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