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Tödliche Einsätze in Mannheim: LKA-Sprecher über Ermittlungen in den eigenen Reihen

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Von: Fabienne Schimbeno

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Mannheim - Innerhalb von einer Woche sterben zwei Menschen nach Einsätzen der Polizei. Ermittlungen des LKA laufen. Ein Sprecher bezieht nun Stellung:

Es sind dunkle Ereignisse, die die Quadratestadt Mannheim in diesen Tagen überschatten: Innerhalb von nur einer Woche sterben zwei Menschen nach Einsätzen der Polizei. Die Vorfälle erzeugen ein mediales Echo: In der Innenstadt von Mannheim gehen Hunderte auf die Straße und demonstrieren gegen Polizeigewalt, auf Social Media fordern sie mehr Sensibilität im Umgang mit psychisch erkrankten Tätern.

Wie aber gehen Beamte mit solchen Fällen um? Ermitteln sie anders als sonst? Ein LKA-Sprecher gibt in einem Interview mit SWR Antwort auf diese Fragen:

StadtMannheim
BundeslandBaden-Württemberg
Einwohner309.721 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche145 km²
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)

Mannheim: Zwei tödliche Polizeieinsätze in kurzer Zeit – Mann stirbt in Klinik

Montag, 2. Mai: Es sind dramatische Szenen, die sich am Nachmittag auf dem Marktplatz in Mannheim abspielen. Zwei Polizisten fixieren einen Mann am Boden, auf Videos von Zeugen ist zu sehen, wie einer der beiden Beamten dem Betroffenen mehrfach mit der Faust ins Gesicht schlägt. Nur wenige Stunden später verstirbt der Mann in einer Klinik.

Polizeigewalt – ja oder nein? Das gilt es in den nächsten Tagen zu klären. Gegen die betreffenden Beamten im Fall des tödlichen Einsatzes am Marktplatz in Mannheim wurde bereits Anzeige erstattet. Ermittlungen des LKA laufen. Am Samstagabend (7. Mai) gehen hunderte Menschen in Mannheim auf die Straße, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren.

Demonstration gegen Polizeigewalt auf dem Mannheimer Marktplatz am 7. Mai 2022
Demonstration gegen Polizeigewalt in der Mannheimer Innenstadt © Marvin Rieß/Einsatz-Report24

Tödlicher Polizeieinsatz in Mannheim-Waldhof – LKA ermittelt

Mannheim, der 10. Mai 2022, nur wenige Tage nach dem tödlichen Einsatz am Marktplatz: Wieder werden Beamte zu einem Fall gerufen, diesmal betrifft es den Stadtteil Waldhof: Ein 31-jähriger Mann soll seine Mutter mit einem Messer bedroht haben, laut Zeugenaussagen waren Schreie aus der Wohnung zu hören.

Als die Beamten am Tatort ankommen, bedroht der Mann sich selbst und die Einsatzkräfte mit dem Messer. Weil er sich nicht zu beruhigen scheint, setzt einer der Polizisten einen Schuss in das Bein des 31-Jährigen ab. Der Mann verstirbt nach dem Polizeieinsatz in seiner Wohnung in Mannheim. In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft übernimmt das Landeskriminalamt Baden-Württemberg die weiteren Ermittlungen, insbesondere auch in Bezug auf den Schusswaffengebrauch der Beamten.

Im Stadtteil Mannheim-Waldhof verstirbt ein 31-Jähriger bei einem Polizeieinsatz.
Im Stadtteil Mannheim-Waldhof kommt ein 31-Jähriger bei einem Polizeieinsatz ums Leben. © MANNHEIM24/PR-Video/Priebe

„Gehen sehr feinfühlig vor“: LKA-Sprecher schildert Umgang mit Ermittlungen

In einem Interview mit dem Südwestrundfunk spricht LKA-Sprecher David Fritsch über den Umgang mit den Vorfällen der vergangenen Tage: „Aufgrund der aktuellen, besonders aufgeheizten Stimmung in Mannheim gehen wir natürlich sehr feinfühlig vor“, erklärt der Sprecher.

Letztendlich wolle man darlegen, wie sich der Fall zugetragen hat und den Medien ein entsprechendes Bild vermitteln. „Das Landeskriminalamt übernimmt alle Fälle, bei denen eine Person zu Tode kommt“, so David Fritsch. Schneller oder konkreter wolle man in den Fällen der tödlichen Polizeieinsätze auf Nachfrage des SWR jedoch nicht vorgehen.

Tödlicher Polizeieinsatz in Mannheim-Waldhof: Erste Obduktionsergebnisse liegen vor

Inzwischen liegen auch bereits die ersten Obduktionsergebnisse nach dem tödlichen Einsatz in Mannheim-Waldhof vor: Demnach soll die gezielte polizeiliche Schussabgabe in das Bein des 31-Jährigen nicht zum Tod des Mannes geführt haben.

„Nach dem Ergebnis der Rechtsmedizin ist der Tod auf Herz-Kreislauf-Versagen und hohen Blutverlust zurückzuführen“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Mannheim und des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg. Ergänzende Untersuchungen zur Absicherung der vorläufigen Obduktionsergebnisse wurden laut Mitteilung in Auftrag gegeben. (fas/pol)

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