Mannheims OB Kurz nimmt Abstand

Naidoo nach Berlin-Reden: "Bin nicht rechtsradikal!"

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Xavier Naidoo (43) am 3. Oktober bei einer Demo vor dem Berliner Kanzleramt.

Mannheim - Nach zwei umstrittenen Reden bei Demos in Berlin steht Sänger Xavier Naidoo (43) im Kreuzfeuer der Kritik. Jetzt äußert er sich erstmals – aber auch Mannheims OB Kurz:

Wird unser Soul-Poet Xavier Naidoo ("Dieser Weg") langsam zum verlorenen Sohn Mannheims?

Zumindest erhitzen seine ominösen Auftritte die Gemüter! Wie zuletzt am Tag der Deutschen Einheit unweit des Berliner Bundestags – bei der Demo "Sturm auf den Reichstag" vor 300 "Reichsbürgern" – und kurz danach vorm Kanzleramt.

Auch viele Fans sind verwundert und ratlos.

Am heutigen Dienstag äußerte sich der 43-Jährige in Ellmau (Österreich) anlässlich der Pressekonferenz zum Weihnachts-Special des riesigen TV-Erfolges "Sing meinen Song" erstmals zu den Vorkommnissen in der Hauptstadt.

"Ich möchte Stellung beziehen zu den Schlagzeilen in Deutschland und möchte meinen Kollegen danken, die sich selber vergewissert haben, dass ich weder homophob noch irgendwie rechtsradikal bin.  Ich habe selbst Morddrohungen aus der rechten Szene bekommen, als wir 'Rock gegen Rechts' gemacht haben", distanziert sich Naidoo deutlich von braunem Gedankengut.

Dann lässt der bekennende Christ mit einem Vergleich zu Jesus aufhorchen, der sein großes Vorbild sei: "Er ist auf alle Menschen zugegangen. Ich möchte ebenfalls auf Menschen zugehen, egal wo sie sind, egal wo sie herkommen. Ich möchte von Liebe, Frieden, Gerechtigkeit und meiner Überzeugung sprechen. Am Tag der deutschen Einheit war es eine tolle Möglichkeit."

Und genau dort verspürte Naidoo den Drang, seine Sorgen unters Volk zu bringen: "Ich forderte die Menschen auf, alles für den Frieden zu tun. Mir war natürlich bewusst, das ich kritisiert werden kann, wenn ich das mache, aber es ist für mich an der Zeit, einfach Stellung zu beziehen. Ich finde, wir sind an einem kritischen Punkt in Europa angekommen, und ich bin ganz klar gegen Krieg." 

Auffällig nur, dass unter den 300 Zuhörern in Berlin auch der dortige NPD-Chef Sebastian Schmidtke war.

Fraglich, ob Naidoo davon Kenntnis hatte. Schließlich sagte er in Berlin, er habe "keine Ahnung, wer hier steht, mir geht's nur um die Liebe".

Laut eigenen Angaben sei Naidoo rein zufällig mit dem Rad vorbeigekommen sei, habe dann spontan zum Mikrofon gegriffen: "Die Menschen haben mich, als ich im Publikum stand, angesprochen ob ich etwas sagen möchte und das habe ich getan." 

Das T-Shirt "Freiheit für Deutschland" hatte er dann wohl auch rein zufällig an...

Das Gepoltere aus Berlin ist natürlich auch längst in seiner Mannheimer Heimat angekommen – und im dortigen Rathaus.

Gegenüber dem Mannheimer Morgen äußerte sich jetzt auch OB Dr. Peter Kurz (SPD) kritisch, distanziert sich: "Ich bedauere diese Entwicklung sehr. Xavier Naidoo ist ein sozial und für die Stadt engagierter und kreativer Künstler. Er stellt sich mit seinen politischen Äußerungen ins Abseits und in die Nähe von Personen, wo er meines Erachtens nicht hingehört. Er vertritt im Einzelnen radikal libertäre, anti-staatliche Positionen, mit denen wir uns als Stadt in keiner Weise identifizieren können." 

Bleibt abzuwarten, ob jetzt nicht sogar Naidoos geplantes Projekt eines Medienparks auf den Mannheimer Konversionsflächen der Taylor-Barracks in Gefahr ist. "Wir müssen genau die Inhalte und die Partner dieser Projekte betrachten. Zu einer Bewertung möglicher Ergebnisse ist es viel zu früh. Aber natürlich ist das für uns ein Thema", so OB Kurz.

Hoffen wir, dass sich Xavier wieder auf seine Stärken besinnt – tiefsinnige Texte und tolle Musik...

pek

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