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Mannheim: Toter nach Polizeieinsatz am Marktplatz – noch kein Obduktionsergebnis

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Von: Marten Kopf

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Mannheim - Der Polizeieinsatz mit Todesfolge am Marktplatz: Auch Wochen danach liegt noch immer kein Obduktionsergebnis vor. Deshalb werden harte Vorwürfe im Netz laut:

Update vom 31. Mai: Harte Verschleierungsvorwürfe im Internet wegen des Todesfalls eines 47-jährigen Mannes nach einem Polizeieinsatz am Marktplatz. „Wir warten immer noch eine #Aufklärung am #Mord eines Zivilisten von Polizisten in Mannheim. Wird hier bewusst geschwiegen…“, schreibt ein User.

Toter nach Polizeieinsatz am Marktplatz: Obduktion zieht sich hin

Und fordert harte Konsequenzen: „der #Polizeichef soll dafür seinen Posten räumen. #Mannheim ist bekannt für #Polizeigewalt“

In einem Re-Tweet hat die Polizei Mannheim reagiert: „Die Ermittlungen führt hierzu das LKA, nicht wir selbst als Polizeipräsidium Mannheim. Wir können nur wiederholen: die finalen Obduktionsergebnisse werden noch mehrere Wochen dauern, die Ermittlungen laufen noch.“

Mannheim: Toter nach Polizeieinsatz – Gewerkschaft kritisiert Todesdrohungen im Netz

Update vom 17. Mai 2022: Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußert sich in einer Pressemeldung vom 17. Mai zu den Hassreden und Morddrohungen, denen die an dem Einsatz beteiligten Polizisten in den letzten Wochen ausgesetzt waren. „Bis zum Beweis des Gegenteils muss auch bei Polizisten die Unschuldsvermutung gelten“, sagt Thomas Mohr, Mannheimer GdP Bezirksgruppenvorsitzender und stellvertretender Landesvorsitzender.

Gewerkschaft kritisiert Morddrohungen gegen Beamte nach tödlichem Polizeieinsatz in Mannheim

„Als Berufsvertretung der Polizei werden wir niemanden vorverurteilen. In unserem Rechtssystem entscheidet über Schuld oder Unschuld weder die Polizeiführung, noch eine politische Gruppierung und schon gar nicht Menschen, die jede Gelegenheit dazu nutzen, die Polizei in ein schlechtes Licht zu rücken und eine nicht vorhandene Angst der Bevölkerung vor der Polizei versuchen herbeizureden“, wird Thomas Mohr weiter zitiert.

Die beiden Polizisten würden nun von Rechtsanwälten vertreten, die nicht nur die strafrechtliche bzw. disziplinarrechtliche Vertretung übernehmen, sondern auch gegen den Hass und die Hetze in den sozialen Medien vorgehen, heißt es weiter.

Mannheim: Nach tödlichem Polizeieinsatz – Ermittlungen wegen tausender Hasskommentare

Erstmeldung vom 16. Mai 2022: Der Tod eines 47-Jährigen im Anschluss an eine Polizeikontrolle am Marktplatz in Mannheim hat eine Flut von mehr als 10.000 Einträgen im Netz ausgelöst. Davon sind nach Polizeiangaben nicht wenige womöglich strafrechtlich relevant. Das Polizeipräsidium Mannheim registrierte 8.000 Beiträge – davon 150, die zur Anzeige gebracht werden. Grund: Hass, Hetze und Beleidigungen gegen die Beamten.

StadtMannheim (Baden-Württemberg)
Fläche145 km²
Bevölkerung309.721 (Stand: 31. Dezember 2020)
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)

Tödlicher Polizeieinsatz in Mannheim: Über 70 Videos zu sichten

Beim Landeskriminalamt (LKA) werte man laut einem Sprecher 3.500 Äußerungen im Netz aus, wie auch bw24 berichtet. Wie viele Strafverfahren wegen diffamierender Inhalte eingeleitet werden, sei noch nicht bekannt. Vorrang hätten die Ermittlungen gegen die zwei Beamten des Mannheimer Präsidiums wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt mit Todesfolge. Laut LKA haben sich die Männer zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert.

Mehr als 30 von 40 Zeugen seien bisher vernommen, zudem über 70 Videos gesichtet worden. Augenzeugen hatten im Anschluss an den Vorfall mitten auf dem belebten Mannheimer Marktplatz dramatische Szenen geschildert. Unter den aufgetauchten Videos sind auch solche, die zeigen sollen, wie einer der Beamten auf den Kopf eines am Boden liegenden Mannes schlägt.

Toter nach Polizeieinsatz am Marktplatz Mannheim: Todesursache weiterhin unklar

Die Todesursache des psychisch kranken Mannes ist noch unbekannt. Klarheit könnte eine feingewebliche Untersuchung bringen. Deren Ergebnis wird in vier bis acht Wochen erwartet. Zur Vielzahl der Kommentare sagte der Kommunikationswissenschaftler Stefan Jarolimek von der Deutschen Hochschule für Polizei in Münster: „Der Polizist ist in seiner Uniform sichtbarer und greifbarer als ein Politiker.“

Der Unmut gegen den Staat und die Corona-Einschränkungen habe sich auch in vermehrter Kritik an der Polizei im Netz manifestiert. Auch die aus den USA nach Deutschland übergeschwappte aggressive Stimmung nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz habe dazu beigetragen, dass die Polizei hierzulande in Misskredit geraten sei – obwohl Struktur und Ausbildung der Polizei nicht vergleichbar seien.

Hass gegen Beamte im Netz: Ton rauer geworden – auch in Mannheim

Außerdem verleite die Anonymität von Twitter und anderen Kanälen, seine Meinung einfach herauszuposaunen. Dabei sei der Ton überall rauer geworden. Die Beamten könnten in den sozialen Medien zwei Linien verfolgen: Manchmal sei der Weg, nicht weiter darauf einzugehen, um eine noch größere Verbreitung der beleidigenden Ausgangsposts zu vermeiden.

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In anderen Fällen könne es sinnvoll sein, dass eine Führungskraft auf die Kritik eingehe und das Prozedere der Ermittlungen transparent mache. Gar nicht mehr auf soziale Medien einzugehen, sei vergleichbar mit dem Rückzug der Polizei aus bestimmten Vierteln der Städte. Nirgendwo würden jedoch so viele Menschen erreicht, die auch bei Aufklärung und Fahndung sowie der Suche nach Vermissten helfen könnten.

Nach tödlichem Polizeieinsatz in Mannheim: Auf Falschmeldungen reagieren

Eine ähnlich hohe Zahl von polizeikritischen Mails habe es dem LKA zufolge bei den mutmaßlich von einem Wilderer abgegebenen tödlichen Schüssen auf eine junge Polizistin und ihren Kollegen in Kusel in Rheinland-Pfalz gegeben. Auch damals hatte die Polizei Rheinland-Pfalz eine Ermittlungsgruppe gegen Hasskommentare im Netz eingerichtet.

Wie wichtig die Beobachtung der sozialen Medien sei, habe sich im Mannheimer Fall gezeigt: So habe die Polizei auf Falschmeldungen reagieren können, dass es sich bei dem Toten um einen Türken handele. Sie informierte darüber, dass er kroatischer Herkunft sei. Damit seien viele türkische Bürger beruhigt worden, die den Fall für einen Beweis der von ihnen empfundenen Diskriminierung gehalten hätten. (mko/dpa)

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