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„Ergebnisse erschüttern“ – Politiker schockiert über tödlichen Polizeieinsatz in Mannheim

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Von: Marten Kopf

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Mannheim - Vier Monate nach dem Polizeieinsatz am Marktplatz, der für einen Mann (47) tödlich endete, steht die Todesursache fest. Die Staatsanwaltschaft prüft nun die weiteren Schritte:

Update vom 15. September, 13:04 Uhr: Nach der Veröffentlichung des von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenen Gutachtens, das auch die Erkenntnisse aus den feingeweblichen und chemisch-toxikologischen Untersuchungen beinhaltet, äußert sich der Mannheimer SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Boris Weirauch mit deutlichen Worten: „Die Ergebnisse der rechtsmedizinischen Untersuchung müssen erschüttern. Es ist in einem Rechtsstaat nicht hinnehmbar, dass Menschen bei Polizeikontrollen auf diese schreckliche Weise zu Tode kommen.“

Die Untersuchungsergebnisse würden jedoch auch zeigen, dass „die Staatsanwaltschaft diesen Fall sehr genau und unvoreingenommen prüft. Das zeichnet unseren Rechtsstaat aus“, hat der Justiziar der SPD-Landtagsfraktion nach wie vor volles Vertrauen in die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden.  

Toter nach Polizeieinsatz am Mannheimer Marktplatz – Todesursache steht fest

Erstmeldung vom 14. September: Am 2. Mai bittet ein Arzt des ZI die Polizei um Hilfe. Ein Patient sei verschwunden und brauche möglicherweise Hilfe. Zwei Beamte entdecken den Mann schließlich am Marktplatz in Mannheim, der aber widersetzt sich. Viele Menschen in Cafés und Restaurants in unmittelbarer Nähe beobachten den Vorfall.

Toter nach Polizeieinsatz am Marktplatz: Hunderte demonstrieren gegen Polizeigewalt

Der Versuch der Festnahme endet für den 47-jährigen ZI-Patienten tödlich. Der Fall entfacht eine bundesweite Diskussion um Polizeigewalt. Im Netz nämlich tauchen schon kurze Zeit später diverse Handy-Videos des Einsatzes in Mannheim auf. Die Szenen dort sind nicht schön anzusehen. So ist auf einem der Videos deutlich zu erkennen, wie einer der Beamten dem schon am Boden Liegenden mehrfach mit der Faust ins Gesicht schlägt.

Die beiden Beamten werden in der Folge vom Dienst suspendiert. Gegen die Mannheimer Polizisten wird wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt mit Todesfolge ermittelt. Am Ort des Geschehens versammeln sich später hunderte Menschen, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren.

Toter nach Polizeieinsatz am Marktplatz: „Nicht natürlicher Tod“

Gut vier Monate nach dem tödlichen Einsatz legt die Staatsanwaltschaft Mannheim den neuesten Stand der Ermittlungen dar. Insgesamt rund 70 Zeugen seien demnach bislang vernommen und 120 Videos gesichtet worden, anhand derer sich das Geschehen im Wesentlichen nachvollziehen lasse. Mittlerweile liege auch ein durch die Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenes Gutachten vor, das auch die Erkenntnisse aus den feingeweblichen und chemisch-toxikologischen Untersuchungen beinhaltet.

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Nach vorläufiger Bewertung in dem Gutachten liege ein „nicht natürlicher Tod infolge des Polizeieinsatzes“ vor. Der 47-Jährige soll letztlich an einer „lage- und fixationsbedingten Atembehinderung mit konsekutiver Stoffwechselentgleisung in Kombination mit einem Ersticken durch eine Blutung in die oberen Atemwege“ verstorben sein, heißt es in der Mitteilung der Behörde. Die Staatsanwaltschaft ist jetzt mit Sichtung und Auswertung der vorliegenden Beweismittel und Gutachten befasst. Ob weitere Ermittlungen notwendig seien, werde geprüft. (mko/PM)

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