Luigi Toscano

Wachsender Antisemitismus? Bilder von Mannheimer Fotograf sorgen für weltweite Diskussion

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Der Mannheimer Fotograf Luigi Toscano besucht seit 2015 Holocaust-Überlebende und porträtiert sie. Nach Ausstellungen in San Francisco und Mannheim wurden seine Bilder nun zerstört:

Update vom Freitag, 31. Mai:  Das Ausstellungsprojekt „Gegen das Vergessen“ ist weltweites Gesprächsthema. Die Bilder des Mannheimer Fotografen Luigi Toscano zeigen überdimensionale Porträts von jüdischen Überlebenden aus der NS-Zeit. Sie sind eindringliche Erinnerungen an den Holocaust. 

Nach der ersten Vorstellung der Bilder im Mannheim folgen Ausstellungen auf der ganzen Welt. Aktuell ist die Installation in Wien zu sehen. Dort wird sie am Montag (27. Mai) Opfer von blinder Zerstörungswut. Die Bilder sind zerschnitten, die Abgebildeten unkenntlich gemacht. Die Tat hat vermutlich einen antisemitischen Hintergrund

Anschlag kein Einzelfall

Ich bin einfach nur sprachlos, schon wieder gab es ein Anschlag auf meine Bilder“, so Luigi Toscano. Weder die Polizei noch das österreichische Innenministerium sei in der Lage, Schutz zu leisten. Die Bilder wurden inzwischen zum dritten Mal zerstört!

Die Tat löst in kürzester Zeit eine Welle der Solidarität aus und die muslimische Jugend Österreich ruft infolgedessen zu einer „Nachtwachaktion“ auf. Schnell finden sich Menschen, welche die Bilder wieder zusammennähen. Tag und Nacht wird nun Wache gestanden. Am Freitag (31. Mai) ist der letzte Tag der Ausstellung in Wien.

Weltweite Debatte um Tat

Es folgt ein weltweites Presseecho: Es wird nicht nur in Deutschland und Österreich berichtet, sondern auch in Ländern wie Israel und England. Der Britische „Guardian“ etwa stellt den Angriff den Kontext von wachsendem Antisemitismus und Rechtspopulismus in Europa. Die „Wiener Zeitung“ schreibt, es sei ernüchternd, dass eine solche Installation beschädigt werde und schön, dass es eine Zivilgesellschaft gibt, die sagt: so nicht!

Laut Luigi Toscano führt die Zerstörungsaktion aber auch zu einem wunderbaren Highlight: Monika Sommer, die Direktorin des Nationalmuseums Haus der Geschichte Österreichs, hat beschlossen, „aufgrund der historischen Dimension der Ereignisse einige der beschädigten Exemplare in die Sammlung aufzunehmen. Die Porträts werden hier nun dauerhaft ausgestellt und somit auch unter Denkmalschutz genommen.

Luigi Toscano mit Ausstellung in San Francisco

Großformatige Bilder von Holocaust-Überlebenden, vom deutsch-italienischen Fotografen Luigi Toscano aufgenommen, sind seit Mittwoch (17. April) auf einem großen Platz vor dem Rathaus von San Francisco zu sehen. Die 78 Porträts gehören zu dem Projekt „Gegen das Vergessen des Mannheimer Fotografen, der seit 2015 fast 400 Zeitzeugen des Holocausts in vielen Teilen der Welt besucht und mit seiner Kamera festgehalten hat.

Die Ausstellung war zuvor an vielen Orten in Europa und in den USA zu sehen, unter anderem in Washington und bei den Vereinten Nationen in New York. Im Raum San Francisco fotografierte Toscano 15 Zeitzeugen, darunter den 97-jährigen KZ-Überlebenden Ben Stern, die gebürtige Österreicherin Ilse Alexander (89) und Fanny Krieger (89), die ihre Eltern und jüngere Schwester im Holocaust verloren hat. 

Bis zum 19. Mai ist die Ausstellung unter Mitarbeit des Goethe-Instituts und des deutschen Generalkonsulats in San Francisco zu sehen. Weitere Stationen hat Toscano im Mai in Wien und Mainz geplant. Toscano stellte sein Projekt im Herbst 2015 in der Mannheimer Feuerwache vor. 

Fotoprojekt „Gegen das Vergessen“ in der Alten Feuerwache

dpa/rmx/kt

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