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Erholt sich die Nachtkultur von der Corona-Krise? Das sagt Mannheims scheidender „Night Mayor“

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Von: Klaudia Kendi-Prill

Mannheims Nachtbürgermeister Hendrik Meier sitzt in der Bar „Hagestolz“ am Tresen. (Archivbild)
Mannheims Nachtbürgermeister Hendrik Meier sitzt in der Bar „Hagestolz“ am Tresen. (Archivbild) © Uwe Anspach

Mannheim - Hendrik Meier, der bundesweit erste Nachtbürgermeister, hat Pionierarbeit geleistet. In der Pandemie warten neue Aufgaben auf seinen Nachfolger.

Mannheims Nachtbürgermeister Hendrik Meier will sich weiter für die Nachtkultur einsetzen und ihren Bestand auch in Zeiten des Coronavirus sichern. „Wir müssen sie stabiler, krisensicherer gestalten“, sagte Meier, der vor zweieinhalb Jahren als erster „Night Mayor“ in einer deutschen Stadt an den Start gegangen war. Die Nachtkultur müsse zunächst als wichtiger Standortfaktor angesehen werden. „Junge Leute gehen halt dahin, wo etwas los ist“, fügte der 29-Jährige hinzu, der Ende des Jahres aus dem Amt scheidet.

Er hat nun im VibeLab ein neues Tätigkeitsfeld gefunden. Das ist eine Beratungsagentur für Kommunen, die ihre Nachtkultur auf Vordermann bringen wollen. Derzeit ächzt die Nacht-Szene unter dem Lockdown. Besonders die Clubs leiden unter der Corona Krise. Nachtkultur findet seit Monaten nicht statt, und die darin Beschäftigten - von der Reinigungskraft bis zum Musiker - stecken in existenziellen Nöten.

Mannheim: So haben sich die Betriebe im Jungbusch über Wasser gehalten

Einige Betriebe etwa im Mannheimer Ausgehviertel Jungbusch haben ihre Räume zu Platten-, Gemüse- oder Klamottenläden umfunktioniert und Pakete mit eigenen Produkten verkauft. „Richtig wirtschaftlich ist das nicht“, sagte Meier. Das Bundesprogramm Neustart Kultur sowie die Überbrückungsgelder seien hilfreich.

Die Unterstützung des Landes für gefährdete Kunst- und Kultureinrichtungen sei ein erster Schritt gewesen, aber nicht genug. Bei den Clubs komme zu wenig Geld an.

Mannheim: Kommt die Nachtkultur durch die Coronakrise?

Aber auch die Kommunen müssten überlegen, was ihnen die Nachtkultur wert sei. Die Stadt Mannheim habe mit 220.000 Euro der Nachtkultur unter die Arme gegriffen, darunter zum Beispiel 130.000 Euro, die für das - dann ausgefallene - Stadtfest vorgesehen waren. Die Quadratestadt sei damit vorbildlich, sagte Meier. „Die Richtung ist klar und Mannheim auf dem besten Weg, ohne einen pandemiebedingten Verlust einer Kultureinrichtung aus der Krise zu kommen.“

Mannheim: Konzept des Nachtbürgermeisters findet auf der ganzen Welt Anklang

Das Konzept des Nachtbürgermeisters habe nicht nur in der Mannheim Anklang gefunden, sondern auch in aller Welt. In Ländern wie Indien und Japan interessierten sich Kommunen für Kultur, die junge Menschen nachts in ihren Bann ziehe. „Nachtkultur verliert überall den Nimbus des Exotischen“, sagte Meier.

Auch in anderen Städten Deutschlands wie in Stuttgart, Heidelberg, Nürnberg, München und Osnabrück werde über den Einsatz eines Nachtbürgermeisters nachgedacht.

Mannheim: Robert Gaa übernimmt Amt des Nachtbürgermeisters

Nach einigen Monaten im Tandem mit seinem Nachfolger Robert Gaa überlässt Meier ihm ab Januar die Position ganz. Sein Markenzeichen war die Kooperation mit Behördenvertretern und Gastronomen, das Vermitteln widerstreitender Kräfte im Ausgehviertel und Wohngebiet Jungbusch. Der Absolvent der Popakademie hatte einen monatlichen runden Tisch mit Polizei und Ordnungsamt zu aktuellen Themen eingerichtet.

Meier hatte sich im Sommer 2018 gegen 40 Mitbewerber durchgesetzt. Auf seinen Nachfolger komme die Aufgabe zu, den öffentlichen Raum als Ersatz für Clubkultur und das Kulturleben in der Pandemie bereit zu stellen, sagte Meier. Lesungen, Theater und Konzerte sollen dadurch auch für Künstler möglich werden, die kein zentrales Haus haben oder nicht mehr haben. (dpa/kp)

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