„Es tut mit extrem leid!“

Hannover 96-Fans am Bahnhof angegriffen: Letzter Waldhof-Schläger verurteilt! 

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Moritz J. wird am Amtsgericht Mannheim zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt. (Symbolbild) 

Mannheim - Am 27. Februar 2016 sind sechs Männer an einer Schlägerei zwischen Waldhof- und Hannover 96-Fans beteiligt. Nun steht der letzte Angeklagte vor Gericht: 

Update vom 10. Juli: Als Anhänger von Hannover 96 am 27. Februar 2016 auf dem Heimweg von einem Auswärtsspiel sind, werden sie am Mannheimer Hauptbahnhof unvermittelt von einer Gruppe SV Waldhof-Anhänger angegriffen. Nur einige Minuten dauert der Angriff bevor ein Polizist einschreitet, die Opfer tragen Prellungen und Platzwunden davon – einer der Hannover 96 Fans landet sogar im Gleis. Die Kamera zeichnet alles auf. Fünf Männer sind bereits verurteilt, nun hat auch Student Moritz J. seine Strafe bekommen: Sechs Monate Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung – allerdings auf Bewährung, wie der Mannheimer Morgen berichtet. Außerdem muss er 700 Euro an eine gemeinnützige Organisation bezahlen. 

Mannheim: SV Waldhof-Fans greifen Hannover 96-Anhänger am Bahnhof an – Kamera filmt alles

Die Aufzeichnungen aus der Kamera zeigen wie sich der 26-jährige Moritz J. aus der Gruppe Vermummter löst und einen Mann schubst. Drei weitere Vermummte prügeln daraufhin auf den Mann ein. Dabei werden auch Unbeteiligte verletzt – darunter eine Frau. Moritz J. behauptet vor Gericht, dass er nur spontan zum Bahnhof mitgegangen wäre und die anderen sogar zurückgehalten hätte. Aus der Fanszene hätte er sich gelöst. Die Staatsanwältin zweifelt jedoch daran, dass er nur zufällig am Bahnhof gewesen ist. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr. Dass er ehrliche Reue zeigt, glaubt sie ihm jedoch. In seinem Schlusswort erklärt der Angeklagte, dass es ihm „extrem“ leid tue und er wegen des Prozesses Schlafstörungen und Herzrasen hätte.  

Mannheim: Hannover 96-Fans am Bahnhof angegriffen – weiterer Schläger vor Gericht! 

Update vom 9. Juli 2019: Am Mittwoch den 10. Juli startet der Prozess gegen einen 26-jährigen Angeklagten Moritz J.. Er soll sich mit sechs weiteren bereits verurteilten Männern – einer davon Benjamin B. – am 27. Februar 2016 im Hauptbahnhof Mannheim verabredet haben. Dort sollen die Männer gezielt nach Hannover 96 Fans gesucht haben um sich mit ihnen zu prügeln. Diese waren gerade auf dem Nachhauseweg von einem Auswärtsspiel in Stuttgart. Dem Angeklagte, der zur gewaltbereiten Fanszene des SV Waldhof gehören soll, wird vorgeworfen, wahllos auf Zugreisende eingeschlagen haben. Dabei sei es ihm gleichgültig gewesen, ob es sich bei den Personen um Anhänger des Fußballvereins Hannover 96 handelte.

Bei dem Vorfall wurden mehrere Personen verletzt. Eine Person fiel dabei zwischen Zug und Gleisbett und musste befreit werden. Der Haupttäter Benjamin B. wird im Januar 2019 zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Zudem muss er eine Geldstrafe von 1.000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. 

Urteil im Prozess gegen Waldhof-Fan: Benjamin B. zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt 

Update vom 18. Januar 2019: Der Angeklagte Benjamin B. (28) ist kein unbeschriebenes Blatt. Am Freitagmorgen (18. Januar) um 9 Uhr beginnt im Mannheimer Amtsgericht die inzwischen fünfte Verhandlung in seinem Leben: 

Der rund 1,85 Meter große Industriekletterer trägt einen schwarzen Hoodie, eine dunkle Jeans und schwarze Turnschuhe mit weißen Sohlen. Ganz ähnlich denen vom Tattag, wie später ein Zeuge MANNHEIM24 gegenüber sagt.

Die Anklage der Staatsanwältin lautet auf gefährliche Körperverletzung.

In einer Gruppe von mindestens 7 Personen sollen sich der Angeklagte und weitere, inzwischen abgeurteilte Fans des Mannheimer Fussballvereins SV Waldhof zu einer Schlägerei verabredet haben. Auf den Bahnsteigen und Gleisen vom Mannheimer Hauptbahnhof verletzten sie mehrere Menschen, auch Unbeteiligte. Ihr Ziel: Anhänger des Fußballvereins Hannover 96, die auf der Heimreise von einem Spiel in Stuttgart sind.

Nach Sichtung von beweiskräftigem Videomaterial und Anhörung eines Zeugen scheint die Sachlage klar: 

Die Staatsanwältin fordert für die gefährliche Körperverletzung 1 Jahr und 6 Monate auf Bewährung, (weil die Tat in einer Gruppe begangen wurde; Anm. d. Red.), dazu eine Geldstrafe zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung. Sie spricht von einer erdrückenden Beweislage. Benjamin B. wird zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt, dazu zu einer Geldstrafe von 1.000 Euro, die an eine gemeinnützige Einrichtung zugunsten misshandelter Frauen und Mädchen in Mannheim gehen soll. 

Der Verteidiger verlangt Freispruch wegen Mangels an Beweisen

Auf dem Videomaterial vom Mannheimer Hauptbahnhof ist laut Zeugenaussagen der Polizei zu sehen, dass sich der Angeklagte extra Handschuhe anzieht, sich vermummt und noch telefoniert, bevor er mit der Gruppe gezielt losläuft. Damit bestätigt sich der Vorsatz.

Dass dabei auch eine türkische Familie, darunter eine Frau, geschlagen wird, scheint Benjamin B. nicht recht zu sein, er hat aber auch nicht wirklich geholfen, Einzelne der Gruppe abzuhalten.

Bei der Prügelei mit den Hannover 96 Fans soll er jedoch aktiv gewesen sein, er hat sogar Anweisungen erteilt. A uch wenn teilweise eine Säule die Sicht auf die Tat versperrt.

Überwachungskameras im Mannheimer Bahnhof

Der vorsitzende Richter Hamm hält dem gelernten Dachdecker strafverstärkend vor, dass B. selbst - im Gegensatz zu den schon abgeurteilten Waldhof-Fans - nicht geständig ist und bei der gemeinsamer Ansicht des Videomaterials der Überwachungskameras keine Reue zeigt.

Außerdem wurde der 28-Jährige in der Vergangenheit bereits d reimal zu Geldstrafen unter anderem wegen versuchter Körperverletzung und Beleidigung verurteilt. Diese Taten ereigneten sich in Heidelberg, Paderborn und Koblenz.

Schockierende Details kommen beim Prozess ans Tageslicht 

Dabei kommen auch schockierende Details aus seinem Leben zutage, warum Benjamin B. erst jetzt, lange Zeit nach den anderen Waldhof-Fans, vor Gericht steht:

Dreimal muss die Verhandlung gegen ihn neu angesetzt werden, er sei im Krankenhaus. Seit eineinhalb Jahren ist er arbeitsunfähig geschrieben wegen Verletzungen an der Wirbelsäule und psychologischen Problemen. 

Todessturz in der Stuttgarter Schleyer-Halle

Der Grund: Am 21. Februar 2017 sichert sich der 28-Jährige bei Abbauarbeiten in der Schleyer-Halle in Stuttgart nicht ausreichend und fällt auf einen 19-jährigen Kollegen am Boden, der noch an der Unfallstelle stirbt. Im November 2018 wird der 28-Jährige zu 6 Monaten Bewährung wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Die Berufung läuft.

Mahnende Worte vom Richter laufen ins Leere

Auf taube Ohren scheinen die mahnenden Worte vor Richter Hamm nach der Verlesung des Urteils zu stoßen:

„Stellen Sie sich mal vor, was hätte passieren können, wenn der Zug angefahren wäre, als der Hannoveraner im Gleisbett liegt. Das hätte Tote geben können!“ Dazu besteht er auch auf ein Anti-Aggressionstraining, das der Verurteilte innerhalb eines Jahres absolvieren müsse. 

Alle anderen aus der Gruppe hätten sich entsetzt über ihre Tat gezeigt, als sie die Bilder im Video gesehen hätten. Hamm weiter: „Sie stellen sich hin und grinsen und sagen, Sie hätten nichts gemacht. Wir müssen weiterhin davon ausgehen, dass Sie Taten begehen!“.

Ob die Ansprache des Rechtsorgans helfen wird? Nach Ende der Urteilsverkündung läuft der Verurteilte schnellstmöglich aus dem Gerichtssaal.

kpo

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