Prozess zur Bluttat vor H4-Polizeiwache

Angeklagter (22) doch kein Einzeltäter? Er schweigt!

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Mit mehreren Messerstichen niedergestochen – das Opfer erliegt noch am Tatort seinen schweren Verletzungen.

Mannheim-Innenstadt – Am ersten Prozesstag schweigt der Angeklagte Mehmet S. (22). Der Vater des getöteten Mustafa A. (†20) gibt zu, dass er die Messerstiche nicht gesehen hat...

In Handschellen wird Mehmet S. in Saal 5 des Landgerichts Mannheim geführt. Der 22-Jährige steht unter dringendem Tatverdacht, am Abend des 4. September 2014 vor der Polizeiwache im Quadrat H4 Mustafa A. (†20) mit vier Messerstichen getötet zu haben (WIR BERICHTETEN MEHRFACH). 

Gleich zu Prozessbeginn verkündet sein Verteidiger Alexander Klein, dass Mehmet S. von seinem Aussageverweigerungsrecht zur Sache Gebrauch macht und sich nur zu seinem Lebenslauf äußert – mit gesenktem Kopf und kaum hörbar. 

Schwer gezeichnet lauscht der 22-Jährige den Worten des Staatsanwalts. Dessen Vorwurf: Verdacht des Totschlags sowie schwere Körperverletzung. 

Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigt dem Angeklagten, der sich Stunden nach der Tat gestellt hatte, „keinerlei Auffälligkeiten“.

Rückblick: Mehmet S. soll den Sohn seines damaligen Chefs Talat A. (44) vor dessen Augen mit mehreren Messerstichen getötet haben – vor dem Betrieb des Geschäftsmanns gegenüber der Polizeiwache. Auslöser der Bluttat soll ein Streit über den Lohn (2.400 Euro) des Angeklagten gewesen sein. 

Mehmet S. durfte aufgrund seines laufenden Asylantrags nicht in Deutschland arbeiten, tat dies ‚schwarz‘ und erhielt seinen Lohn immer bar auf die Hand – so auch am Abend des Tattages.

Niedergestochen: 20-Jähriger vor Polizeirevier getötet

Vor Gericht schildert der ebenfalls durch mehrere Stiche verletzte Vater (selbst Nebenkläger), dass ein Auto vorgefahren sei: „Insgesamt fünf Männer saßen darin. Vier davon stiegen aus.

Darunter auch Mehmets ältester Bruder Nihat S. (29), der Mustafa am Telefon mehrfach bedroht und das Geld gefordert haben soll, ein Cousin (39) sowie ein Bekannter.

Sein Sohn habe nach einem kurzen Gespräch die Gefahr erkannt und den Vater mit dem Wort „Messer“ gewarnt. Doch da sei es bereits zu spät gewesen.

Laut Anklage soll der Angeklagte mit einem Klappmesser auf Mustafa A. eingestochen, dessen Lunge verletzt haben. Mustafa A. verstarb noch am Tatort. 

Dann ein wichtiger Satz, der Richter und Staatsanwalt aufhorchen lässt: „Den Moment des Zustechens habe ich selbst nicht gesehen, nur noch das Blut fließen sehen. ... Es war alles geplant.

So ist auch nach der rund eineinhalb-stündigen Aussage des Vaters nicht klar, wer letztendlich die tödliche Messerattacke ausgeführt hat!

Auffällig: Obwohl ihn seine drei Begleiter angeblich versucht haben zurückzuhalten, konnte Mehmet S. die Messerstiche ausführen. Dies spricht laut Nebenklage für eine gemeinschaftlich verübte Tat. Der anfängliche Tatverdacht gegen das Trio wurde fallengelassen.

Ich habe den Eindruck, Sie sind von einer fixen Idee besessen, von allen vier Personen angegriffen worden zu sein“, wird Richter Meinerzhagen so deutlich.

Angeblich unterscheiden sich die Aussagen des Vaters von dem, was er direkt nach der Tat zu Protokoll gegeben hat. So sprach er zuvor mal von zwei, mal von vier Messern, die im Spiel gewesen sein sollen. Laut Zeugen gibt es jedoch nur eine Tatwaffe – die von Mehmet S. von der bis heute jede Spur fehlt.

Nach der Bluttat stand die Frage im Raum, ob der allein in der Wache (aufgrund Einsätzen seiner Kollegen) anwesende Polizist die Tat hätte verhindern können. Er musste sich zunächst schwere Vorwürfe gefallen lassen – jedoch konnte die ermittelnde Staatsanwaltschaft kein Fehlverhalten des Beamten feststellen. 

Dennoch zeigte sich der Vater des Getöteten von den Behörden enttäuscht: „Wir hatten der Polizei vertraut, doch die konnte uns nicht helfen. Normalerweise haben die doch Pfefferspray und andere Waffen.

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Der Prozess wird am 28. April fortgesetzt. Insgesamt stehen noch rund 30 Zeugenaussagen an – darunter die mit Spannung erwartete Aussage des Polizisten.

dpa/nis

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