Symbolische Gedenkaktion 

Aktivisten benennen Straßen in Neckarstadt nach Mordopfern

+
Aktivisten benennen bei insgesamt zehn Straßen in der Neckarstadt-Ost nach den Opfern der NSU-Morde.

Mannheim-Neckarstadt-Ost - Anwohner der Neckarstadt-Ost reiben sich verwundert die Augen – insgesamt zehn Straßen wurden in einer Aktion am Sonntagabend (8. Juli) umbenannt. Was es damit auf sich hat:

+++ Am Mittwoch (11. Juli) fällt nach rund fünf Jahren das Urteil gegen Beate Zschäpe! 

>>> Unser News-Ticker zum NSU-Prozess

+++

Einst die „Lange Rötterstraße“, jetzt die „Enver-Şimşek-Straße“, anstelle des „Clignetplatzes“ steht auf dem Straßenschild nun „Habil-Kılıç-Platz“.

Wer am Montag im Stadtteil Neckarstadt-Ost unterwegs ist, wird verwundert feststellen, dass mehrere Straßen über Nacht umbenannt wurden. Doch was steckt hinter der Aktion?

Am Sonntagabend (8. Juli) benennen Aktivisten der Interventionistischen Linken Rhein-Neckar insgesamt zehn Straßen symbolisch nach den Namen der Opfer des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU), die Anfang der 2000er Jahre ermordet wurden.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz führt die Organisation als linksextremistisch. Nach Angaben der Verfassungsschützer will sie eine Verbindung schaffen zwischen militanten Gruppierungen und nichtgewaltorientierten Linksextremisten.

Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat, Michèle Kiesewetter. Zehn Namen. Zehn Tote. Sie sind die zehn Menschen, die der NSU ermordete. Sie und ihre Angehörigen sind diejenigen, die in diesen Tagen im Mittelpunkt stehen müssen. Ihrer wollen wir mit dieser Aktion gedenken“, wird eine Sprecherin der IL Rhein-Neckar in einem Facebookpost zur Aktion zitiert.

Unter jedem Straßenschild findet sich eine Gedenktafel, die Informationen zu den Ermordeten gibt.

>>> Alles zum NSU-Prozess findest Du auf unserer großen Themenseite

Warum ausgerechnet jetzt die Aktion?

Nach mehr als 430 Prozesstagen und hunderten Zeugenbefragungen soll am Mittwoch (11. Juli) im NSU-Verfahren - einem der aufwendigsten Indizienprozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte - nach fünfjährigem Prozess in München gegen Beate Zschäpe und vier weitere Angeklagte ein Urteil gefällt werden.

Das Gericht wird am Mittwoch ein Urteil über die fünf Angeklagten sprechen, den NSU-Komplex aufgeklärt haben wird es nicht. Das Urteil kann daher keinen Schlussstrich bedeuten, sondern nur der Anfang einer Aufarbeitung sein, bei der auch die gesellschaftliche Stimmung sowie die behördlichen Strukturen beleuchtet werden, welche die Taten des NSU ermöglichten“, heißt es weiter in dem Posting.

>>> Sieben Gründe, warum der NSU-Prozess so lange dauert

Mit der Kunstaktion will die IL Rhein-Neckar zu einer Auseinandersetzung mit den rassistisch motivierten Morden anregen.

So wurde die „Lange Rötterstraße“ nach Enver Şimşek benannt, dem ersten Opfer des NSU im Jahr 2000. Aus Richtung der Alten Feuerwache kommend bis zur Friedrich-Ebert-Straße sind die auf der rechten Straßenseite kreuzenden Straßen in der zeitlichen Abfolge der Morde bis zum Jahr 2007 umbenannt.

rob/dpa 

Mehr zum Thema

Kommentare