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Toter nach Einsatz in Mannheim: Bodycams waren aus – Polizei auf Zeugenvideos angewiesen

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Von: Marten Kopf

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Mannheim - Nach dem Tod eines Mannes am Marktplatz müssen die Ermittler nun akribisch arbeiten. Bodycam-Aufnahmen der Polizei gibt es keine – jetzt werden Videos des Geschehens ausgewertet.

Es gibt noch so einiges zu klären nach dem Polizeieinsatz, der am Montag für einen 47-jährigen Patienten des Zentralinstituts für seelische Gesundheit (ZI) tödlich endet. Am Rande des viel belebten Marktplatzes mitten in der Innenstadt kollabiert der Mann, während zwei Beamte versuchen, ihn festzunehmen. Er muss reanimiert werden, verstirbt aber wenig später in einer nahegelegenen Klinik.

StadtMannheim (Baden-Württemberg)
Fläche145 km²
Bevölkerung309.721 (Stand: 31. Dezember 2020)
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)

Ausgeschaltete Bodycams am Mannheimer Marktplatz: Zahlreiche Videos im Netz

Ein Arzt des ZI hatte die Polizei um Hilfe gebeten. Ein Patient sei verschwunden und brauche möglicherweise Hilfe. Die Beamten entdecken den Mann schließlich am Marktplatz in Mannheim, er widersetzt sich aber. Viele Menschen in Cafés und Restaurants in unmittelbarer Nähe beobachten den Vorfall. Im Netz tauchen schon kurze Zeit später diverse Handy-Videos des Einsatzes in Mannheim auf.

Die Szenen dort sind nicht schön anzusehen, wie sollten sie auch? Auf einem Video ist zu sehen, wie einer der Beamten dem schon am Boden Liegenden mehrfach mit der Faust ins Gesicht schlägt. Nun kann man geteilter Meinung darüber sein, was Menschen dazu bewegt, solche Videos öffentlich ins Netz zu stellen. Tatsächlich aber sind Aussagen von Augenzeugen und eben solche Videomitschnitte für die Ermittlungen derzeit wichtig.

Auswertung ohne Bodycam-Aufnahmen: „Zeit nehmen, das zu rekonstruieren“

Denn das Bildmaterial, das womöglich entscheidend zur Klärung des Sachverhalts beitragen könnte, existiert nicht: Die Bodycams der beiden Polizeibeamten nämlich waren zum Zeitpunkt des Geschehens ausgeschaltet. Das aber „wäre angezeigt gewesen“, sagt Andreas Stenger, Präsident des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg, am Mittwochabend (4. Mai) in einer Pressekonferenz. Das LKA hat die Ermittlungen zum Fall in Mannheim übernommen.

„Wir müssen uns Zeit nehmen, das zu rekonstruieren“, ergänzt ein Sprecher des LKA dann am Tag darauf. „Wir müssen sekundengenau das Tatgeschehen nachvollziehbar machen.“ Allerdings müsse man dann in einem ‚dynamischen Geschehen‘ daran denken, noch auf den Kameraknopf zu drücken und dies auch anzukündigen. Dazu blieb im Mannheimer Fall womöglich aber keine Zeit.

Tod nach Polizeieinsatz in Mannheim: Hintergründe restlos aufklären

Die Schulterkameras sollen vor allem Angriffe auf Beamte dokumentieren. In den meisten Situationen werden sie im sogenannten „Pre-Recording-Modus“ genutzt: Dabei werden kontinuierlich kurze Sequenzen aufgezeichnet und nach 45 Sekunden überschrieben. Erst wenn der Beamte ein zweites Mal auf einen Knopf drückt, wird die letzte Sequenz nicht gelöscht und auch die weitere Aufnahme gespeichert. Warum die Cams jetzt ausgeschaltet waren, ist Gegenstand der Ermittlungen.

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Aber auch ohne die Aufnahmen rechnet die Gewerkschaft der Polizei mit Antworten auf die wichtigsten Fragen. „Ich gehe davon aus, dass die Hintergründe und Umstände dieses Geschehens restlos aufgeklärt werden“, sagt deren baden-württembergischer Landeschef Gundram Lottmann der Deutschen Presse-Agentur – und verweist eben auf die vielen Zeugen und Videos. Der Einsatz könne daher auch ohne die Bodycams rekonstruiert werden. (mko/dpa)

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