An Uni Mannheim

Student klagt gegen Anwesenheitspflicht - und gewinnt!

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Ein Student der Uni Mannheim klagt gegen die 100-Prozentige Anwesenheitspflicht. (Archivbild)

Mannheim - Liebe Studenten, Ihr habt das Recht auf Fehlstunden! Das hat jetzt ein Gericht entschieden, weil ein Mannheimer Stundent geklagt hat.

Krankheit, Trauerfall oder ein Unfall - es gibt mehrere wichtige Gründe eine Vorlesung nicht zu besuchen. Doch Studiengänge mit einer 100-Prozentigen Anwesenheitspflicht erlauben das Fehlen auch nicht, wenn ein triftiger Grund besteht - sonst können Stundenten sogar ihren Prüfungsanspruch verlieren.

Ein Student der Uni Mannheim hat sich jetzt erfolgreich gegen die permanente Anwesenheitspflicht gewehrt! Die Universität darf in ihrer Prüfungsordnung nicht pauschal die hundertprozentige Anwesenheitspflicht bei Lehrveranstaltungen vorgeben, wie der Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg am Mittwoch mitteilt. 

Im Fall des Studenten der Politikwissenschaft ist eine hundertprozentige Anwesenheitspflicht vorgegeben gewesen. Demnach dürfte er NIE bei Vorlesungen und Seminaren fehlen. Dagegen ging er juristisch vor. 

Aus seiner Sicht wird durch die Regelung das Grundrecht der Berufs- und Wissenschaftsfreiheit verletzt. Dem stimmte der VGH zu: Die pauschale Festsetzung einer „Präsenzpflicht als Studienleistung“ werfe die Frage der Verhältnismäßigkeit des damit verbundenen Eingriffs in die Berufsfreiheit der Studenten auf, heißt es. 

Zudem sei die Regelung nicht hinreichend bestimmt. So sei etwa die Rechtsfolge von Fehlzeiten aus wichtigen Gründen - etwa Krankheit - nicht klar. Auch sei unklar, für welche Arten von Veranstaltungen Präsenzpflicht gelte. 

Eine Revision wird nicht zugelassen. Inwieweit das Urteil eine Wirkung auf vergleichbare Fälle in anderen Bundesländern entfaltet, bleibt abzuwarten. Wie ein Sprecher des VGH unterstrich, hat der 9. Senat seine Entscheidung mit Rechtspositionen begründet, die Verfassungsrang haben und somit bundesweit gelten. 

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni Mannheim hat sich mit dem Studenten solidarisiert. Demnach hätten Dozenten teilweise schon bei „einmaligem unentschuldigtem Fehlen mit dem Verlust des Prüfungsanspruchs gedroht“.

jab/dpa

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