Thema Rassismus kontraproduktiv behandelt?

Streit um Sarotti-Mohr: Capitol-Geschäftsführer wehrt sich gegen Vorwürfe aus offenem Brief  

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Der ‚Sarotti-Mohr‘ im Kulturzentrum Capitol Mannheim. (Archivbild) 

Mannheim - In einem offenen Brief wird dem Capitol vorgeworfen das Thema Rassismus im Bezug auf den Sarotti-Mohren kontraproduktiv behandelt zu haben. Das will das Capitol nicht auf sich sitzen lassen: 

Der Streit um den Sarotti-Mohr geht weiter: Nachdem das Capitol einen offenen Brief erhalten hat, in dem unter anderem Privatpersonen und ein Verein erneut die Entfernung des Sarotti-Mohren forderten, reagiert das Capitol nun mit einer Stellungnahme. 

In dem offenen Brief wird dem Capitol unter anderem vorgeworfen, den Sarotti-Mohren „in einer möglicherweise karnevalesk verzerrten Version“ im Capitol hängen gelassen zu haben. Diesen Vorwurf weist der Geschäftsführer der Capitol Betriebs GmbH & Vorstand Capitol Stiftung Thorsten Riehle entscheiden von sich. Nach intensiven Gesprächen mit einer Illustratorin und einem Grafiker, die sich aufgrund ihrer Herkunft und Hautfarbe oft mit Diskriminierung auseinandersetzen müssen, hätte sich das Capitol dazu entschlossen, die Figur hängen zu lassen – jedoch mit einer „Veränderung der Haltung“. Die solle darauf hinweisen, „dass in unserer Gesellschaft die Themen Rassismus und Diskriminierung, aber auch Flucht und Migration aufgearbeitet werden müssen“

Gerade im Rahmen der Diskussionen um den Sarotti-Mohren hätte das Capitol-Team erlebt, „wie verächtlich und belanglos manche Menschen damit umgehen“. Doch genau mit diesen Menschen wolle das Capitol ins Gespräch kommen und dauerhaft im Austausch bleiben. Es gehe nicht - wie im Brief behauptet - darum, „die Perspektiven von Deutschen mit Migrationsgeschichte, Menschen of Colour, Schwarze Menschen und Menschen mit Fluchterfahrungen“ zu verzerren, unsichtbar zu machen oder zu instrumentalisieren.

Capitol-Geschäftsführer Thorsten Riehle wird persönlich angegriffen 

Thorsten Riehle wird in dem offenen Brief auch persönlich angegriffen: Darin wird ihm vorgeworfen, „Hinweise, Anregungen oder Kritik der Initiative Schwarzer Menschen ignoriert und das Thema Rassismus methodisch und inhaltlich kontraproduktiv behandelt zu haben. Laut Riehle habe jedoch eine Expertenrunde an einem runden Tisch ausgiebig darüber diskutiert, ob der Sarotti-Mohr aus dem Capitol verschwinden soll oder nicht – darüber hinaus wären die Experten in alle Schritte des Prozesses einbezogen gewesen. Im Laufe dessen hätten die Verantwortlichen des Kulturhauses mit zahlreichen Menschen gesprochen, die selbst unmittelbar aufgrund ihrer Hautfarbe oder Herkunft von Rassismus betroffen seien. Eine Mehrheit von ihnen hätte sich dafür ausgesprochen, den Sarotti-Mohren hängen zu lassen.

Diskussion um Sarotti-Mohr: „Es muss Schluss sein diejenigen anzugreifen, die die gleichen Ziele verfolgen“

Abschließend erklärt Geschäftsführer Riehle, dass es ihm ein Bedürfnis sei, festzuhalten, „dass wir ein gemeinsames Ziel haben, nämlich Rassismus und Diskriminierung aufzudecken und für eine offene und tolerante Gesellschaft zu kämpfen“. Der Vorwurf ihm gegenüber, sich nicht ausreichend genug Position gegen Rassismus und Diskriminierung zu beziehen, sei nicht nur falsch, sondern würde auch sein politisches, gesellschaftliches und berufliches Engagement außer Acht lassen.

Bei allem Verständnis für unterschiedliche Positionen und Verständnis für Menschen, die unter Rassismus zu leiden hätten – „es muss Schluss sein diejenigen anzugreifen, die die gleichen Ziele verfolgen“, so Riehle. Er lade deshalb alle ein, gemeinsam gegen Rassismus und Diskriminierung zu kämpfen.

Die Veranstaltung „Kein Platz für Rassismus“ wurde in den letzten Jahren bereits sechs mal im Capitol betrieben – mit 700 Teilnehmern. Das Mannheimer Kulturzentrum wurde erst im Jahr 2018 umfänglich umgebaut.

Nicht nur im Capitol gibt es Probleme mit Relikten aus der Vergangenheit. Die Partei „Die Grünen“ will in Mannheim mehrere Straßen umbenennen, da die Namensgeber unbeschreibliche Verbrechen begangen haben.

In Rheinland Pfalz muss sich die Polizei mit Rassismus in gewalttätiger Form beschäftigen: In Pirmasens werden Heranwachsende aus Afrikanischen Ursprungsländern durch die Stadt gejagt, in Dahn zwei Asylbewerber verletzt.

kp

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