Arbeitskreis für Umbenennung

Mannheim: Neue Namen für Rheinauer Straßen – Das sind die Vorschläge

Drei der nach deutschen Kolonialpionieren des späten 19. Jahrhunderts benannten Straßen in Mannheim-Rheinau.
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Drei der nach deutschen Kolonialpionieren des späten 19. Jahrhunderts benannten Straßen in Mannheim-Rheinau.

Mannheim - Im Stadtteil Rheinau-Süd sind vier Straßen nach drei Kolonialisten und einem Antisemiten benannt. Deshalb sollen die Straßen politisch korrekt umbenannt werden:

Die politisch korrekte Umbenennung von strittigen Straßennamen nimmt nicht erst seit dem berühmten Fall der Berliner Mohrenstraße in Anton-Wilhelm-Amo-Straße bundesweit Fahrt auf. Denn auch im Stadtteil Rheinau-Süd in Mannheim sollen nach dem Willen der Verwaltung vier Straßen neue Namen erhalten. Die Straßen waren im Jahr 1935 IG-Farben-Siedlung im Sinne der NS-Propaganda nach den Kolonialpionieren Theodor Leutwein, Adolf Lüderitz und Gustav Nachtigal benannt worden, wie der „Arbeitskreis Kolonialgeschichte Mannheim“ in seinem Instagram-Account schreibt. Später sei noch der Hitler-Fan und bekennende Rassist sowie Antisemit Sven Hedin hinzugekommen.

StadtMannheim
StadtteilRheinau
Fläche15,28 km²
Einwohnerzahl24.982 (Stand: 31. Dez. 2015)
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)

Doch jetzt liegen erstmals konkrete Vorschläge auf dem Tisch, wie der Mannheimer Morgen berichtet. So sind am Montagabend (26. April) im Rahmen einer Online-Info-Veranstaltung mit rund 80 Teilnehmern vom „Arbeitskreis Kolonialgeschichte Mannheim“ gleich sieben historische, aber auch zeitgenössische Personen vorgeschlagen worden:

  • die afrodeutsche Dichterin, Pädagogin, Feministin und Aktivistin May Ayim
  • den Protagonisten des antikolonialen Widerstands in Kamerun Rudolf Manga Bell
  • die südafrikanische Sängerin und Kämpferin gegen Apartheid Miriam Makeba
  • den afrodeutschen Überlebenden der NS-Diktatur, Schauspieler und Beamten Theodor Michael
  • den Protagonisten des antikolonialen Widerstands in Südwestafrika Jakob Morenga
  • die namibische Kämpferin gegen das südafrikanische Apartheidregime Anna Mungunda
  • die kenianische Friedensnobelpreisträgerin, Biologin und Feministin Wangari Muta Maathai

Mannheim: Arbeitskreis Kolonialgeschichte fordert klares Zeichen gegen Gewaltherrschaft und Rassismus

Auf seiner Website zeigt sich der Arbeitskreis enttäuscht darüber, dass die Stadt Mannheim bislang keine „Vorschläge für eine Neu-Benennung der Straßen vorgelegt“ haben. In der Beschlussvorlage für den Gemeinderat schlage die Verwaltung allerdings für die Neu-Benennung eine Orientierung am Straßen-Taufbezirk „Entdeckungs- und Forschungsreisende“ vor. Doch damit ist der Arbeitskreis absolut nicht einverstanden! Hintergrund: Entdeckungs- und Forschungsreisen hätten „überwiegend in kolonialen Kontexten“ stattgefunden.

Vielmehr müsse bei der Neubenennung der Straßen von Rathaus-Seite ein „klares Signal gegen Gewaltherrschaft und Rassismus“ gesetzt werden. Anstelle der Kolonialisten sollten Anti-Kolonialist*innen geehrt werden. An die Stelle der weißen Europäer sollten Menschen aus dem globalen Süden oder von dort Zugewanderte oder ihre Nachfahren geehrt werden, so der AK Kolonialgeschichte Mannheim. „Diese Personen sind keine Vorbilder“, so dessen Sprecherin Gertrud Rettenmaier laut Mannheimer Morgen. Es dürfe nicht sein, dass „Verantwortliche für Grausamkeiten“ weiterhin durch Straßennamen geehrt werden.

Auch ein Vertreter der BASF-Siedlergemeinschaft Rheinau-Süd, deren Vorsitzender Hans Held, war der Veranstaltung zugeschaltet. Held habe die Vorschläge des Arbeitskreises für die künftigen Straßennamen strikt abgelehnt, da sie „keinen Bezug zu Rheinau-Süd“ hätten. Seine Organisation werde in Kürze eigene Vorschläge unterbreiten. (pek)

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