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Mannheim: Wahrzeichen vor dem Aus – wird Stadthaus N1 abgerissen?

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Von: Peter Kiefer

Muss das Stadthaus N1 abgerissen werden? (Archivbild)
Muss das Stadthaus N1 abgerissen werden? (Archivbild) © MANNHEIM24/Peter Kiefer 

Mannheim - Das 1991 eröffnete und für umgerechnet knapp 45 Millionen Euro errichtete Stadthaus N1 ist seit je her umstritten. Wird das marode Wahrzeichen am Paradeplatz bald abgerissen?

Diese Gedankenspiele um das Stadthaus N1 gehen aus einer nicht-öffentlichen Vorlage der Verwaltung für den Gemeinderat hervor, die dem „Mannheimer Morgen“ vorliegt. Eine Sanierung sei gemäß dem Papier „nicht wirtschaftlich und zweckmäßig“. Daher komme wohl auch eine Totalentkernung eher nicht in Frage. Im Klartext heißt das: Abreißen und neu bauen ist rentabler als die Instandsetzung. „Der Abriss des Stadthauses ist die wahrscheinlichste Alternative. Ansonsten müsste man unglaublich viel Geld reinstecken. Die Sanierung wäre schlichtweg unwirtschaftlich“, so Lutz Pauels, 1. Vorsitzender der Werbegemeinschaft Mannheim auf MANNHEIM24-Anfrage. Pauels bezeichnet die Lage in der City als „Sahnestück“.

Das Stadthaus ist innen eine Katastrophe

Lutz Pauels, 1. Vorsitzender der Werbegemeinschaft Mannheim
Stadthaus MannheimMehrzweckgebäude
AdresseQuadrat N1 am Paradeplatz
Eingeweiht13. April 1991
ArchitektCarlfried Mutschler (1926-1999)
StilPostmoderne

Mannheim: Debatte um Zukunft des Stadthauses N1

Offenbar ist der Fahrplan für die Zukunft des Stadthauses bereits festgelegt: „Die beiden Eigentümer sollten sich möglichst noch in diesem Jahr, spätestens jedoch 2022 einig werden, wie es weitergeht“, so Pauels. Als Besitzer des postmodernen Mehrzweckgebäudes gelten je zur Hälfte die Stadt Mannheim sowie seit 2016 die Unternehmensgruppe Diringer & Scheidel (D&S).

„Das Stadthaus ist innen eine Katastrophe“, so das vernichtende Urteil von Lutz Pauels. Was er damit meint, sind immer wieder auftretende Wasserschäden und „wiederkehrende Problemstellungen der Haustechnik“, die ein D&S-Konzernsprecher dem „Mannheimer Morgen“ bestätigt hat.

Mannheim: Wann wird das marode Stadthaus abgerissen?

Fraglich, ob noch vor der BUGA23 eine hässliche Mega-Baustelle in bester City-Lage erwünscht ist, wenn Zehntausende BUGA Besucher nach Mannheim in die Innenstadt der Shopping-Metropole strömen.

Somit werden wahrscheinlich erst nach der BUGA die aufwendigen und monatelangen Abrissarbeiten beginnen – vom langwierigen Neubau ganz zu schweigen.

Stadthaus N1 in Mannheim: Was passiert mit der freien Fläche?

Nach MANNHEIM24-Informationen geht es hinter den Kulissen auch darum, ob die Stadt ihren Anteil am Gebäude an D&S verkauft. Das Unternehmen soll planen, dort einen Neubau mit Wohnungen, Gewerbe und Büros zu errichten.

Die Anteile am Stadthaus N1 hat sich D&S bereits während der Errichtung des Stadtquartiers Q6/Q7 gesichert, für das das Unternehmen als Bauträger agiert hat.

Mannheim: Turmcafé im Stadthaus N1 seit August 2016 geschlossen

„Zum Schutz der Besucher aber vor allem auch der Bediensteten“ machte die Stadt Mannheim am 26. August 2016 die beliebte Cocktailbar „Stars“ hoch über dem Paradeplatz aus Brandschutzgründen mit sofortiger Wirkung dichtnach 22 Jahren. Sogar wirtschaftliche Aspekte mussten aufgrund der vorläufigen Nutzungsuntersagung hinten anstehen: Zehn Festangestellte und rund 20 Aushilfen waren direkt von der Schließung betroffen.

Man habe monatelang gemeinsam mit der Stadt Mannheim als Miteigentümerin des Stadthauses intensiv mögliche bauliche Lösungen geprüft. Doch in allen Fällen wäre die Optik des Stadthauses in diesem Bereich nachhaltig beeinträchtigt worden.

Auch lässt sich keine der Umbauten in einem angemessenen wirtschaftlichen oder zeitlichen Rahmen umsetzen. Vermieter und Betreiber haben daher im gegenseitigen Einvernehmen die Aufhebung des Vertrags vereinbart.

Mannheim: Die Geschichte des Stadthauses N1

Das Stadthaus N1 wird zwischen 1986 und 1991 errichtet und ersetzt das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte „Alte Kaufhaus“. Entgegen des gängigen Namens wird der 1745 fertiggestellte barocke Prachtbau nach dem Krieg nur kurz als Kaufhaus genutzt.

Das „Alte Kaufhaus“ am Paradeplatz in Mannheim im Jahre 1892.
Das „Alte Kaufhaus“ am Paradeplatz in Mannheim im Jahre 1892. © Wikimedia Commons/Immanuel Giel

In den Jahren 1960 bis 1986 werden insgesamt drei Architektur-Wettwerbe durchgeführt. Doch auch mit dem Siegesentwurf von Carlfried Mutschler für den heutigen postmodernen Bau, kehrt keine Ruhe in die teilweise hitzige Debatte ein.

Einige Mannheimer laufen gegen den Plan Sturm und fordern einen Wiederaufbau nach historischen Plänen. Beim darauffolgenden Bürgerentscheid spricht sich eine überragende Mehrheit von 83 Prozent für den barocken Wiederaufbau aus.

Jedoch beteiligen sich lediglich knapp ein Viertel der Mannheimer am Bürgerentscheid. Damit ist das Ergebnis der Abstimmung nicht bindend und so setzt sich Oberbürgermeister Gerhard Widder in der Folge darüber hinweg: Der postmoderne Neubau wird durchgesetzt. 30 Jahre nach der Fertigstellung ist auch dieses Kapitel wohl bald wieder Geschichte. (pek)

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