Sicherheit durch Innovation?

Einmalig in Europa: So intelligent sind unsere neuen Überwachungskameras!

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„Sicherheit durch Innovation“. So fasst Innenminister Thomas Strobl die Maßnahmen massiver Kameraüberwachung in Mannheim zusammen. 

Mannheim - Am Montag (3. Dezember) finden sich Vertreter von Polizei, Land, Stadt und Wissenschaft im Polizeipräsidium ein. Sie stellen die neue ‚intelligente‘ Überwachung vor, die Mannheim sicher machen soll.

„Big Brother (is watching you!)“ - 5-jährige Probephase intelligenter Kameras beginnt!

Wird Mannheim jetzt zur orwellschen Überwachungsstadt? Auf Grund der insgesamt 76 Kameras, die noch nicht gänzlich, aber zu großen Teilen seit Montag (3. Dezember) in der Stadt zum Einsatz kommen, könnte man dies meinen. Vertreter von Polizei, Stadt und Land aber sagen auf der diesbezüglichen Pressekonferenz am Montag etwas anderes. „Ich hatte einen Traum, den ich schon vor zwei Jahren geträumt habe“, beginnt Thomas Strobl, Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration, gegen 09:40 seine Ansprache zum Start der neuen Technik in Mannheim. Den Traum, den er träumte, ist der von einem überwachten und somit sichererem Mannheim. 

Vertreter von Stadt, Land, Wissenschaft und Politik: (v.l.) Dr. Markus Müller vom Fraunhofer Institut, Polizeioberrat Klaus Pietzsch, Polizeipräsident Thomas Köber, Innenminister Thomas Strobl, Erster Bürgermeister Christian Specht, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Mannheim David Faulhaber

Grund für seine unruhigen Nächte ist die gestiegene Ziffer von Straftaten: Die „polizeiliche Kriminalstatistik 2017“ zeigt klar, dass in den Jahren 2015, 2016 und 2017 die Zahl der Straftaten insgesamt und der Straßenkriminalität im Speziellen rapide angestiegen sind. Infolgedessen entwickelten Stadt und Land gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut die Nutzung intelligenter Videoüberwachung, die Straftaten ab sofort nicht nur aufzeichnen, sondern selbst erkennen soll. Dieses Projekt intelligenter Videoüberwachung ist europaweit einzigartig! 

Sicherheit durch Innovation

Bei der Art der Überwachung handelt es sich nämlich um ein absolutes Novum. Eine Gesichtserkennung gibt es nicht. Im Fokus stehen stattdessen bestimmte Verhaltensmuster, wie etwa das Schlagen, Rennen, Treten oder Hinfallen, die umgehend im Lagezentrum der Polizei gemeldet werden. 

Innerhalb von nur wenigen Minuten soll dann eines von drei Interventionsteams an Ort und Stelle eingreifen können.„Es geht nicht um das Erkennen von Gesichtern, sondern das Erkennen von Verhaltensmustern“, betont Innenminister Strobl und fügt an: „Es geht um nichts anderes als schnelle Hilfe für die Menschen in Mannheim.“ 

Die Maßnahmen im Überblick

Kameraüberwachung ist für Mannheim nichts Neues. Bereits in der Zeit zwischen 2001 und 2007 überblickten acht analoge Kameras das Geschehen in der „Breiten Straße“. Statt acht analogen, werden es zukünftig 76 digitale Kameras sein. In den Bereichen „Breite Straße“, „Alter Messplatz“ und „Bahnhofsvorplatz“ werden 65 davon eine Gesamtfläche von 17 Hektar überwachen. 

Die Videoüberwachung an den Standorten „Alter Messplatz“ und „Paradeplatz“ begann bereits am 16. November! Über die Ausweitung auf den „Plankenkopf“ mit elf weiteren Kameras wird erst nach der Bewertung der Kriminalitätsentwicklung des Jahres 2018 entschieden. Die Kosten belaufen sich für das Land auf bislang 700.000 Euro. Die Stadt ist mit 900.000 Euro dabei. 

Erster Bürge rmeister Christian Specht: „Wir möchten ein System haben, bei dem niemand sieht, wenn Herr Strobl und ich über den Paradeplatz laufen. Das geht niemanden etwas an. Auch die Polizei nicht.“

Auf Bedenken bezüglich des Datenschutzes und dem Schutz der Privatsphäre kommt erster Bürgermeister Christian Specht zu sprechen: „Wir möchten ein System haben, bei dem niemand sieht, wenn Herr Strobl und ich über den Paradeplatz laufen. Das geht niemanden etwas an. Auch die Polizei nicht.“ Klingt gut. Wie genau aber soll das funktionieren? Die Kameras zeichnen doch alles auf, oder etwa nicht? 

Eigenes Netz, Löschung nach 72 Stunden

Ja und nein. Da die Kameras der Überwachung dienen, zeichnen sie natürlich alles auf. Verwendet, weitergeleitet und gespeichert wird aber nur das Material, das auffälliges Verhalten, also Schläge, Tritte oder ähnliches zeigt. Dieses, an die Beamten übermittelte Material, wird durch Polizisten gesichtet. „Es geht darum, dass das System etwas erkennt. Die Bewertung übernimmt ein Polizist. Es entscheidet nicht die Maschine. Es entscheidet der Mensch“, hebt Polizeipräsident Thomas Köber hervor. Der Rest wird nach 72 Stunden gelöscht und wird im Normalfall auch von niemandem gesichtet außer den Kameras selbst. 

Sprecher des Fraunhofer-Instituts für Optronik, Systemauswertung und Bildtechnik (IOSB) Dr. Markus Müller:  „Es werden uns gewalttätige Übergriffe durch die Lappen gehen.“

Zudem läuft die Informationsübertragung nicht über das Internet, sondern ein eigens dazu ausgebeutet Netz von Glasfaserkabeln. Die Daten sollen so nicht verloren oder entwendet werden können.Dabei ist die Technologie nicht das Ende, sondern lediglich der Anfang einer Entwicklung. Auffälliges kriminelles Verhalten können die Kameras nämlich nur dank speziell entwickelter Algorithmen wahrnehmen, die stetig weiter lernen. Dr. Markus Müller, Vertreter des Fraunhofer Institutes sagt diesbezüglich: „Es werden uns gewalttätige Übergriffe durch die Lappen gehen.“ Die Verbesserung folgt erst durch den darauffolgenden Lerneffekt. Am Bahnhofsvorplatz beginnt dieser am Montag. 

Thomas Stropps, Thomas Köber und Christian Specht betätigen gemeinsam einen großen roten Knopf. Mit ihm beginnt das Zeitalter der digitalen Überwachung in Mannheim. 

Symbolisch wird ein roter Button gemeinsam von Thomas Strobl, Christian Specht und Thomas Köber betätigt. Mit ihm beginnen die ersten ‚intelligenten‘ Kameras ihre Arbeit vor dem Hauptbahnhof. The Big Brother ist watching you. But he won‘t remind you! Wollen wir hoffen, dass das auch so bleibt.   

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Mehr zum Thema: 

>>>71 „intelligente Kameras“: Wer ist dafür, wer dagegen?

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chh

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