Am Frankfurter Flughafen

Nach 20 Jahren: Bundespolizei schnappt mutmaßlichen Sexualstraftäter (39)!

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Es hat Klick gemacht. nach mehr als 20 Jahren wird Sexualstraftäter endlich gefasst. (Symbolbild)

Mannheim-Schönau - Seit mehr als 20 Jahren wird er gesucht. Am Freitag (31. August) wird der 39-jährige Kanadier endlich gefasst. Der Vorwurf: Sexuelle Nötigung und Missbrauch zweier 12 und 13 Jahre alter Mädchen.

Es ist 1997. Das Internet bahnt sich langsam den Weg in unseren Alltag, Google ist noch nicht einmal gegründet, an Smartphones denkt gar niemand. Es ist auch 1997, als zwei junge Mädchen sexuell in Mannheim-Schönau belästigt und missbraucht werden. Und erst jetzt wird einer der Täter gefasst – mehr als 20 Jahre später. Zum Tatzeitpunkt ist der Gesuchte gerade mal 18 Jahre alt. 

Mit zwei weiteren Tatverdächtigen soll er die damals 12 und 13 Jahre alten Mädchen sexuell missbraucht haben. Konkret soll er sich den Mädchen genähert, sie festgehalten und daraufhin Brüste und Gesäß der Mädchen ohne deren Einwilligung angefasst haben.

Täter taucht unter und wird doch gefasst

Erst am 20. März 1998 stellt das Amtsgericht Mannheim einen Haftbefehl aus. Bereits zuvor – während der Tatzeit – hält sich der Kanadier als jugoslawischer Asylbewerber in Deutschland auf. Kurz nach der Tat taucht er, offensichtlich erfolgreich, unter. 

Die Bundespolizei, die ihn am vergangenen Freitag endlich am Frankfurter Flughafen festnehmen kann, übergibt den Mann nach so langer Zeit an die zuständigen Justizbehörden in Mannheim. Der Flüchtige reist aus dem Kosovo ein. Festgehalten werden konnte er nach Informationen der Bundespolizei, da Einreisende aus Nicht EU-Ländern beziehungsweise aus Ländern, die nicht zum Schengen-Raum gehören, bei der Einreise polizeilich geprüft werden. Nun sitzt er in Untersuchungshaft. 

Mehr als 20 Jahre: Ist die Tat verjährt?

Die Tat ist keineswegs verjährt. Zum einen stellte das Mannheimer Amtsgericht den Haftbefehl nach Informationen des Mannheimer Morgen am 24. April 2013 erneut aus. Zum anderen ist die Schwere des Strafdelikts entscheidend. Im Fall des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger können die Verjährungsfristen so bis zu 30 Jahre dauern. 

Wann beginnt die Verjährung?

Normalerweise mit der Beendigung der Tat. Ausgenommen sind wiederum besonders schwere Sexualstraftaten. Nach § 78b des Strafgesetzbuches ruht die Verjährung nach einer Gesetzesänderung vom Januar 2015 in diesem Fall bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres des Opfers. Die Tat wurde doch lange davor begangen? Richtig. Der Paragraph schließt aber Taten mit ein, die vor dem Inkrafttreten der Gesetzesänderung begangen wurden. 

Dies greift jedoch nur, wenn die Straftat nach der ersten Rechtslage verjährt ist. Im deutschen Recht kann die Verjährungsfrist für eine Tat, die einmal verjährt ist, nicht rückwirkend wiederbelebt werden. 

Derzeit wird am Mannheimer Amtsgericht geprüft, ob dies auf den Kanadier und vermeintlichen Asylbewerber zutrifft, und so ein Verfahren eingeleitet werden kann. Sollte es dazu kommen, drohen ihm zwischen 6 Monaten und 10 Jahren Haft. 

pol/chh

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