Rassismus-Debatte um Markenzeichen

Capitol enthüllt „Sarotti-Mohr“: So sieht die umstrittene Werbung jetzt aus!  

+
Die verhüllte Sarotti-Mohr-Werbung im Capitol

Mannheim - Nach einer hitzigen Rassismus-Debatte um die „Sarotti-Mohr“-Werbung hat das Capitol das umgestaltete Markenzeichen enthüllt. So sieht die Kult-Werbung jetzt aus: 

  • Im Mannheimer Capitol hängt eine alte Reklame eines Schokoladenherstellers mit dem sogenannten „Sarotti-Mohr“
  • Die „Sarotti-Mohr“-Reklame im Mannheimer Capitol sorgt in 2018 und 2019 für einen Shitstorm.
  • Am 12. Februar 2020 enthüllt das Capitol die ungestaltete „Sarotti-Mohr“-Reklame

Update, 15:30 Uhr: Im Capitol wurde am Mittwochnachmittag der neue, umgestaltete „Sarotti-Mohr“ enthüllt. Der Schriftzug „Sarotti“ und die beiden „Mohren“ an jeder Seite wurden von Georg Veit, dem künsterischen Leiter des Capitol, mit eierschalenweißer Jute und einer geflochtenen schwarzen Schnur ummantelt. „Ich wünsche mir, dass der Betrachter irritiert wird, nachdenkt und dann mit anderen ins Gespräch kommt“, sagte Veit am Mittwoch im Capitol. Die Verhüllung des „Sarotti-Mohr“ spiele auch darauf an, dass Rassismus gerne unter den Teppich gekehrt werde, so Veit. Das Capitol will die Installation bis zum 8. März belassen. 

Mannheim: „Sarotti-Mohr“ im Capitol – neues Männchen wird vorgestellt

Update vom 11. Februar 2020: Ist das schon Alltagsrassismus oder überzogene politische Korrektheit? Im Mannheimer Capitol löst diese Frage in 2018 einen regelrechten Shitstorm aus. Konkret geht es um den sogenannten „Sarotti-Mohr“, der auf einem Reklameschild im Foyer des Capitols hängt. Der „Sarotti-Mohr“ ist das Emblem des Schokoladenherstellers Sarotti, der seit 1918 auf jede Packung mit Sarotti-Schockoloade gedruckt wird. 

Im Mannheimer Capitol sorgt ein Emblem mit dem „Sarotti-Mohr“ für eine hitzige Diskussion.

Am Mittwoch (12. Februar) feiert das Capitol nun endlich die Premiere des neuen, umgestalteten „Sarotti-Mohrs“. Seit Sommer 2019 soll das veränderte Bildnis präsentiert werden; doch Mannheim musste sich jetzt doch noch einige Monate gedulden. Am Mittwoch um 13 Uhr lädt das Capitol zum Thema „Aktionstage Kein Platz für Rassismus & Vorstellung der Umgestaltung der Sarotti Werbeanlage“. Der Capitol-Betreiber erklärt: „Sie soll zum Symbol für unseren Wunsch werden, mit unseren Gästen dauerhaft im Gespräch zu bleiben.“ 

Schon im Vorfeld äußert die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland ihre Bedenken. Statt die Darstellung umzudeuten, wäre es einfacher den „Mohr“ endlich zu entsorgen: „Aus unserer Sicht ist ein Beibehalten einer so belastenden Figur wie der Sarotti M* kein geeignetes Mittel, sich mit rassistischen Bildern und Vorstellungen auseinanderzusetzen“, so Sprecher Tahir Della.

Mannheim: „Sarotti-Mohr“ sorgt für Grundsatzdebatte im Capitol 

Für die Einen ist es eine Erinnerung an ihre Kindheit, für die anderen Alltagsrassismus, der schon längst hätte entsorgt werden müssen. Die Rede ist vom „Sarotti-Mohr“, der ehemaligen Werbe-Figur des Schokoladenherstellers Sarotti, der auch im Foyer des Capitols in Mannheim angebracht ist. Im Jahr 1918 wird die Figur des „Sarotti-Mohren“ auf jede Schokoladenpackung gedruckt – ein kleines, schwarzes Männchen mit Pluderhose, Schnabelschuhen, Turban und einem Tablett in der Hand. Über die Jahre hinweg erhält das Männchen noch kleine Veränderungen, bis es im Jahr 2004 durch den „Sarotti-Magier“ ausgetauscht wird.

Mehr zum Thema: Streit um Sarotti Mohr: Capitol-Geschäftsführer wehrt sich gegen Vorwürfe aus offenem Brief

„Sarotti-Mohr“ im Capitol in Mannheim: Alltagsrassismus?

In Mannheim tobt derzeit eine Diskussion um diese Markenfigur. Auslöser ist eine Dekoration im Capitol Mannheim. Dort prangen im Foyer zwei Embleme mit der Figur des „Sarotti-Mohren“. Bereits im Oktober 2018 kochten dort die Emotionen hoch, als bei einer Veranstaltung zum Thema Alltagsrassismus Teilnehmer die beiden Symbole entdeckten und beanstandeten. 

Im Foyer prangen die beiden Embleme mit dem „Sarotti-Mohr“ über der Bar. (Archivfoto)

Der Diskussion in Mannheim, folgte eine Debatte im Internet. Die eine Seite wirft den Kritikern krankhafte politische Korrektheit vor. Die andere Seite sieht den „Sarotti-Mohr“ als kolonialrassistisches Symbol und Zeichen mangelnden Feingefühls gegenüber schwarzen Menschen.

Capitol Mannheim: Sarotti weist Kritik am Wort „Mohr“ zurück

Dieser Bedeutung widerspricht die Firma Stollwerck aus Norderstedt in einem Statement. „Aus unserer Sicht gibt es keine Veranlassung, die Marke Sarotti in diesen fragwürdige Interpretation zu bringen.“ Laut einer Sprecherin der Firma, welche die Sarotti-Schokolade herstellt, habe der Begriff „Mohr“ keinen negativen Beigeschmack. 

Das sieht der Sprachwissenschaftler Henning Lobin allerdings anders. Der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim erklärt, dass sich der Begriff seit dem 19. Jahrhundert von einer neutralen Nutzung zu einem abfällige verwendeten Wort gewandelt habe. 

Das kann man zum einen daran erkennen, dass das Adjektiv, das in Textkorpora am häufigsten mit „Mohr“ kombiniert wird, „kohlpechrabenschwarz“ lautet, zum anderen an der Tatsache, dass es heute offensichtlich andere, neutraler Worte zur Bezeichnung schwarzer Menschen gibt“, sagt Lobin. 

Erst im Jahr 2017 gab es einen Rassismus-Skandal bei der rnv in Mannheim. Mehrere Tramfahrer sollen sich Hitlergrüße gezeigt und hetzerische Bemerkungen gemacht haben. Sie wurden erst freigestellt, forderten später Schmerzensgeld vom Unternehmen.

Capitol Mannheim will „Sarotti-Mohr“ behalten – für den Dialog

Zudem würden Personen, die das Wort „Mohr“ benutzten, indirekte Kritik daran üben, dass man andere Worte, die meist noch schlimmer und beleidigender sind, gar nicht mehr benutzen dürfe. Ähnliche Diskussionen gab es in der Vergangenheit auch in Frankfurt, wo es zwei „Mohren-Apotheken“ gibt und in den Niederlanden, wo eine schwarz geschminkte Figur der Helfer des Nikolauses ist. 

Doch wie geht das Capitol in Mannheim nun mit dieser hitzigen Diskussion um den „Sarotti-Mohr“ um? Sie lassen die Embleme an Ort und Stelle stehen! „Ihre Haltung wird aber verändert. Sie soll zum Symbol unseres Wunsches werden, mit unseren Gästen dauerhaft im Gespräch zu bleiben. Eine Irritation des Betrachters ist hier gewünscht und beabsichtig, diese soll den Dialog anregen“, erklären die Betreiber in Mannheim.

Der Ort dafür ist sehr passend. Die Veranstaltung „Kein Platz für Rassismus“ wurde in den letzten Jahren bereits sechs mal im Capitol betrieben – mit 700 Teilnehmern. Das Mannheimer Kulturzentrum wurde erst im Jahr 2018 umfänglich umgebaut. Im Jahr 2020 stehen weitere Baumaßnahmen im Capitol an – doch dafür fehlt es noch an Geld. 

Mehrere Verbände sehen „Sarotti-Mohr“‘ kritisch

Kritisch sieht das Ruhan Karakul, Co-Vorsitzender der Alevitischen Gemeinde Deutschland. Er befürchtet eine „karnevaleske Verzerrung“ des „Sarotti-Mohrs“, zum Beispiel durch antirassistische Aufkleber. Als einziges Mitglied im Beratergremium des Capitols hat er für eine Abschaffung der Embleme plädiert. Denn durch den Erhalt werde Rassismus reproduziert.

Auch das Antidiskriminierungsbüro Mannheim sieht den „Sarotti-Mohr“ als inakzeptabel. Es sei ein „Paradebeispiel von wiederkehrender Alltagsdiskriminierung“. Zudem beschweren sie sich darüber, dass im Beratergremium des Capitols keine schwarze Menschen sitzen würden. Die schwarze Moderatorin und Autorin Mo Asumang steht den Betreibern als Berater zur Seite.

In die Diskussion schaltet sich auch die „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“ (ISD) mit ein. Sie sehen die Betreiber des Capitols auf dem falschen Weg. „Da fühlen sich Leute diskriminiert. Wo ist das Problem, die Figuren abzuhängen?“, fragt die Verbandssprecherin Tahir Della. 

Nicht nur im Capitol gibt es Probleme mit Relikten aus der Vergangenheit. Die Partei „Die Grünen“ will in Mannheim mehrere Straßen umbenennen, da die Namensgeber unbeschreibliche Verbrechen begangen haben.

dpa/dh

Das könnte Dich auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare