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Mannheim: 6,5 Jahre nach Großbrand – Relaishaus-Ruine noch immer Schandfleck

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Von: Peter Kiefer

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Mannheim - Es ist der Schandfleck mitten in Rheinau: Im Oktober 2015 brennt das Alte Relaishaus völlig aus – und seither steht dort eine umzäunte Ruine. Warum sich nichts tut:

Die Anwohner haben sich längst an den traurigen Anblick in der Relaisstraße gewöhnt – doch für alle anderen ist es einfach nur ein Schandfleck mitten in Mannheim-Rheinau. Denn nach dem Flammen-Inferno am 21. Oktober 2015 tut sich im denkmalgeschützten Relaishaus noch immer nichts. Das Gebäude war vor über sechs Jahren komplett ausgebrannt, sodass nur die Mauern stehengeblieben sind.

StadtteilMannheim-Rheinau
Einwohnerzahl25.298 (Stand: 31. Dez. 2019)
Fläche15,28 km²
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)

Mannheim-Rheinau: Relaishaus-Eigentümer wegen Brandstiftung verurteilt

Das Feuer im mittlerweile über 250 Jahre alten Relaishaus war für die Richter am Mannheimer Landgericht ein klarer Fall: Im Oktober 2016 verurteilten sie den Eigentümer wegen Brandstiftung zu acht Jahren Gefängnis – die drei Mitangeklagten zu fünf Jahren, zwei Jahren auf Bewährung laut Jugendstrafe für den eigentlichen Zündler sowie 15 Monate auf Bewährung.

Bei dem Brand war ein Schaden von 250.000 Euro entstanden. Der Eigentümer soll aber bei seiner Versicherung versucht haben, 500.000 Euro ‚herauszuschlagen‘, weshalb ein weiterer Anklagepunkt „versuchter Betrug“ lautete. Trotz Haft gehört dem Verurteilten das Grundstück samt historischen Gebäude noch immer.

Relaishaus in MA-Rheinau: Wie geht es mit der Brandruine weiter?

Die Stadt Mannheim ist in Sachen Altes Relaishaus relativ machtlos. So hat Baubürgermeister Ralf Eisenhauer (SPD) zuletzt bei der Online-Sitzung des Bezirksbeirates Rheinau eingestehen müssen: „Wir sind aktuell an den Grenzen unserer Möglichkeiten“, wie der Mannheimer Morgen berichtet. Demnach gäbe es weder in puncto Gebäude-Erhalt noch beim Wiederaufbau erwähnenswert Neues.

Vielmehr werde die bauliche Sicherung jeden Monat aufs Neue gecheckt, um „zumindest eine Verschlechterung des Gebäudezustandes“ zu verhindern, versichert der SPD-Politiker. Und das kostet! Die letzte offizielle Zahl aus dem Jahr 2017 belief sich bereits vor fünf Jahren auf satte 70.000 Euro.

So will sich die Stadt Mannheim ihr Geld zurückholen

Und dieses Geld will man sich im Rathaus jetzt per Zwangsvollstreckungsverfahren zurückholen. Bislang habe das jedoch nicht geklappt, wie der „MM“ unter Berufung auf Steffen Schumann vom Fachbereich Baurecht und Denkmalschutz schreibt.

Was erschwerend hinzukommt: Auf dem Grundstück, auf dem das ausgebrannte Alte Relaishaus vor sich hin gammelt, lägen noch „andere Sicherungen“. Heißt: Die Stadt muss sich mit ihren Geldforderungen hinten anstellen. Dennoch sei eine Enteignung des Eigentümers wohl derzeit kein Thema – sie sei nicht zielführend.

Das ,Alte Relaishaus‘ nach dem Brand.
Das Alte Relaishaus in Mannheim-Rheinau nach dem Brand. (Archivfoto) © MANNHEIM24

Mannheim: Zwingt Anordnung den Relaishaus-Besitzer in die Knie

Bei der Stadt setzt man eher auf ein anderes Pferd: Seit November 2020 läuft der Versuch der Stadt, den Eigentümer per denkmalschutzrechtliche Anordnung zur Wiederherstellung des ursprünglichen Gebäudezustandes zu zwingen. Ein völlig neuer Weg in Baden-Württemberg.

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Natürlich hat er dagegen Widerspruch eingelegt, über den das Regierungspräsidium Karlsruhe jedoch noch nicht entschieden hat. Doch selbst wenn die Stadt bei der Aufsichtsbehörde Erfolg haben sollte, ist zu befürchten, dass der Relaishaus-Besitzer auch hiergegen wieder gerichtlich in die Vollen geht.

Dauer-Ärger um Relaishaus-Ruine in Mannheim – bringt Baurecht die Lösung?

Eine Lösung könnte auch das Baurecht bzw. der neue Bebauungsplan bringen. Letzterer untersagt dem Eigentümer nämlich für das Gelände den womöglich lukrativen Bau von Wohnungen oder Gewerbeeinheiten, wie der „MM“ berichtet. So hofft man im Rathaus, den Besitzer doch noch zum Verkauf seines Grundstücks an die Stadt bewegen zu können. Bislang scheiterte dies jedoch immer an der völlig überzogenen Geldforderung vonseiten des potenziellen Verkäufers.

Dennoch zeigt sich die Stadt optimistisch und hat pro forma schon einmal bezüglicher eventueller Fördergelder für einen Wiederaufbau die Fühler ausgestreckt. Finanzielle Mittel gäbe es vom Denkmalschutz jedoch nur für die Restaurierung beschädigter Bausubstanz – nicht für Neubauten. (pek)

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