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Mannheim: Flusspferde im Rhein? Forscher machen hippopotastische Erkenntnis

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Von: Florian Römer

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Flusspferde lebten bis vor 30.000 Jahren am Oberrheingraben. (Fotomontage)
Flusspferde im Rhein. (Fotomontage) © freepik.com-Byrdyak/Eliran Kendi/Fotomontage HEADLINE24

Mannheim - Flusspferde im Rhein? Die Dickhäuter findet man doch nur in Afrika! Das war aber nicht immer so, wie Wissenschaftler der Reiss-Engelhorn-Museen herausgefunden haben:

Mit Flusspferden verbindet man gemeinhin afrikanische Landschaften ‒ dass die Kolosse auch einmal in unseren Gefilden lebten, ist kaum vorstellbar. Und doch: Noch vor rund 30.000 Jahren tummelten sich die mächtigen Tiere im Rhein. Dies ist die Erkenntnis eines interdisziplinären Forscher-Teams, das im Rahmen des Projekts „Eiszeitfenster Oberrheingraben“ Hunderte von Knochenfunden auswertete, wie die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim am Mittwoch (27. Oktober) mitteilten.

Mannheim: Flusspferde lebten bis vor 30.000 Jahren am Rhein

Das Spektakuläre an dem Forschungsergebnis ist der Zeitpunkt, zu dem „Hippopotamus amphibius“ noch in der Region lebte. Bisheriger Wissensstand war, dass die wärmeliebende Art hier bereits am Ende der letzten Warmzeit vor 116.000 Jahren ausgestorben ist. Dies muss nach den Untersuchungen der Experten der Reiss-Engelhorn-Museen, des Curt-Engelhorn-Zentrums Archäometrie sowie der Universität Potsdam wohl revidiert werden.

StadtMannheim
Fläche310.658 (Stand: 31. Dez. 2019)
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OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)

Sie fanden auf Basis der Radiocarbonmethode heraus, dass zwischen 48.000 und 30.000 Jahren vor unserer Zeit noch Flusspferde im Oberrheingebiet lebten. „Das Flusspferd ist am Rhein also ein waschechter Eiszeit-Bewohner. Das zeigt, dass die Tiere in der Lage waren, sich gut an die entsprechenden Temperaturen und Umweltverhältnisse im kaltzeitlichen Oberrheingraben anzupassen“, erläuterte Museums-Generaldirektor Wilfried Rosendahl in Mannheim. Die neusten Forschungsergebnisse fließen in die bis Mitte Februar 2022 dauernde Sonderausstellung „Eiszeit-Safari“ ein, in der nun auch eine lebensechte Rekonstruktion eines Flusspferdes zu sehen ist.

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Eiszeitfenster Oberrheingraben“ wurden 30 Flusspferdfunde aus unterschiedlichen Kiesgruben im Oberrheingraben mit der C14-Methode untersucht. Die Altersbestimmung ergab, dass zwischen 48.000 und 30.000 Jahre vor heute noch Flusspferde im Oberrheingebiet lebten. Damit ist bewiesen, dass Flusspferde während der letzten Kaltzeit gleichzeitig mit Mammut, Wollhaarnashorn, Höhlenlöwe und Co. in der Region heimisch waren.
© rem, Foto: Rebecca Kind
Lebensechte Rekonstruktion eines Flusspferdes in der Ausstellung „Eiszeit-Safari“. © rem, Foto: Rebecca Kind

Mannheim: Eiszeit-Klima milder als bislang angenommen

Es ist schon erstaunlich, wie gut die Knochen erhalten sind. An vielen Skelettresten war es möglich auswertbare Proben zu entnehmen – nach dieser langen Zeit keine Selbstverständlichkeit“, betont Dr. Ronny Friedrich, Experte für Altersbestimmung am Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie. Insgesamt 30 Flusspferdfunde haben er und sein Team mit der C14-Methode untersucht. Damit sei bewiesen, dass Flusspferde während der letzten Kaltzeit gleichzeitig mit Mammut, Wollhaarnashorn, Höhlenlöwe und Co. in der Region heimisch waren.

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Eine weitere Untersuchung stützt die Schlussfolgerung, dass das Klima im Oberrheingraben milder war als bisher allgemein angenommen. Neben Knochen wurden auch Holzfunde mit der C14-Methode analysiert. Dabei kam heraus, dass es sich um Eichen mit einem Umfang von bis zu 80 Zentimetern handelt, die vor rund 40.000 Jahren in der Oberrheinregion wuchsen. „In der letzten Eiszeit wuchsen in unserer Region noch stattliche Eichen – etwas, was wir bisher nicht für möglich gehalten haben.“ ergänzt Rosendahl. Der Oberrheingraben erstreckt sich von Basel bis Frankfurt. (rmx/dpa/pm)

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