Bricht mehrfach das 7. Gebot

„Ich kann nicht mit Geld umgehen“: Priester wegen Betrug vor Gericht

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Ein Priester steht wegen Betrugs in mehreren Fällen vor dem Landgericht in Mannheim. (Symbolfoto)

Mannheim - Ein Priester soll in mehreren Fällen Geld durch Betrug erbeutet haben – fast 228.000 Euro! Jetzt muss er sich dafür vor Gericht verantworten.

Schon in der Bibel steht geschrieben: Du sollst nicht stehlen! Gegen das 7. Gebot hat ein Priester mehrfach verstoßen – und damit viel Geld erbeutet. Dafür muss er sich ab Dienstag (11. September) vor dem Mannheimer Landgericht verantworten.

+++ UPDATE (20:50 Uhr): 

Ich kann nicht mit Geld umgehen", so der ehemalige Pfarrer aus Lahr vor dem Landgericht Mannheim. Trotz eines Bruttoeinkommens von bis zu 15.000 Euro im Monat aus seinem Gehalt als Geistlicher und Einnahmen aus seiner Tätigkeit als Unternehmensberater sei ihm das Geld durch die Finger geflossen. 

Er sei auch nach mehr als zehn Jahren aus dem Jesuitenorden ausgetreten, da dessen Gelübde, in Armut zu leben, nicht zu ihm passe. Ein Taschengeld von 120 Euro monatlich sei für ihn irgendwann nicht mehr akzeptabel gewesen. 

Der 54-Jährige muss sich nicht nur wegen des Betrugsvorwurfs, sondern auch wegen des Verdachtes der Untreue und Urkundenfälschung in zahlreichen Fällen vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Betrug und Untreue in 89 Fällen zu Lasten des Caritasverbandes Lahr vor.

Rechnungen stellte er für seine eigene Tätigkeit über eine estnische Firma aus, an der er und ein Freund je die Hälfte besaßen. Die Rechnungen versah er - ohne Befugnis - mit Handzeichen für sachliche Richtigkeit. Der Freundschaftspreis für den Verband belief sich auf 1.200 Euro pro Arbeitstag

Die Leitungskräfte im Caritasverband hätten das stillschweigend geduldet - eine Darstellung, die das Gericht bezweifelt. Die dazu vernommenen Zeugen hätten keine Ahnung davon gehabt, sagt Richter Ratzel. 

Der auch zeitweise als Religionslehrer tätige Mann kann kaum angeben, wofür er die unter Vorspiegelungen und falschen Angaben erhaltenen Summen ausgegeben habe. Ich habe nicht drauf geachtet." Richter Ratzel hält ihm eine Aufstellung von Ausgaben in Höhe von mehr als einer Million Euro in den Jahren 2013 bis 2017 vor - darunter Kosten für Reisen, Computer und Auto, aber keine Investitionen oder Rücklagen. 

Überdies schildert der Angeklagte, wie er Bekannte in Geldnöten unterstützt habe. Sich selbst bescheinigte er aber, „gut katholisch" zu sein.

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In mehreren Fällen soll der 54-Jährige Organisationen abgezogen haben – Opfer sind der Caritasverband, eine Ordensgemeinschaft und ein Pfarramt. Auf diese Art soll er bis zu 228.000 Euro erbeutet haben! Für den Prozess sind 20 Verhandlungstage bis zum 27. November angesetzt.

Gelogen und betrogen

Als ehrenamtlicher Leiter eines lokalen Caritasverbandes soll er zwischen Anfang 2013 und April 2017 etwa 195.500 Euro erbeutet haben – dafür schrieb er 72 Rechnungen einer ausländischen Firma. Wie sich herausstellte, handelt es sich dabei um die Tochterfirma eines Unternehmens, an dem der Priester zur Hälfte beteiligt sein soll. 

Das habe er aber verheimlicht und andere Namen auf die Rechnungen geschrieben. Von der Beute habe er dann 164.000 Euro behalten – der Rest ging an die Firma.

Auch den Caritasverband soll er übers Ohr gehauen haben. Dafür soll er Auslagen für ein betreutes Pilgerprojekt erfunden haben – und das gleich elf mal! Durch diese Aktion soll er noch weitere 16.900 Euro abgestaubt haben. 

In die Kasse gegriffen

Zwischen August 2013 und Juni 2014 soll der Geistliche vier Projekte der Caritas erfunden haben. Eine Ordensgemeinschaft zahlte dafür insgesamt 21.000 Euro. Zuletzt soll der 54-Jährige sogar im Sommer 2017 in die Kasse eines Pfarramts gegriffen haben und 4.000 Euro geklaut haben. 

dpa/dh

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