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Mannheim: Tattoostudio-Besitzer brutal verprügelt – Rocker stehen vor Gericht

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Von: Daniel Hagen

Das Mannheimer Landgericht.
Eine Gruppe verprügelt einen Studio-Besitzer, damit dieser einen Vertrag unterschreibt. (Archivfoto) © MANNHEIM24

Mannheim - Mehrere Personen locken einen Mann in ein Tattoostudio und prügeln dort auf ihn ein. Damit wollen sie ihn dazu zwingen, einen Vertrag zu unterschreiben – und landen vor Gericht.

Update vom 6. Oktober: Am Mittwoch beginnt in Mannheim der Prozess gegen sieben Angeklagte, die im Dezember 2020 den Besitzer eines Tattoostudios in eine Falle gelockt und dort verprügelt haben sollen. Das Opfer sollte dadurch dazu gebracht werden, auf seinen Laden in Hockenheim zu verzichten. Wie der Mannheimer Morgen berichtet, handelt es sich um mehrere Männer aus dem Rocker-Milieu, die Mitglied eines Motorrad-Clubs in Karlsruhe sind. Einem Mann und einer Frau wird zudem Beihilfe und Anstiftung, sowie Bestechung eines Justizbeamten der JVA Mannheim, vorgeworfen.

Die Anwälte der Angeklagten stellen am ersten Prozesstag am Landgericht Mannheim einen Antrag und klagen darüber, dass die Kammer „vorschriftswidrig“ besetzt sei. Grund dafür ist das Einspringen einer Ersatzrichterin – was der Vorsitzende Richter aber zurückweist. Die Verhandlung wird daher fortgesetzt.

Mannheim: Anschlag auf Studio-Besitzer – wegen eines Vertrags

Erstmeldung: Als ein Mann sich mit einem Geschäftspartner zu einem Termin vor seinem Tattoostudio trifft, kann er noch nicht ahnen, welches Martyrium er bald durchleben muss. Denn in dem Laden befinden sich mehrere Personen, die mit Eisenstangen, Messern und Quarzhandschuhen bewaffnet auf den Besitzer warten. Als dieser eintritt, schlagen die Angreifer zu! Das Verbrechen hat sich laut Anklage des Landgerichts Mannheim* am 7. Dezember 2020 abgespielt. Insgesamt sieben Personen sitzen ab Mittwoch (6. Oktober) dafür auf der Anklagebank. Ihnen wird unter anderem versuchter Totschlag, schwerer Raub und Beihilfe zum schweren Raub vorgeworfen. Die genauen Hintergründe der Bluttat verrät MANNHEIM24*.

In der Zeit vor dem 7. Dezember 2020 soll der Angeklagte Hagen R. die Mitangeklagten Uwe M., Ledian O., Leutrim K., Marc M. sowie Timo F. dazu aufgefordert haben, den Besitzer eines Tattoostudios anzugreifen. Mit Gewalt soll dieser davon überzeugt werden, auf sämtliche Rechte an einem im Rhein-Neckar-Kreis (Baden-Württemberg*) gelegenen Laden zu verzichten. Dafür ist sogar ein Vertrag aufgelegt worden, den der Nebenkläger nur noch ausfüllen muss.

NameMannheim
BundeslandBaden-Württemberg
Einwohnerzahl310.658 (Stand: 31. Dezember 2019)
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)

Mannheim: Wegen Vertrag – Studio-Besitzer wird verprüfgelt

Am Tattag trifft sich das Opfer dann mit Leutrim K. zu einem Geschäftstermin vor dem Studio. Die Angeklagte Natascha L. besitzt einen Schlüssel zu dem Laden und soll zuvor ihre Komplizen hineingelassen haben. Als der Besitzer das Geschäft betritt, bricht plötzlich die Hölle über ihn herein. Uwe M., Ledian O. und Marc M. sollen mit weiteren Personen und mit Eisenstangen, Messern und Quarzhandschuhen bewaffnet ohne Vorwarnung angegriffen haben. Zusammen schlagen und treten sie auf den Nebenkläger ein, der aber nicht kampflos nachgibt.

Nachdem das Opfer unter anderem Leutrim K. einen Schlag auf die Nase verpasst hat, soll der in Tötungsabsicht mit einem Messer in den Oberkörper des Studio-Besitzers eingestochen haben. Der Stich führt zu einer Perforation der Lunge! Aufgrund der schweren Misshandlungen unterschreibt der Nebenkläger den Vertrag und übergibt sämtliche Zugangsdaten und Passwörter zu den Social-Media-Kanälen des Ladens an seine Peiniger. Die klauen zudem noch eine Umhängetasche, in der sich knapp 1.000 Euro befinden.

Mannheim: Opfer kehrt zurück – und beobachtet Diebstahl

Der Besitzer flieht anschließend in seinem Auto, kehrt aber zurück zum Tattoostudio, als er bemerkt, dass seine Tasche mit dem Geld fehlt. Dort wird er dann Zeuge davon, wie Marc M. einen Fernseher aus den Räumen stiehlt und in die nahe gelegene Wohnung von Natascha L. tragen will. Die Angeklagte und ihr Sohn sollen bereits mehrfach Gegenstände von dort gestohlen haben. Zum Schutz seines Eigentums und trotz seiner Verletzungen greift der Nebenkläger Marc M. an. Als der Kampf zwischen den beiden Männern endet, soll Natascha L. dem Studio-Besitzer mit einer Glasflasche gegen den Kopf geschlagen haben! Der erleidet durch den Schlag nicht nur eine Kopfplatzwunde sondern verliert auch kurzfristig sein Gehör.

Der Eingang der JVA Mannheim.
Zwei Angeklagte sollen einen Wärter der JVA Mannheim bestochen haben. (Symbolfoto) © Markus Prosswitz/Masterpress/dpa

Gegen die Angeklagten Natascha L. und Hagen R. gibt es zudem noch weitere Vorwürfe. Beide sollen einen Justizvollzugsbeamten der JVA Mannheim bestochen haben, um Drogen und Mobiltelefone in das Gefängnis zu schmuggeln. Bereits am 12. Juli 2020 soll der Beamte von Natascha L. ein verschweißtes Päckchen mit zwei Mobiltelefonen erhalten und in der JVA an Hagen R. weitergegben haben. Dafür soll der Wachmann 400 Euro erhalten haben.

Mannheim: Zwei Angeklagte sollen JVA-Wärter bestochen haben

Am 31. Juli soll sich dieser Vorgang wiederholt haben. Nur mit dem Unterschied, dass es dieses Mal um vier verschweißte Päckchen mit vier Mobiltelefonen samt Mobilfunkkarten, Ladegeräten und Kopfhörern sowie rund 77 Gramm Marihuana und rund 18 Gramm Haschisch geht. Die Drogen sollte der Angeklagte im Gefängnis verkauft. Der Beamte erhält dieses Mal 500 Euro als Belohnung. Der Plan geht allerdings schief und der Rucksack kann einen Tag später sichergestellt werden. Das Gericht hat den JVA-Wärter bereits zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Der Prozess am Landgericht Mannheim beginnt am Mittwoch (6. Oktober). Insgesamt sind neun Prozesstage angesetzt. Das Urteil könnte am 29. November fallen. Am Landgericht Heidelberg hat bereits Anfang September die Verhandlung gegen einen 66-Jährigen begonnen. Der soll mehrere Briefbomben an große Unternehmen versendet haben*. (pm/dh) MANNHEIM24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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