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Tödlicher Einsatz am Marktplatz: Ermittlung gegen Polizisten – Psychologin eingeschaltet

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Von: Marten Kopf

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Mannheim - Nach dem tödlichen Polizeieinsatz am Marktplatz sitzt der Schock in der Quadratestadt tief. Im Gemeinderat steht nun der Polizeipräsident Rede und Antwort – und findet deutliche Worte.

Der Polizeieinsatz, der für einen 47-Jährigen am Montag (2. Mai) auf dem belebten Marktplatz mitten in Mannheim tödlich endet, hat eine Debatte entfacht. Eigentlich sogar gleich zwei. Zum einen steht der Verdacht im Raum, die beiden Beamten, die den Patienten des nahegelegenen Zentralinstituts für seelische Gesundheit festzunehmen versuchten, seien übermäßig hart vorgegangen, hätten womöglich gar zugeschlagen.

StadtMannheim (Baden-Württemberg)
Fläche145 km²
Bevölkerung309.721 (Stand: 31. Dezember 2020)
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)

Tod nach Polizeieinsatz am Marktplatz: Demos gegen Polizeigewalt in Mannheim

Schon wenige Stunden nach dem Vorfall versammeln sich zahlreiche Menschen auf dem Marktplatz, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren. Auslöser ist vor allem ein Video, das ebenfalls schon am Montag im Netz kursiert und zeigt, wie ein Polizist dem am Boden Liegenden offensichtlich mehrfach mit der Faust ins Gesicht schlägt. Und hier sind wir bei Debatte Nummer 2.

Denn Zeugenaussagen und eben solche Handyvideos sind das einzige, was der Aufklärung zum Fall in Mannheim dienen kann. Die Bodycams nämlich, die Polizisten an der Uniform tragen und die eben solche Situationen eigentlich dokumentieren sollen, waren zum Zeitpunkt des Geschehens ausgeschaltet. Warum das der Fall war, ist nun ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen.

Polizeipräsident zu tödlichem Einsatz in Mannheim: Beamte suspendiert

Die beiden Beamten sind inzwischen vom Dienst suspendiert. Gegen die Mannheimer Polizisten wird wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt mit Todesfolge ermittelt. Das hatte Siegfried Kollmar, Präsident des Polizeipräsidiums Mannheim, schon am Mittwochabend auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Am Tag darauf ist Kollmar dann Gast im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung des Mannheimer Gemeinderats.

Dort betont er, den Fall transparent und umfangreich aufklären – und alle Konsequenzen aus dem möglichen Fehlverhalten der Beamten ziehen zu wollen. Zuerst berichtete der Mannheimer Morgen über die Inhalte der Sitzung. Eine Suspendierung könne nur erfolgen, „wenn das Ziel die Entlassung ist“, zitiert die Zeitung Mannheims obersten Polizeibeamten.

Siegfried Kollmar, Polizeipräsident des Polizeipräsidium Mannheim, spricht während einer Pressekonferenz zum Amok-Lauf in Heidelberg.
Siegfried Kollmar, Präsident des Polizeipräsidiums Mannheim (Archivbild) © Sebastian Gollnow/dpa

Nach tödlichem Polizeieinsatz in Mannheim: Familie tritt als Nebenklägerin auf

Und weiter: „Die Marschrichtung ist klar: Wenn sich der Verdacht erhärten und bestätigen würde, werden sie bei uns nicht mehr froh“. Das sind ausgesprochen deutliche, beinahe schon drohende Worte gegenüber den Kollegen. Vor einigen Tagen hatte Kollmar die beiden andererseits vor Drohungen aus der Bevölkerung in Schutz genommen, wie auch merkur.de berichtet. Kollmar sagt im Ausschuss aber auch, den Beamten habe es den Boden unter den Füßen weggerissen, sie würden von einer Psychologin betreut.

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Laut Mannheimer Morgen wird die Familie des Verstorbenen beim voraussichtlichen Prozess gegen die Beamten als Nebenklägerin auftreten. Kollmar habe inzwischen auch mit dem Rechtsanwalt der Angehörigen telefoniert. Nach dem Prozess wolle er dann den direkten Kontakt zur Familie des Verstorbenen sowie das Gespräch suchen. (mko)

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