Tätliche Angriffe, Böllerwürfe und Schüsse 

Mannheim: Nach Eskalation am „Plankenkopf“ – Polizei startet Ermittlungsarbeit

Mannheim – Am Wochenende (8. und 9. Mai) kommt es am „Plankenkopf“ in der Innenstadt zu hässlichen Szenen. Jugendliche werden gegenüber Polizisten handgreiflich – jetzt erste Ermittlungsergebnisse vor:

  • Mannheim: Sogenannte „Corona-Streifen“ der Polizei sollen die Einhaltung der Corona-Verordnung kontrollieren. 
  • Wie bereits tags zuvor versammeln sich am Samstagabend (9. Mai) mehrere Jugendliche auf den Planken in Mannheim
  • Als die Polizisten die Gruppe kontrollieren will, eskaliert die Situation abermals.
  • Auf Instagram taucht ein Video des Polizeieinsatzes am Freitag auf – wer hat die ungekürzte Version?
  • GdP-Chef kritisiert Video-Verbreitung scharf. 

Update vom 11. Mai, 19 Uhr: Nach den hässlichen Szenen am Wochenende dreht sich die Gewaltspirale im Netz weiter. Unbekannt Rufen in den „Sozialen Medien“ zu Randale und Gewalt gegen Polizeibeamte auf. Die neu eingerichtete Polizei-Gruppe „Plankenkopf“ ermittelt. 

Eskalation bei Corona-Streife: Erste Ergebnisse der Ermittlungsgruppe „Plankenkopf“

Update vom 11. Mai, 14:00 Uhr: Das Polizeipräsidium Mannheim hat die Ermittlungsgruppe „Plankenkopf“ eingerichtet, um die Ereignisse vom Wochenende aufzuarbeiten. Pöbelnde Jugendliche haben sich den Anweisungen der Beamten zur Durchsetzung der Corona-Verordnung widersetzt und teilweise Polizisten angegriffen. Die eingesetzte Ermittlungsgruppe arbeitet unter der Leitung des „Haus des Jugendrechts“ und besteht aus insgesamt neun Mitgliedern. In die Ermittlungen sind sowohl Datenanalysten für Recherchen in „Sozialen Medien“ als auch Jugendsachbearbeiter des „Haus des Jugendrechts“ des Polizeipräsidiums Rheinpfalz aus Ludwigshafen eingebunden. Erste Nachforschungen haben ergeben, dass über das vergangene Wochenende der „Plankenkopf“ Anziehungspunkt für Mannheimer und Ludwigshafener Jugendliche gewesen ist.

Eskalation bei Corona-Streife: „Unfassbar“ – GdP-Chef kritisiert Video-Verbreitung

Update vom 11. Mai, 8:20 Uhr: Auch Thomas Mohr, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), äußert sich zum Vorfall am „Plankenkopf“. Auf Facebook kritisiert er scharf die Verbreitung des Instagram-Videos. Er schreibt: „Wenn nun hier ein aus dem Zusammenhang gerissenes Handyvideo publiziert wird und damit der Polizei rechtswidriges Einschreiten unterstellt wird, ist das sehr einseitig und entspricht nicht dem Eindruck, der erweckt werden soll. Meine Kollegen in den Kommentaren zu beleidigen und die als Opfer darzustellen, die gegen Rechtsvorschriften verstoßen haben, ist unfassbar und zeigt wie manche sich von einer Videosequenz manipulieren lassen. Unsere Polizisten tragen auch Bodycams und da wird die gesamte Sequenz zu sehen sein, welche dieses Einschreiten rechtfertigt.

Mohr postet außerdem das Instagram-Profil eines Mannes, der offenbar das Video ebenfalls verbreitet hat. Dazu schreibt der GdP-Vorsitzende: „Ich könnte ihnen die ganze Geschichte hier schreiben, wer tatsächlich die Ursache gesetzt hat, aber daran haben sie wohl kein Interesse. Die Ermittlungen werden da mehr Licht an den Tag bringen und die Auswertung der Bodycams, welche unsere Polizisten in Mannheim tragen. Was ich ihnen persönlich aber übel nehme, dass sie durch ihren Post denen eine Plattform gegeben haben, die meine Kolleginnen und Kollegen auf das Übelste beleidigen. Ich kenne alle von ihnen und weiß, dass die gerade in der Coronakrise einen tollen Job machen und täglich ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen.“

Mannheim: Eskalation bei "Corona-Streife" – das plant nun die Polizei

Update vom 10. Mai, 17:00 Uhr: An zwei aufeinander folgenden Abenden (8. und 9. Mai) kommt es am „Plankenkopf“ in der Mannheimer Innenstadt zu Ansammlungen von Jugendlichen und Heranwachsenden. Tätliche Angriffe, Böllerwürfe und Schüsse aus einer Schreckschusspistole sind Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen. Nun reagiert das Polizeipräsidium Mannheim in einer Pressemitteilung mit folgender Ankündigung: 

Ab sofort werden die Jugendschutzstreifen unter Einbindung von Streetworkern und Jugendsozialarbeitern ‚Jugend mobil‘ der Stadt Mannheim in der Innenstadt, insbesondere an bekannten Treffpunkten Jugendlicher und Heranwachsender intensiviert. Gegen identifizierte Straftäter und aggressive Störer gehen wir gemeinsam und konsequent vor. Bußgeldbescheide, Platzverweise und in letzter Konsequenz auch Gewahrsamnahmen sind die Instrumente, um nachhaltig auch Gefahren für Passanten und Unbeteiligte abzuwehren und Sachschäden sowie sonstige Beeinträchtigen zu verhindern. Auch Aufenthaltsverbote und in der Folge das Androhung von Zwangsgeldern fließen in die Überlegungen zur Befriedung der Situation mit ein. Gegen einzelne festgestellte Täter werden Aufenthaltsverbote allerdings direkt verhängt.“

Außerdem teilt die Polizei mit, dass bezüglich der abgefeuerten Schüsse aus einer Schreckschusspistole bereits erste Hinweise eingegangen sind. Zeugen, die weitere Hinweise zu dem bislang noch unbekannten Täter geben können, werden gebeten, sich mit dem Polizeipräsidium Mannheim ☎  0621/174-0 in Verbindung zu setzen.

Mannheim: Zweiter Großeinsatz der Polizei binnen 24 Stunden

Erstmeldung vom 10. Mai, 11:30 Uhr: Es ist ein zugleich trauriger als auch besorgniserregender Trend: Seit Jahren steigt in Baden-Württemberg die Gewalt gegen Polizeibeamte – das belegen die Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik. Im Zuge der durch die Ausbreitung des Coronavirus bedingten Kontaktverbots scheinen bei einigen Jugendlichen nun alle Sicherungen durchzubrennen. In Mannheim eskaliert die Situation erstmals am frühen Abend des 8. Mai: Als eine sogenannte „Corona-Streife“ eine größere Ansammlung von eng aneinander gedrängten Jugendlichen antrifft, werden diese auf die Corona-Verordnung hingewiesen. Von Einsicht keine Spur – im Gegenteil! Die Beamten werden in Halbstarken-Manier angepöbelt und angegriffen. Es folgt ein Großeinsatz der Polizei.

Vor dem Hintergrund der umfangreichen Lockerungsmaßnahmen in Mannheim, ist das aggressive und uneinsichtige Verhalten der Jugendlichen umso weniger nachvollziehbar.  

Mannheim: Jugendliche bewerfen Polizisten mit Böllern

Gerade einmal 24 Stunden später ist die nächste Eskalationsstufe erreicht. Wieder versammeln sich am „Plankenkopf“ in den Quadraten P7/O7 rund 250 Personen. Nach Angaben der Polizei sind darunter auch 30-50 Personen im jugendlichen und heranwachsenden Alter, die eng aneinander stehen und so gegen das Kontaktverbot und die Abstandsregeln verstoßen. 

Für gewöhnlich ist der „Plankenkopf“ ein Ort zum entspannten Verweilen und Flanieren (Archivbild). 

Gegen 18:30 Uhr treffen die ersten Polizeibeamten ein und fordern die Jugendlichen auf, auseinander zu gehen. Daraufhin werden aus der Gruppe heraus erste Böller auf die Beamten geworfen. Zwei Beamte erleiden durch die Knallkörper leichte Verletzungen, können den Dienst aber fortsetzen.

In der Folge können drei minderjährige Tatverdächtige vorläufig festgenommen werden. Die jüngste Person ist gerade einmal 13 Jahre alt.

Mannheim: Schreckschuss-Waffe in der „Fressgasse“ abgefeuert 

In der unübersichtlichen Situation lösen sich einzelne Kleingruppen aus der Ansammlung heraus und ziehen über die Planken und die „Fressgasse“ in Richtung Paradeplatz. Daher beordert die Polizei weitere Streifenwagenbesatzungen nach und nach in die Mannheimer Innenstadt

Auf ihrem Weg zum Paradeplatz werden in der „Fressgasse“ – kurz vor der „Breiten Straße“ – aus einer dieser Gruppierungen heraus mehrere Schüsse aus einer Schreckschusspistole abgegeben. Munitionshülsen werden später bei einer Absuche vor einem Juweliergeschäft in der „Fressgasse“ aufgefunden und sichergestellt.

Mannheim: Großeinsatz der Polizei nach drei Stunden beendet 

Allen Personen, die an den Ansammlungen beteiligten sind, werden Platzverweise erteilt, denen sie zum Teil erst nach einigem Zögern Folge leisten. Nach rund drei Stunden ist der Polizeieinsatz beendet. Erst gegen 21:30 Uhr normalisiert sich die Situation in der Mannheimer Innenstadt wieder.

Insgesamt sind über 30 Streifenwagenbesatzungen im Einsatz. Neben der Besatzungen aller Mannheimer Polizeireviere, sind auch Beamte umliegender Reviere, Beamte der Wasserschutzpolizei und der Bereitschaftspolizei sowie städtische Mitarbeiter des Ordnungsdienstes an dem Einsatz beteiligt.

Mannheim: Video vom Einsatz am Freitag auf Instagram aufgetaucht 

Im Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz von Freitag kursiert auf Instagram eine kurze Videosequenz, in dem ein Beamter einen Jugendlichen überwältigt und am Boden festhält. 

Auf Anfrage von MANNHEIM24 verweist Polizeipressesprecher Dieter Klumpp darauf, dass das Video gekürzt ist und genauer geprüft werden muss. In einer weiteren Pressemitteilung betont die Mannheimer Polizei die Dringlichkeit, Einsicht in das ungekürzte Videomaterial zu bekommen, um den genauen Hergang bewerten zu können. 

Falls Du im Besitz dieses ungekürzten Videos bist, melde Dich bitte beim Polizeipräsidium Mannheim unter ☎ 0621/174-0 oder sende das Video per Mail an mannheim.pp@polizei.bwl.de.

pol/esk 

Rubriklistenbild: © MANNHEIM24/dpa

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