Mysteriöser Pinguin-Klau

Tierraub in deutschen Zoos – Mannheim kein Einzelfall

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Der Haupteingang des Mannheimer Luisenparks.

Mannheim – Geraubte Papageien in Krefeld, geklaute Affen in Magdeburg, gestohlene Bussarde in Berlin: Tierdiebe nehmen aus deutschen Zoos seit Jahren fast alles mit, was kreucht und fleucht.

+++UPDATE, Freitag, 3. März: Der heiß erwartete Pinguin-Obduktionsbericht durch zwei Tierärzte des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts (CVUA) in Karlsruhe hat nun ergeben: Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat ein Raubtier den Pinguin getötet!+++

+++ UDPATE Donnerstag, 16. Februar: Der Pinguin wurde tot am Rande eines Parkplatzes gefunden. Die Polizei geht davon aus, dass der Täter sich des Tieres an der Fundstelle entledigt hat. Ob der junge Pinguin zu diesem Zeitpunkt noch lebte, ist nicht bekannt. +++

Ist nun Mannheim das jüngste Opfer einer meist gut organisierten Gruppe geworden?

Der Pinguin-Klau im Luisenpark sorgt in der ganzen Region für Ratlosigkeit und Besorgnis. Trotz intensiver Suche fehlt weiterhin jede Spur von dem Vogel mit der Nummer 53. Dass ein Jugendlicher aus Übermut über den niedrigen Zaun gegriffen und das fünf Kilogramm schwere Tier mitgenommen haben könnte, sei unwahrscheinlich: „Ein gewerbsmäßiger Diebstahl ist denkbar, obwohl eine Prognose sehr schwierig ist", so ein Sprecher der Mannheimer Polizei. 

„Besonders begehrt sind hochbedrohte Arten, vor allem im Vogel- und Reptilienbereich", sagt Geschäftsführer Volker Homes vom Verband der Zoologischen Gärten (VdZ). Das Profil passt zumindest - der Humboldt-Pinguin gilt als gefährdete Art. Und der Vogel scheint begehrt: Jeweils drei Exemplare wurden 2015 in Dortmund und viele Jahre zuvor in Heidelberg geraubt.

Humboldt-Pinguine sind begehrt

„Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass es die am meisten verbreitete Pinguin-Art in Deutschland ist", sagt Christina Schubert vom Verein Sphenisco zum Schutz des Humboldt-Pinguins. Ohne Aufwand könnten Humboldt-Pinguine im Freigehege gehalten werden. „Dagegen leben in Frankfurt etwa Eselspinguine aus klimatischen Gründen hinter Panzerglas", sagt die Expertin des Tierparks in Landau. Auch sie zweifelt im Fall Mannheim an einem Streich: „Mit Pinguinen muss man umgehen können. Sie sind wehrhaft und können einen verletzen." Auch aus der Stuttgarter Wilhelma verschwand 2010 ein Brillenpinguin. Aufgeklärt ist das bis heute nicht - wie die meisten Fälle. Es gehe oft um organisierte Kriminalität, meint Homes vom VdZ. „Über die Täter weiß man nur sehr wenig. Sie zu fassen, ist extrem schwer." 

Florierender Handel auf dem Schwarzmarkt

Die Zoos sollten sich zusammenschließen und etwa Detektive mit der Suche nach den Tieren beauftragen, schlägt der Krefelder Zoo-Direktor Wolfgang Dreßen vor. 

„Wir sprechen hier schließlich von einem gut organisierten und europaweiten illegalen Tierhandel", meint er. Aus seinem Zoo waren unter anderem zwei seltene Hyazinth-Aras (Papageien) und drei Goldene Löwenäffchen estohlen worden. Auf dem Schwarzmarkt zahlen Interessenten für ein Äffchen schätzungsweise bis zu 30.000 Euro. 

Offenbar gibt es nichts, auf das es Diebe nicht abgesehen haben: In Brandenburg verschwanden drei Känguru-Babys, in Suhl stahlen Einbrecher eine Würgeschlange und in Bremerhaven einen Flamingo. Neben dem finanziellen und emotionalen Verlust sei das Verschwinden eines Tiers auch immer ein Schlag für den Artenschutz, sagtAlexandra Wind vom Luisenpark in Mannheim. Grundsätzlich müssen zwar in Zoos vor allem Menschen vor Tieren geschützt werden. Mit zunehmenden Diebstählen allerdings sehen sich die Parks gezwungen, umgekehrt die Tiere vor Menschen in Sicherheit zu bringen. 

Herausforderung für Tierpark-Betreiber

Totale Überwachung sei allerdings unmöglich, geben Tierparkbetreiber zu bedenken. Wachdienste kontrollieren meist nur einen Teil des oft unübersichtlichen Geländes, und Alarmanlagen gelten selten als effektiv. Zudem können viele Tiere nachts nicht eingesperrt werden. „Es kommt immer mal wieder vor, dass jemand nachts in den Zoo gelangt - etwa Jugendliche oder Obdachlose", erzählt Vize-Direktor Clemens Becker vom Zoologischen Stadtgarten in Karlsruhe. Auf dem relativ offenen und zugänglichen Gelände arbeite aber ein Sicherheitsdienst. „Größere Fälle von Vandalismus sind nicht vorgekommen", sagt Becker. Anderswo wollen Tierparks nachrüsten - etwa in Mannheim, wo die Suche nach Pinguin „53“ andauert. Bisher verlaufen am Gehege Elektrodrähte. „Die schrecken aber weniger Diebe ab als vielmehr Raubtiere wie etwa Füchse", sagt ein Polizeisprecher. Die Tierrechtsorganisation PETA findet den Schutz unzureichend (WIR BERICHTETEN).

Kameraüberwachung im Luisenpark?

Die Betreiber des Luisenparks erwägen nun eine Kameraüberwachung. Und sie hoffen, dass ihr Pinguin mit der Marke Nummer 53 vielleicht doch aus Leichtsinn mitgenommen wurde - und noch auftaucht. Dies muss aber bald sein: Ohne besondere Bedingungen wie etwa Spezialnahrung hat das Tier keine Überlebenschance.

Unbekannter klaut Pinguin aus Luisenpark!

Hintergrund

Der schwarz-weiße Seevogel wird seit 11. Februar vermisst. Vermutlich hat ihn ein unbekannter Täter zwischen 8 und 15 Uhr aus dem Gehege geklaut! Beim Durchzählen zur Fütterung um 15 Uhr bemerkte der Tierpfleger das Fehlen des Pinguins mit der Flügelmarkierung 53 und dem implantierten Identifikations-Chip.

>>> Vermisster Pinguin: Polizei sucht Spuren in Luisenpark!

>>> Pinguin aus Luisenpark geklaut!

dpa/sag

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