Untersuchungsergebnisse liegen vor

Chemieverseuchte Äcker: „Belastung stärker, als gedacht!“

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Ackerflächen im Norden Mannheims sind mit chemikalien Belastet. Doch was heißt das für die Verbraucher? (Symbolfoto)

Mannheim - Im Norden Mannheims sind Ackerflächen mit Chemikalien belastet. Untersuchungen zeigen, wie stark die Belastungen wirklich sind und was bedeutet das für die Menschen?

Im Jahr 2015 wird bekannt, dass im Mannheimer Norden Ackerflächen mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) belastet sind. 

Seit die Stadt von der PFC-Belastung weiß, hat der Fachbereich Grünflächen und Umwelt für rund 317 Hektar Fläche Bodenproben in Auftrag gegeben. Auch 56 Beregnungsbrunnen in dem betroffenen Gebiet und das Grundwasser sind beprobt worden. 

In diesem Jahr sind auf einem Teil der Ackerflächen weitere Proben genommen worden.

Doch was ist PFC?

PFC sind künstlich hergestellte Stoffe, die wegen ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften als Imprägniermittel für Outdoorbekleidung verwendet werden, sowie beispielsweise auch für schmutzabweisende Polstermöbel oder antihaftbeschichtetes Kochgeschirr.

Ergebnisse der Untersuchungen 

Insgesamt stellt sich der aktuelle Stand wie folgt dar: Von den 317 Hektar untersuchten Flächen sind rund 244 Hektar als belastet einzustufen. Spuren von PFC lassen sich auf nahezu allen Flächen nachweisen!

Von den 56 Beregnungsbrunnen sind 16 als belastet einzustufen. In zwei Brunnen können keine PFC-Spuren nachgewiesen werden. In den übrigen 38 Brunnen wird PFC nachgewiesen - die Menge jedoch unbedenklich sein soll. 

Aufgrund der Ergebnisse hat die Landwirtschaftsverwaltung mit den Landwirten verbindliche Regelungen für die Bewässerung mit belastetem Brunnenwasser vereinbart. Bei einer Quotientensumme kleiner oder gleich 1 ist nicht von einer schädlichen Veränderung des Wassers auszugehen. 

Größere Belastung, als gedacht

Die aktuellen Untersuchungen zeigen eine wesentlich größere Flächenbelastung, als nach den bisherigen Befunden zu vermuten war! 

Der Verdacht, dass nur Flächen betroffen sind, die zwischen 2006 und 2008 mit entsprechendem Kompost behandelt wurden, hat sich nicht bestätigt. Die Belastung erstreckt sich auch auf Flächen, auf denen nach 2008 Kompost ausgebracht wurde, der vermutlich mit Papierschlämmen vermischt war. Somit sind nun erweiterte Untersuchungen erforderlich. 

Die landwirtschaftliche Nutzung aller bisher untersuchten Flächen ist weiterhin möglich. Die Landwirte im betroffenen Gebiet werden in mehreren Veranstaltungen mit Vertretern des Regierungspräsidiums, der Landwirtschaftsverwaltung und der Lebensmittelüberwachung über die Untersuchungsergebnisse und die Bewirtschaftungsrichtlinien informiert. Die Bodenproben und deren Bewertung erfolgten durch das Ingenieurbüro Arcadis aus Karlsruhe im Auftrag der Stadt Mannheim.

„Vor-Ernte-Monitoring“ 

Im Rahmen eines vom Ministerium für Ländlichen Raum finanzierten Projektes führt das Amt für Landwirtschaft und Naturschutz Sinsheim seit 2015 ein so genanntes „Vor-Ernte-Monitoring“ durch. Dabei werden Erzeugnisse von den mit PFC belasteten Ackerflächen rechtzeitig vor der Ernte geprüft. 

Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) untersucht die Pflanzenproben auf ihre Gehalte an verschiedenen PFC-Verbindungen. Liegen die Ergebnisse über den vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz festgelegten Beurteilungswerten, darf das Erzeugnis nicht als Lebensmittel vermarktet werden. 

Beim diesjährigen Vor-Ernte-Monitoring können zwei der untersuchten Pflanzenproben nicht als Nahrungsmittel verkauft werden, da die Werte oberhalb der Beurteilungswerte lagen. 

Das Vor-Ernte-Monitoring der Landwirtschaftsverwaltung in Sinsheim soll auch künftig fortgeführt werden. 

Was ist mit dem Grund- und Trinkwasser?

Im Vergleich zu den Untersuchungen aus 2015 und 2016 zeigt sich eine Verschlechterung der Grundwasserbeschaffenheit. Der Anstieg der Werte kann auf eine insgesamt ansteigende Grundwasserverunreinigung oder auf jahreszeitliche Einflüsse mit schwankenden Schadstoffeinträgen hindeuten. 

Die Stadt Mannheim hat ein Abstimmungsgespräch mit dem Beregnungsverband Sandhofen, der Gesundheits- und der Landwirtschaftsverwaltung initiiert, um auszuloten, wie die Bewässerung langfristig sichergestellt werden kann. 

Die MVV fördert im Untersuchungsgebiet kein Trinkwasser. Dennoch überwacht sie weiterhin hinsichtlich PFC. Bisher gibt es keine Auffälligkeiten.

Was sind die nächsten Schritte?

Die zuständigen Verwaltungsstellen beraten im Rahmen der Sitzung der Altlasten-Bewertungskommission des Landes Baden-Württemberg am 15. November zusammen mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe und der Landwirtschaftsverwaltung, welche weiteren Maßnahmen erfolgen müssen. 

Der Fachbereich Grünflächen und Umwelt ist als untere Bodenschutzbehörde der Stadt Mannheim unmittelbar für die belasteten Flächen zuständig und befindet sich in engem Kontakt mit dem Umweltministerium und dem Regierungspräsidium und nimmt an den regelmäßigen Arbeitsgruppensitzungen zur PFC-Schadstoffsituation teil. 

Die Staatsanwaltschaft Mannheim wird ebenfalls regelmäßig über den Sachstand informiert und ermittelt weiterhin gegen Unbekannt. 

jab/pm

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