Im Mai gehts los

Hauptausschuss beschließt: So soll die Borelly-Grotte verschwinden 

+
Seit September 2016 ist in der Kaiserring-Passage nach 54 Jahren Schicht im Schacht.

Mannheim-Innenstadt - Es ist eigentlich schon beschlossene Sache: Die berüchtigte Borelly-Grotte ist schon seit 2016 dicht – aber eben nur provisorisch. So soll sie jetzt endgültig verschwinden. Der Plan: 

Endlich kommt der Deckel drauf...

Seit September 2016 ist in der Kaiserring-Passage nach 54 Jahren Schicht im Schacht. Der Schandfleck „Borelly-Grotte“ ist hinter dicken Holzplatten versteckt. Ein Zaun und Eisenketten verhindert das Betreten. Voraussetzung war, dass der neue barrierefreie Fußgängerübergang über die Reichskanzler-Müller-Straße fertig und freigegeben ist. Seitdem wurde entrümpelt und der Rückbau vorbereitet.

Borelly-Grotte nach 54 Jahren geschlossen!

2018 geht es dann ans Eingemachte: 

Am 28. Februar hatte der Bezirksbeirat Innenstadt/Jungbusch schon über die Zukunft der Borelly-Grotte beraten, am 6. März landete der Antrag mit dem Betreff „Schließung der Kaiserringpassage Maßnahmegenehmigung“ dann beim Ausschuss für Umwelt und Technik. Sowohl der Bezirksbeirat, als auch der Ausschuss für Umwelt und Technik stimmen für die Beschlussvorlage. 

Nun beschäftigt sich am Dienstag (13. März) der Hauptausschuss zu guter Letzt mit dem Schandfleck Mannheims. Auch er segnet die Antrag zum Rückbau Borelly-Grotte einstimmig ab. Gesamtkosten für die Baumaßnahme: 810.000 Euro! 

Im Mai 2018 soll es losgehen - im Jahr 2020 soll dann nichts mehr an die ‚Grotte der Schande‘ erinnern. 

Schandfleck im Untergrund: Die Borelly-Grotte

1. Bauabschnitt ab Mai 2018: Alles muss raus!

Im ersten Bauabschnitt soll die Gebäudetechnik zurückgebaut werden. Bedeutet: Alle Zwischenwände und die Gebäudeausrüstung werden entfernt, sodass nur noch das statische Gerüst stehen bleibt. 

Wichtig dabei ist, dass asbesthaltige Baustoffe, Sanitäreinrichtungen und Elektroinstallationen wie die Rolltreppen weggeschafft werden, um die Rückbau der Wände, Böden und Podeste zu ermöglichen. 

Die Kosten des ersten Bauabschnittes sollen sich auf 480.000 Euro belaufen, losgehen soll es im Mai 2018. Sechs Monate später soll die zweite Baumaßnahme beginnen.

2. Bauabschnitt ab November 2018: Alle Schotten dicht!

Doch wie wird die Borelly-Grotte jetzt dicht gemacht? 

Die Treppenaufgänge und Aufzugsschächte sollen zugeschüttet und die Oberfläche gepflastert werden. Die eigentliche Unterführung soll aber bestehen bleiben. Dann kann der Fachbereich Tiefbau durch einen Notzugang auch immer wieder einen Blick in die Passage hineinwerfen, ob noch alles in Ordnung ist. Die Kosten für den Bauabschnitt 2 belaufen sich auf 330.000 Euro.

Gab es Alternativen?

Eine Alternative wäre gewesen, die Treppenaufgänge, die Aufzugsschächte UND die komplette Passage an sich zuzuschütten. Doch dafür hätten zu viele Randbedingungen erfüllt werden müssen, da die regelmäßige Kontrolle wegen eines fehlenden Zugangs wegfallen würde.

Die dritte Alternative wäre gewesen die ganze Anlage zurückzubauen.  Doch diese Maßnahme wäre viel zu teuer, außerdem hätte die Kaiserring/Bismarckstraße dafür voll gesperrt werden müssen. Und das hätte bedeutet: Verkehrs-Chaos pur!  

Warum wurde die Borelly Grotte geschlossen? 

1962 startete die Kaiserring-Passage mit sechs Läden vor dem Hauptbahnhof. Wegen fehlender Umsätze musste dort schon 1980 das letzte Ladengeschäft schließen. Als 2004 die ebenerdigen Querung über die Bismarckstraße gebaut wurde, nutzen noch weniger Menschen die Unterführung. 

Kneipen und Bars siedelten sich an - doch auch diese verwaisten nach und nach. Die schummrige und kaum genutzten Unterführung wurde zum Kriminalitäts-Brennpunkt - Drogenhandel, Schlägereien, Überfälle waren an der Tagesordnung.

Immer weniger trauten sich in den nach Urin stinkenden Untergrund, das Entrée zur Quadratestadt war der Stadt irgendwann nur noch peinlich. Mehrere Versuche die Passage, die ihren Spitznamen übrigens dem Ex-Stadtbaumeister Wolfgang Borelly zu verdanken hat, wiederzubeleben, scheiterten. 

Im Juli 2015 beschließt der Gemeinderat die Beendigung des Mietvertrages mit der Kaiserring-Passagen Vermietungs- und Verwaltungs GmbH. Der Mieter wird durch eine finanziellen Ausgleich durch die Stadt entschädigt.

>>> Nach Schließung! MANNHEIM24 in der Borelly-Grotte

kp/pek

Mehr zum Thema

Kommentare