Unfall-Opfer wurde zum Pflegefall  

Nach Mega-Crash auf Jungbuschbrücke mit schwer verletzter Mutter und Kind: Raser muss doch in Haft! 

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Die Jungbuschbrücke muss am 16. Dezember 2017 stundenlang gesperrt werden. 

Mannheim-Neckarstadt-West - Am 16. Dezember gleicht die Jungbuschbrücke einem Trümmerfeld. Vier Menschen werden schwer verletzt – dabei ein kleines Mädchen! Nun bekommt der Verursacher eine Haftstrafe:

Update vom 28. Juni: Die Staatsanwaltschaft Mannheim ist in Berufung gegangen. Mit Erfolg: Am Donnerstag (28. Juni) fällt am Mannheimer Landgericht das Urteil: zwei Jahre Haft für den Unfallverursacher Todor G. – diesmal ohne Bewährung! 

Pressesprecher Dr. Joachim Bock vom Landgericht Mannheim äußert sich am 28. Juni gegenüber MANNHEIM24 : „Das Landgericht hat die Entscheidung des Amtsgerichts in der Berufung dahingehend abgeändert, dass die Strafaussetzung zur Bewährung bezüglich der Freiheitsstrafe entfällt. Das Urteil ist gestern ergangen.“

Diesmal soll die Verhandlung sehr straff abgelaufen sein. Der Vorsitzende Richter am Landgericht Olaf Rinio hat neue Zeugen aussagen lassen: Unter anderem den Vater der seit dem Unfall schwerst behinderten Jessica und als Nebenkläger des kleinen Mädchens Liljana, einen Vertreter des Jugendamtes.

Warum der Vorsitzende Richter am Landgericht Mannheim zu einem neuen Schluss gekommen ist:

  • Der angebliche Entschuldigungsbrief verdrehe die Tatsachen.
  • Der Angeklagte soll nachweislich zu seinem Drogenkonsum gelogen haben: Schon in Bulgarien habe der Beschuldigte Drogen genommen und von der Wirkung gewusst. Dazu soll er nach dem Gutachten der Gerichtsmedizin nicht am Abend vor der Tat, sondern kurz vor der Fahrt einen Joint geraucht haben.
  • Er habe sich wissentlich ans Steuer gesetzt, obwohl sein Schwager mitgefahren ist.
  • Auch nach verbüßter Haftstrafe bestehe noch eine gute Prognose.

Der Beschuldigte hat jetzt drei Wochen Zeit, um in Revision zu gehen.

Die schwerst geschädigte Mutter Jessica lebt nun in einem Heim im Odenwald. Nach wie vor ist sie fast bewegungsunfähig, 24 Stunden auf Hilfe angewiesen. Nur mit dem Fuß kann sie eine Klingel betätigen. Ihr Stiefopa und die Oma (beide 55 Jahre) kümmern sich nach wie vor um das Mädchen, die kleine Liljana. 

Familie der schwer geschädigten Mutter mit neuem Urteil zufrieden

Stiefopa Martin W. dazu: „Das ist ein Urteil, mit dem wir gut leben können! Der Richter hat ihm (Todor G.) klipp und klar deutlich gemacht, dass sein Verhalten grob fahrlässig war.“ Martin W. ist von der Reue des Fahrers noch nie überzeugt gewesen.

Im August wird die kleine Tochter vier Jahre alt. Sie geht in den Kindergarten und in einen Tanzunterricht – fast wie ein normales Mädchen. Doch  dazu kommen Logo- und Ergotherapie, seit neuestem auch Besuche bei einer Psychiaterin. Auch Spätschäden können noch auftreten. Mit ihrer Mama wird sie wohl nie wieder spielen können.

Am 18. Dezember 2018 fällt die Richterin ein Urteil mit Bewährungsstrafe

Update vom 18. Dezember 16:15 Uhr: 

Ein Jahr nach dem Crash auf der Jungbuschbrücke wird der 24-jährige Angeklagte wegen Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung in vier Fällen zu einer Bewährungsstrafe von 2 Jahren, einer Geldstrafe von 10.000 Euro und 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt 

Die Staatsanwaltschaft hatte 2,8 Jahre Haft gefordert. Strafmindernd hätte sich die „günstige Sozialprognose“ des Angeklagten ausgewirkt, so ein Sprecher des Gerichts. 

Trotz eines Entschuldigungsbriefs und des Geständnisses des Angeklagten, zweifelt der Stiefvater des Unfallopfers an der Reue des Angeklagten – er bezichtigt ihn sogar der Lüge! Seine Stieftochter wurde bei dem Unfall zum Pflegefall. Ob seine Stiefenkelin nach ihrem Schädel-Hirn-Trauma auch Langzeitschäden davonträgt, wird die Zeit zeigen. 

Update vom 18. Dezember 12 Uhr: 

Dieser Unfall schockierte die ganze Region: Am Abend des 16. Dezember soll ein 24-Jähriger unter Drogeneinfluss einen schweren Unfall auf der Jungbuschbrücke verursacht haben. Vier Menschen werden bei dem Crash verletzt, die Fahrerin eines Opels ist nach dem Unfall mit einem Schädel-Hirn Trauma ins Koma gefallen und ist seitdem ein Pflegefall. Auch ihr zweijähriges Kind wurde schwer verletzt und erlitt ebenfalls ein Schädel-Hirn-Trauma. 

Am Dienstag (18. Dezember) muss sich der 24-jähriger Unfallfahrer im Amtsgericht wegen Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung in vier Fällen verantworten.

Weinend zusammengebrochen 

Auf der Anklagebank sitzend, wirkt der gelernte Elektriker, der zuletzt in einer Reinigungsfirma arbeitete, am Boden zerstört.

Als er nach dem Unfall erfuhr, wie schwer die Unfallopfer verletzt sind, seien er und seine Mutter weinend zusammengebrochen. Seine Schwester und seine Nichte seien im gleichen Alter wie die Unfallopfer. 

Gleich am nächsten Tag habe er einen Entschuldigungsbrief an die Familie der Unfallopfer geschrieben. Außerdem habe er 5.000 Euro gespart, die er der Familie zur Verfügung stellen möchte. Er gibt zu am Tag des Unfalls einen Joint geraucht zu haben und für den Unfall verantwortlich zu sein. Er habe die Wirkung der Droge unterschätzt. 

Am Nachmittag wird der Ehemann der pflegebedürftigen Frau als Zeuge aussagen. 

Hintergrund

Trotz der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde soll der Mann in der Kurve auf 110 Kilometer pro Stunde beschleunigt haben. Dabei habe er die Kontrolle über seinen Audi verloren und sei in den Gegenverkehr geraten. 

Hierbei soll er mit einem entgegenkommenden Opel frontal zusammengestoßen sein. Es folgte eine Kettenreaktion: Weitere drei weitere Fahrzeuge krachen mit den beiden Unfallwagen zusammen. Insgesamt werden vier Personen verletzt. 

Die Fahrerin des entgegenkommenden Fahrzeugs wurde durch den Aufprall schwer verletzt und ist seitdem auf Betreuung angewiesen. Ihre zweijährige Tochter zog sich ebenfalls lebensgefährliche Verletzungen – ein Schädel-Hirn-Trauma – zu.

Die ursprüngliche Meldung 

Am Abend des 16. Dezember gegen 19:40 ist ein Audi-Fahrer (23) mit seinem Beifahrer auf der Jungbuschbrücke in Richtung Innenstadt unterwegs, als er plötzlich von der Fahrbahn abkommt, in den Gegenverkehr gerät und gleich in mehrere Fahrzeuge kracht. Durch die Wucht des Aufpralls überschlägt der Opel einer 31-jährigen Frau

Mit im Opel: ihr zweijähriges Kind! Das Kind wird lebensgefährlich, die Mutter und der Audi-Fahrer schwer verletzt. Zwei weitere Unfallbeteiligte werden leicht verletzt. Noch Tage später schwebt das kleine Mädchen in Lebensgefahr – sie hat ein Schädel-Hirn Trauma erlitten. 

12 Wochen nach dem Massen-Crash 

Fast drei Monate später kann die Polizei nichts zum Gesundheitszustand des Mädchens sagen, sicher ist nur: sie lebt! Der Fall liegt mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft. 

Auf Anfrage erfährt MANNHEIM24, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen den 23-jährigen Audi-Fahrer wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und der fahrlässigen Körperverletzung aufgenommen hat. 

Zwar würde zur Zeit in diese Richtung ermittelt, das Verfahren sei jedoch dynamisch und der Ausgang noch völlig offen. Wann Anklage erhoben wird und wie diese genau laute, könne man zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.   

Wir bleiben für Dich dran! 

Auch im Mordfall Syndia A. wird Anklage wegen Mordes erhoben.

Bei einem schweren Unfall im Odenwald gefährdet ein 28-Jähriger das Leben anderer Verkehrsteilnehmer, der Grund vermutlich zu hohe Geschwindigkeit.

kp/kpo

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